- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Absolute-Return: “Volatilität ist an sich nichts schlechtes”

Steigende Volatilität allein ist noch kein Grund, in Absolute-Return-Strategien zu investieren. Über die Stärken und Schwächen der Assetklasse sprach Cash. mit Claudia Röring, Leiterin Produktmanagement bei Lupus alpha.

Claudia Röring: “In schwierigen Marktphasen trennt sich die Spreu vom Weizen.”

Cash.: Was sind die Chancen von Absolute-Return-Fonds in den kommenden zwei Jahren?

Röring: Nachdem die expansive Politik der 
Notenbanken über Jahre die Zinsen niedrig
gehalten haben und bis zum Frühjahr in
Europa, beziehungsweise Herbst dieses Jah
res in den USA, für immer neue Höchststän
de an den Aktienmärkten [1] sorgten, betrachten viele Anleger ihre Vermögensaufteilung
kritischer.

Viele Rentenpapiere bieten nach
wie vor keine auskömmlichen Erträge, aber
auch die Risiken einer „long-only“ Aktien
anlage rücken in den Vordergrund.

So sind
 für viele Anleger [2] Strategien, die Aktien 
Long/Short verwalten, oder marktneutrale
Aktienanlagen ein interessanter Weg, um
 am Aktienmarkt mit begrenztem Marktrisiko teilzunehmen.

Diese Strategien profi
tieren insbesondere dann, wenn sich nicht
 alle Aktien gleichgerichtet bewegen, sondern wenn sich die Performance der Einzeltitel deutlich unterscheidet, also die Dispersion besonders hoch ist.

Auch Global-Macro-Strategien profitieren in einem Umfeld steigender Zinsen und bei unterschiedlichen Zins- und Wechselkursentwicklungen in verschiedenen Märkten und Marktsegmenten, da sich hieraus Arbitragemöglichkeiten ergeben.

Seite zwei: Die größten Risiken von Absolute-Return-Fonds [3]

Cash.: Was sind die größten Risiken von Absolute-Return-Fonds in den kommenden zwei Jahren?

Röring: Grundsätzlich ist die Wertentwicklung und das Chance-/Risiko-Profil von Absolute-Return-Fonds sehr unterschiedlich.

Sowohl die verschiedenen Strategien [4] unterscheiden sich deutlich und auch innerhalb der Kategorien streuen die Ergebnisse der verschiedenen Fonds stark.

Während die besten Manager regelmäßig positive Returns erzielen, verlieren schlechtere Fonds häufig im gleichen Zeitraum deutlich. Es kommt also vor allem auf die Auswahl der richtigen Einzelfonds und Manager an.

Rechnen Sie mit wachsenden Zuflüssen in 2019?

Dass die Anlageklasse bedeutender wird, lässt sich an dem Wachstum des Volumens um 15 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2018 ablesen. In dem schwierigen Marktumfeld waren in erster Linie Strategien gefragt, von denen sich Anleger versprachen, dass sie ihr Gesamtrisiko reduzieren.

Das sind überwiegend hedgefondsähnliche Konzepte, die nur wenig mit traditionellen Anlageklassen wie Aktien und Renten [5] korrelieren. Die Märkte dürften in 2019 nicht einfacher werden.

Daher sollte auch die Nachfrage nach alternativen Anlagestrategien 2019 steigen. Dabei kann es durchaus zu Abflüssen bei Anlagestrategien kommen, die ihre Performanceziele in diesem Jahr deutlich verfehlt haben.

Seite drei: Absolute-Return an volatilen Märkten [6]

Cash.: Die Märkte werden wieder volatiler. Sind das gute Nachrichten für Absolute-Return-Strategien?

Röring: Mehr Volatilität bietet Möglichkeiten für Manager von Absolute-Return-Strategien, vor allem, wenn sie mit einer nicht gleichgerichteten Entwicklung von Märkten, Sektoren und Einzeltiteln einhergeht.

Gleichzeitig testen Schwankungen die Risikomanagementsysteme der Manager und die Qualität ihrer Investmententscheidungen: In schwierigeren Marktphasen trennt sich die Spreu vom Weizen.

Ist Angst vor mehr Volatilität ein guter Grund in Absolute-Return-Fonds zu investieren?

Volatilität für sich genommen ist nichts Schlechtes. Anleger haben in der Vergangenheit häufig nur die Marktschwankungen wahrgenommen – und damit die Risikoseite von Volatilität [7]. Das hat sich geändert.

Volatilität wird immer stärker als investierbare Assetklasse erkannt und von Investoren genutzt, um sich in schwierigen Märkten eine alternative Renditequelle zu erschließen.

Für viele Anleger ist vermutlich der erwartete Drawdown beziehungsweise der Verlust, der maximal ausgehalten werden kann, das wichtigere Risikomaß.

Hier kann ein Blick auf vergleichbare Marktphasen in der Vergangenheit helfen, einzuschätzen, welcher individuelle Assetmix am besten zur persönlichen Risikotragfähigkeit passt. Vermögenswerte breit zu streuen, auch auf unterschiedliche Absolute-Return-Konzepte, kann ein Weg sein, die Volatilität und Drawdowns im Gesamtportfolio zu reduzieren.

Lesen Sie das vollständige Interview in der kommenden Cash.-Ausgabe 02/2019 (ab 24.01 erhältlich).

Interview: Katharina Lamster

Fotos: Dirk Beichert, Shutterstock

 

Mehr Beiträge zum Thema Anlagestrategien:

Mit Tools gegen Anlagefehler [8]

Für eine Rezession ist es noch zu früh [9]

Factor Investing: Investieren ohne Nebeneffekte [10]