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Aktiv versus passiv: Anleger müssen nicht wählen

Die Diskussion über aktives versus passives Investieren wird bisweilen sehr heftig geführt. Warum es kein Entweder-oder, sondern eher ein Sowohl-als-auch geben sollte.

Gastbeitrag von Thomas Romig, Assenagon Asset Management

Thomas Romig: “Die Studie unseres Hauses zeigt, dass aktives Management Mehrwert bringt.”

Wer die weniger populären Segmente des Kapitalmarktes nutzen will, kommt an wirklich aktiven Strategien nicht vorbei. Bei klassischen Core-Investments, wie etwa globalen Aktien, können Anleger [1] mit einem passiven Produkt auf einen Index wie den MSCI World einen Teil ihres Portfolios gut füllen.

Beispiele für Satelliten im Portfolio sind besicherte Anleihen (ABS), spezielle Small-Cap-Strategien für kleine- und mittelgroße Aktiengesellschaften oder Anlagen in Frontier-Märkten.

Diese Strategien sind in der Regel nicht als Exchange Traded Fund (ETF) erhältlich. Wer davon profitieren will, muss auf aktives Management zurückgreifen.

Wann lohnt aktives Portfolio-Management

Um die Vorurteile gegenüber aktivem Management zu prüfen, haben wir in einer Studie untersucht, ob sich aktives Portfolio-Management auch in einem breiten Aktien-Universum lohnt.

Dazu wurden alle Investmentfonds für europäische Aktien aus den Morningstar-Kategorien “alle Unternehmensgrößen” sowie “Standardwerte gemischt” mit einem ETF [2] auf den Aktienindex MSCI Europe verglichen.

Betrachtet wurden rollierende Zeitspannen von drei Jahren über einen gesamten Zeitraum von fünf Jahren. Was dem empfohlenen Anlegehorizont eines Aktieninvestors entspricht.

Seite zwei: Kosten genau aufgeschlüsselt [3]

Im Unterschied zu anderen Untersuchungen haben wir die Kosten genau aufgeschlüsselt. Differenziert man nicht nach Kosten, sind nur 44 Prozent der aktiven Fonds besser als der ETF.

Wenn man jedoch die Bestandsvergütung für Berater aus den Fondskosten [4] herausrechnet und auf die Wertentwicklung aufschlägt, sind 59 Prozent der aktiven Fonds dem ETF überlegen.

Im dritten Schritt haben wir mithilfe des Tracking Errors die Fonds aus der Analyse ausgeschlossen, die sehr indexnah investieren und daher keinen Mehrwert bieten. Von den verbliebenen 402 Fonds schlagen 68 Prozent den ETF, und dies nach Kosten.

Mehrwert durch aktives Management

Die Studie unseres Hauses zeigt damit, dass aktives Management Mehrwert bringt. Dank einer besseren Abdeckung des Kapitalmarktes [5] und vor allem dank der Chance, langfristig Überrenditen zu erzielen.

Außerdem erhalten Anleger durch die Ausweitung der Möglichkeiten über liquide Märkte hinaus eventuell auch ein besseres Risikoprofil, das in schwachen Börsenphasen Verluste reduzieren kann.

Seite drei: Unterstützung vom Profi [6]

Da ein Privatanleger in der Regel nur schwer analysieren kann, welcher Fonds [7] aktiv gemanagt wird oder nur indexnah investiert, sollte er sich Unterstützung vom Profi holen.

Ein Autokäufer kauft sich schließlich auch nicht die Bestandteile eines Autos einzeln zusammen, etwa den Motor von Volkswagen, die Karosserie von BMW und das Getriebe von Daimler, sondern er kauft ein komplett auf seine Bedürfnisse abgestimmtes Produkt.

Portfolioverwaltung outsourcen

Ein solches Vorgehen ist auch bei der Geldanlage zu empfehlen – ausgenommen ist der geringe Anteil der Bevölkerung, der an den Kapitalmarktentwicklungen interessiert ist und meist selbst das Portfolio zusammenstellt.

Der Großteil der deutschen Anleger jedoch sollte die Portfolioverwaltung outsourcen. Das geht beispielsweise mit einem Multi-Asset-Fonds oder einer Multi-Asset-basierten Vermögensverwaltung. Entscheidend ist dabei, dass das Konzept natürlich dem jeweiligen Risikoniveau des Anlegers entspricht.

Thomas Romig ist Head of Multi Asset und Geschäftsführer bei Assenagon Asset Management.

Fotos: Assenagon, Shutterstock

 

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