Führt die Geldpolitik zur nächsten Rezession?

Konjunktur- und Börsenanalytiker nutzen auch Zinsdifferenzen von Unternehmensanleihen. „Steigende Ausfallraten sind ein treffsicheres Indiz für ein zunehmendes Konjunkturrisiko und bieten damit, korrigiert um die Ausfallraten, eine komplementäre Sicht aus der Perspektive der Realwirtschaft“, sagt Wenzel. Die Kombination aus beiden Indikatoren sei verlässlich und deute aktuell auf eine Rezessionswahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent hin.

„Die aktuelle Börsenschwäche interpretieren wir allerdings vielmehr als Reaktion auf die zahlreichen politischen Unwägbarkeiten, die sich rund um den Globus spannen, auf eine sich leicht abschwächende Konjunktur und auf steigende Zinsen. Es kann heute kaum ein Zweifel daran bestehen, dass wir uns in der konjunkturellen Spätphase befinden, in welcher die Konjunkturdynamik einen Gang zurückschaltet und die Inflation, unterstützt von Lohnerhöhungen oberhalb des Produktivitätswachstums, weiter ansteigt“, so Wenzel.

Wie sollten Investoren reagieren?

Dies sei insbesondere in den USA der Fall, wo die Löhne mittlerweile um die drei Prozent zulegen, während die Produktivität nur um ein Prozent wachse. „Das belastet auch das Gewinnwachstum, für welches wir für 2019 bestenfalls einstellige Zuwächse erwarten“, sagt Wenzel.

Investoren sollten 2019 nach der Philosophie: „in Kursstärke Gewinne mitnehmen“ investieren. „Sich von einem übertriebenen Pessimismus, der auf der kurzfristigen Stimmungslage basiert, treiben zu lassen, war noch nie eine gute Anlagestrategie und ist es weiterhin nicht. Insofern haben die mahnenden Signale der Zinsstrukturkurve und die daraus resultierenden Warnsignale ihre Legitimation“, schließt Wenzel.

Foto: Shutterstock

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