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US-Sanktionen verunsichern Russland-Anleger

Seit Donald Trumps Wahlsieg wird über den möglichen Einfluss Russlands auf das Wahlergebnis spekuliert. Das schien das Verhältnis zwischen Russlands Präsident Putin und Trump zunächst nicht zu belasten, doch nun hat Washington Sanktionen verhängt. Wie wirken sich diese auf die Anleger aus?

US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Vladimir Putin im November 2017 auf dem APEC Gipfel in Danang Vietnam.

Aus Feind wird Freund wird Feind. Die US-Regierung unter Präsident Trump hat neue Sanktionen gegen Russland verhängt. Russische Vermögenswerte verloren in der Folge deutlich.

Die Sanktionen seien eine Reaktion darauf, dass Russland die Präsidentschaftswahl 2016 beeinflusst habe. Nun sollen nicht nur die Unternehmen sanktioniert werden, sondern auch ihre Eigentümer sowie Staatsbedienstete.

“Der starke Rückgang der russischen Vermögenswerte resultierte daraus, dass Anleger durch die Sanktionen dazu gezwungen wurden, ihre bestehenden Positionen zu verkaufen. Der Aktienmarkt sackte um acht Prozent ab, die Renditen von Staatsanleihen stiegen um 50 Basispunkte und der Rubel gab um zehn Prozent nach”, sagt Paul McNamara, Investment Director bei Gam Investments.

Verunsicherte Anleger

Die Sanktionen unterscheiden sich von denen, die 2014 nach der russischen Krim-Invasion verhängt wurden. Damals wurde es US-amerikanischen Anlegern untersagt, neue Wertpapiere zu kaufen. Nun dürfen sie keinerlei Schuldtitel oder Aktien der sanktionierten Emittenten mehr halten.

Die Anleger seien verunsichert [1], sie wüssten nicht, ob die Sanktionen ausgeweitet werden und somit weitere Zwangsverkäufe auslösen würden. Das steigere den Umfang der Abverkäufe.

Solider Staatshaushalt

“Aber auch die starke Positionierung in lokalen Anlagewerten macht sich hier bemerkbar: Russland ist in Portfolios mit Schwellenmarktaktien und -anleihen häufig übergewichtet worden. Dies hat für erhebliche Mittelzuflüsse gesorgt. Grund hierfür waren die sich verbessernden wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes”, sagt McNamara.

Seite zwei: Unberechenbare US-Regierung [2]

Das Wachstum habe sich erholt – wenn auch weniger stark als erwartet angesichts der Bonitätskennzahlen – während die höheren Ölpreise der Handels- und Haushaltsbilanz zugutekamen.

Auch die Devisenreserven seien von 350 Milliarden US-Dollar Anfang 2015 auf 458 Milliarden US-Dollar gestiegen. Anders als in der Türkei seien der Staatshaushalt und die Zahlungsbilanz von Russland solide.

Unberechenbare US-Regierung

“Staatsanleihen sind nicht direkt von den Sanktionen betroffen”, hebt McNamara hervor. Schätzungen zufolge würden ausländische Anleger ein Drittel des russischen [3] Anleihenmarktes halten. Dies entspreche einem Wert von 40 Milliarden US-Dollar.

“Aktuell sieht es so aus, als ob Anleger eher US-Dollar gegen Rubel kaufen, um das Währungsrisiko in Verbindung mit ihren Anleihepositionen zu neutralisieren, als zu versuchen, Anleihen unter angespannten Marktbedingungen zu verkaufen”, so McNamara. Dies erkläre auch, warum der Rubel weitaus stärker unter den Sanktionen gelitten hat als lokale Anleihen.

Anleger sähen sich derzeit mit dem folgenden Problem konfrontiert: Eine Ausweitung der Sanktionen hätte zweifelsohne weitere negative Konsequenzen für russische Vermögenswerte. Ohne sie wären die makroökonomischen Auswirkungen jedoch wahrscheinlich so minimal, dass die Bewertungen übermäßig günstig erschienen. Die Unberechenbarkeit der Trump-Regierung erschwere es Anlegern zudem, die Situation treffend einzuschätzen.

Politische Krise schwer einzuschätzen

Die russischen Behörden haben auf die US-Sanktionen nach Angaben von Gam reagiert, indem sie routinemäßigen US-Dollar-Käufe ausgesetzt und Liquidität an lokale Marktteilnehmer verpfändet haben. Im nächsten Schritt könnte die Zentralbank [4] ihren Zinssenkungszyklus verkürzen.

“Allerdings rechnen wir nicht mit einer Intervention in den Devisenmarkt, solange der Rubel nicht erheblich vom derzeitigen Stand abgewertet wird”, so McNamara weiter.

Da die Krise politischer Natur sei, sei es nur schwer vorhersehbar, ob Käufe oder Verkäufe russischer Anlagen der richtige Weg wären und ob die technischen Risiken eine potenzielle Bewertungslücke ausgleichen könnten.

Foto: Jorge Silva/Pool Photo via AP