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Vier Gründe für eine Investition in Schwellenländer

Nicht alle Schwellenländer sind von den gleichen Schocks betroffen und abhängig von Exporten. Die meisten Länder sind in der Wertschöpfungskette nach oben gestiegen. Das ist nur ein Grund, warum sich die Investition in Schwellenländer lohnt.

Solarpanele in Schanghai: China versucht, nachhaltiger zu wirtschaften.

Schwellenländer würden oftmals als eine homogene Gruppe von Ländern angesehen, so Tim Love, Investment Director bei Gam Investments. Allerdings sei dies nicht mehr der Fall – falls es  je so war. Aus historischer Sicht habe es immer geografische und kulturelle Unterschiede gegeben, und auch die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer sei unterschiedlich verlaufen.

“Ebenso unterschiedlich fällt die Reaktion auf die zunehmenden protektionistischen Maßnahmen der USA aus”, sagt Love. Protektionismus könne zwar Volkswirtschaften, in denen der Handel einen hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat, massiv beeinträchtigen. Es sei aber falsch, alle Schwellenländer dieser Kategorie zuzurechnen. Es gebe durchaus Gründe, zuversichtlich zu sein.

Aufstieg in der Wertschöpfungskette

Sollte der Handel aufgrund zunehmender protektionistischer [1] Maßnahmen der USA nachlassen, setze dies in erster Linie stark exportorientierte Volkswirtschaften wie China, Korea und Taiwan unter Druck: Noch vor zwei Jahrzehnten sei China [2] das beliebteste Ziel für die Auslagerung der Produktion gewesen, während Korea und Taiwan die weltweit führenden Produktionsstandorte für elektronische Bauteile gewesen seien.

“Viele Schwellenländer haben einen anderen Weg eingeschlagen und sich in der Wertschöpfungskette nach oben gearbeitet. Sie wenden sich von Wirtschaftsmodellen ab, die auf niedrige lokale Arbeitskosten setzen, um den Weltmarkt für Billigexporte zu beherrschen”, berichtet Love.

Ein Nebenprodukt dieser wirtschaftlichen Migration zur Produktion höherwertiger Erzeugnisse sei, dass die Mittelschicht rasant wachse und dadurch der Anteil des Inlandskonsums am BIP kontinuierlich steige.

Situation in Russland

Anders sei die Lage in Russland [3]. “Geopolitisch steckt das Land in einer schwierigen Lage und ein durch Sanktionen bedingter Bewertungsrückgang hat die Währung auf Tiefstände gedrückt, wie wir sie zuletzt im Jahr 2016 gesehen haben. Die Frage lautet daher, ob diese Herausforderungen angemessen eingepreist sind”, so Love.

Seite zwei: Weitere Gründe [4]

Er halte es dennoch für sinnvoll, wenigstens eine neutrale Position in Russland zu halten. Beim Timing seien mehrere Faktoren zu beachten: Zum einen die politische Lage sowie die Stimmung und Liquidität am Markt. Zum anderen gilt es die unterstützenden Fundamentaldaten im Auge zu behalten.

Günstige Bewertungen

Anders als in den USA sei die Bewertung von EM-Aktien nicht zu hoch. Nachdem in den vergangenen Jahren in Bezug auf Corporate Governance und wirtschaftliche Stabilität erhebliche Fortschritte erzielt wurden, seien die Schwellenländer effektiv das einzige Investment-Grade–Universum, dessen Bewertungen noch hinterherhinkten.

“Daher bleiben wir bei unserer positiven Haltung, obwohl protektionistische Maßnahmen in letzter Zeit zugenommen haben. Wir behalten die Risiken des Protektionismus im Auge, die stärkere Inlandsnachfrage sollte die Auswirkungen jedoch abmildern”, sagt Love.

Reformen und Kreditumfeld

Richteten zudem mittel- bis langfristig orientierte Anleger in EM-Aktien die Zusammensetzung ihres Portfolios auf weitreichende staatliche Reformprogramme aus, verbessere sich die Vorhersagbarkeit der Gewinne und das Risiko-Rendite-Profil.

“Beispielsweise bemüht sich Saudi-Arabien, seine Abhängigkeit von Rohstoffexporten zu verringern. Dazu legt das Land den Fokus stärker auf High-Tech. In China sehen wir Chancen bei drei oder vier Unternehmen, welche die Speerspitze bei den Umweltreformen des Landes bilden!, sagt Love.

“Mexiko wiederum hat vor Kurzem davon profitiert, dass die Ratingagentur Moody’s den Ausblick von negativ in positiv geändert hat. Dies ist ein weiteres Beispiel für eine gute Möglichkeit, hochwertige Unternehmen in einem sich bessernden Kreditumfeld zu im historischen Vergleich günstigen Kursen zu kaufen.”

Foto: Shutterstock