18. September 2018, 07:45
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“Veränderte Korrelationen fordern Multi-Asset-Fonds heraus”

Wie bewerten Sie die gewaltigen Zuflüsse, bereitet es Ihnen manchmal auch Sorge, dass die Anleger mehr von Multi-Asset-Fonds erwarten könnten, als diese möglicherweise imstande sind zu leisten?

Kruse: Da muss man die verschiedenen Assetklassen innerhalb eines Multi-Asset-Fonds unterscheiden und wie liquide sie sind. Wenn ich einen Fonds habe, der seine Renditen vorwiegend über Small- oder MidCaps verdient, muss man ein bisschen aufpassen. Auch im Bereich Emerging Markets oder High Yield, also da, wo die Liquidität zu gering sein könnte. Das gilt auch, obwohl sie gerade lange Zeit sehr gut war. Was man aber auch sagen muss: Multi Asset – wenn wir auf einen einfachen Nenner bringen – sind Renten und Aktien. Sie hatten lange Zeit eine negative Korrelation im Bereich von minus 0,3. Durch die Zentralbankpolitik des billigen Geldes ist das aber nicht mehr der Fall. Wir sind nahe an die Null herangekommen.

Die Zentralbanken ziehen die Zinsen entweder schon leicht an oder werden es künftig tun, wie die EZB. Geringfügig steigen die Zinsen noch, aber wir haben keine negative Korrelation.  Auch wenn die Zentralbank jetzt gegensteuert, tut sie das nicht, um die Inflation zu bekämpfen oder die Wirtschaft zu bremsen, sondern nur, um ein Zeitfenster der Konjunktur für die Normalisierung der Liquiditätspolitik zu suchen. Insofern passt es auch nicht, dass man sagt, Multi Asset ist immer so ein bisschen Risiko oder geringeres Risiko gewesen, weil sich die beiden Assetklassen ausgleichen. Das muss man jetzt berücksichtigen, und deshalb muss man aktuell auch andere Maßnahmen ergreifen.

Wie sehen diese Maßnahmen aus?

Kruse: Derzeit ist man noch relativ stark in Aktien investiert und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass man über Staatsanleihen einen natürlichen Hedge in einem Mischfonds hat, sowie es vielleicht sogar noch Anfang 2012 der Fall war. Jetzt ist man als Fondsmanager gehalten, die niedrigen Volatilitätsprämien, zu nutzen und die Tail Risks also das Risiko starker Einbrüche der Aktienmärkte auszubremsen, zum Beispiel über Optionen, da  die Renten die Risiken nicht mehr ausgleichen können. Europäische Renten haben wir beispielsweise fast gar nicht mehr im Portfolio, weil niedrige Zinsen das nicht leisten können. In den USA sieht es dagegen ein bisschen anders aus.

Und Unternehmensanleihen und ähnliches sind keine Option?

Kruse: Doch, betrachten wir zum Beispiel den Amundi Fund II Global Multi-Asset Target Income, dann spielen Unternehmensanleihen eine Rolle. Und wenn ich einen klassischen, globalen Mischfonds anschaue, dann finden sich dort sicherlich Unternehmensanleihen aus den Developed Markets und in kleinen Teilen auch der Emerging Marktes. Aktien, Staatsanleihen sind ebenfalls vertreten, wobei die Quote Letzterer inzwischen relativ gering ist. In unserem Fonds deutlich unter 20 Prozent. Wir haben einen großen Anteil an Unternehmensanleihen, Investment Credits liegen zurzeit bei über 22 Prozent, aber auch Teile in Emerging Marktes und ein Teil in High Yield. Da sind wir sogar mit knapp zehn Prozent in jeder dieser beiden Assetklassen aktuell noch stiefmütterlich unterwegs.

Diese Assetklasse ist in den letzten Jahren sehr viel stärker genutzt worden. Sicherlich auch nicht zum Nachteil der Fondsperformance – zumindest bis Ende 2017. Jetzt im Moment merkt man aber, dass die Liquidität sehr eng werden kann. Die Türkei ist aktuell ein Beispiel, bei dem zumindest die Gefahr besteht, dass die Situation auf andere Länder abfärben könnte, wodurch sich dann die Liquidität recht zügig reduziert. Entsprechend sollte man bei Investments in Emerging Markets nicht nur den jeweiligen Markt sehr genau beobachten, sondern auch die Liquidität der jeweiligen Assets im Auge behalten.

Seite  drei: Was tun, wenn Aktien und Renten nicht mehr negativ korrelieren

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