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Handelsstreit als Chance für Europa

Donald Trump hat den Konflikt zwischen den USA und China erneut angefacht, indem er ankündigte, die Zölle auszuweiten. Beijing will sich dagegen wehren. Das kann die Nachfrage nach europäischen Produkten steigern, doch auch ihre Hersteller werden unter dem Streit leiden.

Gabriel Felbermayr: “China hat sich in den letzten Jahren deutlich unabhängiger vom Export gemacht; das zahlt sich jetzt aus. Aber der Handelskrieg zwischen den USA und China erhöht die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich.”

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, weitere Zölle im Wert von 200 Milliarden US-Dollar auf chinesische Importe zu erheben. China kündigte an, die neuen Zölle zu vergelten, ließ Umfang und Art aber noch offen. Damit hat sich die Hoffnung auf Entspannung [1] nicht erfüllt.

“Um seine legitimen Rechte und Interessen und die globale Freihandelsordnung zu wahren”, müsse China Gegenmaßnahmen ergreifen, hieß es in einer Mitteilung des Pekinger Handelsministeriums. China “bedauere” die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump.

Spürbarer Bremseffekt

Die zusätzlichen Zölle der US-Regierung unter Präsident Donald Trump [2] bremsen das chinesische Wachstum um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte. Das hat das Ifo Institut ausgerechnet. Gleichzeitig könnten die US-Zölle die Verhandlungsposition Europas verbessern.

“Sollten die Zölle gegen Jahresende von zehn auf 25 Prozent steigen, dann beträgt der Bremseffekt 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte. Das ist spürbar, aber bei einem chinesischen Wachstum von etwa 6,5 Prozent im Jahr ist die Auswirkung überschaubar”, sagt der Leiter des Ifo Zentrums für Außenwirtschaft, Gabriel Felbermayr.

Seite zwei: Sieger Europa? [3]

“China hat sich in den letzten Jahren deutlich unabhängiger vom Export gemacht; das zahlt sich jetzt aus. Aber der Handelskrieg zwischen den USA und China erhöht die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich.” Er führe zu Aufwertungsdruck auf den Dollar; das belaste die Schwellenländer. Und in China selbst kämen manche überschuldete Unternehmen unter zusätzlichen Druck.

Gelegenheit für Europa

Felbermayr fügt hinzu: “Strategisch ist der Handelskrieg zwischen den USA und China für die EU eine Gelegenheit, eigene Interessen durchzusetzen. Europa [4] könnte zum großen Profiteur werden, wenn sich China zu Zugeständnissen im Rahmen der WTO drängen lässt. Das nutzt der wettbewerbsfähigen deutschen Industrie deutlich mehr als der amerikanischen.”

Die Zeit in der Trump gleichzeitig gegen alle Handelspartner vorgeht, sei zunächst vorbei. “Solange sich die Spirale des Handelskriegs zwischen Washington und Peking dreht, ist Europa relativ sicher.”

Steigende Kosten

Die Wettbewerber aus China in den USA und aus den USA in China litten stärker, und die Produkte aus Europa [5] könnten daher durchaus Marktanteile gewinnen.

“Wenn europäische Konzerne aber in den USA oder China für den Weltmarkt produzieren, dann steigen auch für sie die Kosten. Zum Beispiel, wenn Siemens in den USA Elektronik-Bauteile aus China verwendet. Außerdem belasten die neuen Risiken die Aktienkurse weltweit. Für kleinere europäische Unternehmen, deren Wertschöpfungsketten eher regional aufgestellt sind, gibt es aber in der Tat neue Chancen”, so Felbermayr.

Foto: Ifo-Institut

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Dunkle Wolke über den Märkten [6]

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