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Führt die Geldpolitik zur nächsten Rezession?

Das Verhältnis von kurz- zu langfristigen Zinsen wird schon lange als Frühwarnsystem genutzt. So warnt die Zinskurve auch in diesen Tagen vor einer Rezession. Welche weiteren Indikatoren dafür sprechen und wie Anleger reagieren sollten:

Investoren sorgen sich davor, dass die Kursstürze im Oktober ein Vorbote für 2019 waren. Die Zinnstrukturkurve ist ein Indiz dafür.

Börsianer und Volkswirte sind in Alarmbereitschaft. Einer der Gründe dafür ist die abflachende Zinsstrukturkurve. “An der Börse wird sie als recht treffsicheres Frühwarnsystem gehandelt, da sie in der Vergangenheit oft mit längerem zeitlichem Vorlauf auf eine Rezession [1] hindeutete”, sagt Dr. Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers.

Sorge um inverse Zinsstruktur

Die US-Zinsstrukturkurve, die die Differenz zwischen langfristigen Zinsen und dem Zins für kurzfristige Anleihen angibt, hat sich von 260 Basispunkten Anfang 2014 auf aktuell 20 Basispunkte abgeflacht. Bei einer inversen Kurse übersteigen die kurzfristigen die langfristigen Zinsen.

“Die Sorge um eine inverse Zinsstruktur [2] macht umso mehr die Runde auf dem Börsenparkett, seit es quasi sicher ist, dass die US-Notenbank die Geldmarktzinsen von aktuell 2,25 Prozent im Laufe des Jahres 2019 weiter Richtung drei Prozent anheben wird und damit auch die Renditen für zweijährige Anleihen ansteigen werden”, so Wenzel weiter.

Quelle: www.treasury.gov, 4.12.2018; eigene Darstellung

Die Zinsen für lange Laufzeiten, am “langen Ende der Zinsstrukturkurve” spiegeln die Wachstums- und vielmehr die Inflationserwartung der Marktteilnehmer wider. Die restriktivere Geldpolitik sei eine Folge der hohen Inflationserwartung, die die Notenbank zum Handeln zwingen.

Seite zwei: Weiterer Indikator für eine nahende Rezession [3]

Konjunktur- und Börsenanalytiker nutzen auch Zinsdifferenzen von Unternehmensanleihen. “Steigende Ausfallraten sind ein treffsicheres Indiz für ein zunehmendes Konjunkturrisiko [1] und bieten damit, korrigiert um die Ausfallraten, eine komplementäre Sicht aus der Perspektive der Realwirtschaft”, sagt Wenzel. Die Kombination aus beiden Indikatoren sei verlässlich und deute aktuell auf eine Rezessionswahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent hin.

“Die aktuelle Börsenschwäche interpretieren wir allerdings vielmehr als Reaktion auf die zahlreichen politischen Unwägbarkeiten, die sich rund um den Globus spannen, auf eine sich leicht abschwächende Konjunktur und auf steigende Zinsen. Es kann heute kaum ein Zweifel daran bestehen, dass wir uns in der konjunkturellen Spätphase befinden, in welcher die Konjunkturdynamik einen Gang zurückschaltet und die Inflation, unterstützt von Lohnerhöhungen oberhalb des Produktivitätswachstums, weiter ansteigt”, so Wenzel.

Wie sollten Investoren reagieren?

Dies sei insbesondere in den USA der Fall, wo die Löhne mittlerweile um die drei Prozent zulegen, während die Produktivität nur um ein Prozent wachse. “Das belastet auch das Gewinnwachstum, für welches wir für 2019 bestenfalls einstellige Zuwächse erwarten”, sagt Wenzel.

Investoren sollten 2019 nach der Philosophie: “in Kursstärke Gewinne mitnehmen” investieren. “Sich von einem übertriebenen Pessimismus, der auf der kurzfristigen Stimmungslage basiert, treiben zu lassen, war noch nie eine gute Anlagestrategie und ist es weiterhin nicht. Insofern haben die mahnenden Signale der Zinsstrukturkurve und die daraus resultierenden Warnsignale ihre Legitimation”, schließt Wenzel.

Foto: Shutterstock