4. Juni 2019, 12:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Chancen für Anleihen aus Japan und Europa schwinden

Im Gegensatz zu den wichtigsten anderen Zentralbanken hat die Bank of Japan (BoJ) kaum noch eine Möglichkeit, eine expansivere Geldpolitik einzuschlagen. Diese Meinung vertritt Peter Becker, Fixed Income Investment Director bei Capital Group. Es bestünde sonst die Sorge, die finanzielle Stabilität des Landes zu gefährden. Japanische Staatsanleihen haben wenig Potenzial.

EU-Japan in Chancen für Anleihen aus Japan und Europa schwinden
Auch für Europa ist der Experte nicht sehr optimistisch. Hintergrund: Die Wachstumsindikatoren für Europa seien weiter instabil und auch die Dynamik lasse nach. Das Geschäftsvertrauen, die Auslandsaufträge für das verarbeitende Gewerbe und die Einkaufsmanagerindizes seien zurückgegangen. Auf diese schlechteren Konjunkturdaten habe die EZB mit der Zusage regiert, die Leitzinsen bis Ende 2019 unverändert zu lassen.

Wachstum in Europa lässt nach

Mario Draghi, Präsident der EZB, habe außerdem ergänzt, dass weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen seien, falls diese nötig werden würden. “Für Staatsanleihen aus Kontinentaleuropa bleiben wir, das Anleihenteam von Capital Group, leicht pessimistisch”, sagt Becker. “Sowohl Staatsanleihen aus Kerneuropa als auch aus den Peripherieländern bieten kaum nennenswerte Bewertungschancen.”

Ebenfalls kritisch bewertet Becker die Entwicklungen in Großbritannien, bezogen auf Staatsanleihen ist er skeptisch. Großbritannien leide weiterhin unter den Unsicherheiten des Brexits. “Das Wachstum stagniert und das Risiko einer Rezession ist gestiegen”, sagt der Experte. Die Inflation entspreche den Erwartungen und eine Aufwertung des Euro sowie der schwächere Ölpreis hätten den Inflationsdruck zwar gemindert. Einer Disinflation ständen jedoch der stärkere Arbeitsmarkt und die höheren Löhne entgegen.

Die japanische Geldpolitik bleibt vermutlich unverändert

Japan hingegen treffe derzeit das nachlassende Wachstum Chinas. “Unter den Industrieländern leidet Japan wohl am meisten unter dem Rückgang der chinesischen Wirtschaft”, sagt Becker. “Die Binnenwirtschaft ist zwar stabil, aber die geringere Auslandsnachfrage und das schwache verarbeitende Gewerbe bergen Risiken.”

Zudem stehe die japanische Wirtschaft neben der Mehrwertsteuererhöhung im Oktober vor zwei Problemen: Das erste sei der enge Arbeitsmarkt, das zweite die Inflation, die unter einem Prozent liege. „Auch wenn die Inflation erheblich unter dem Zielwert liegt, gehe ich nicht davon aus, dass die BoJ ihre Geldpolitik in nennenswertem Ausmaß ändern wird“, prognostiziert Becker. Lediglich kleinere Änderungen seien gut möglich – auch weil die BoJ weniger Argumente für negative Zinsen habe.

Yen als Absicherungsinstrument

“Alles in allem bieten japanische Staatsanleihen meines Erachtens nach aktuell ebenso kaum nennenswerten Relative-Value-Chancen”, so Becker. Die Veränderungen der Rendite ist ungewiss. Beide Richtungen seien denkbar, auch wenn Becker einen Anstieg aktuell für die wahrscheinlichere Variante hält. “Sollten sich die Inflationserwartungen auch nur ein wenig ändern oder die BoJ ihre Geldpolitik weniger expansiv gestalten, könnten die Renditen durchaus steigen.”

Die Aussichten für den japanischen Yen seien hingegen positiv. Da Japan über hohe Auslandinvestitionen verfüge, sei eine Aufwertung des Yen wahrscheinlich. “Der japanische Yen gilt traditionell als sicherer Hafen bei turbulenten Märkten”, sagt der Anleihenexperte. “Wir sind der Meinung, dass Investoren sich angesichts des sich nähernden Endes des Konjunkturzyklus, auf einen stärkeren Yen vorbereiten und die Währung als Absicherungsinstrument nutzen sollten.”

 

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Mehr Schutz für die Zähne, ambulant und stationär?

Einfach geregelt. Mit den neuen Zusatzversicherungen der SDK. Als Einzelversicherung für Privatpersonen oder als betriebliche Krankenversicherung für Firmen.

mehr ...

Immobilien

ZIA: Bundesweiter Mietenstopp schadet Mietern

Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, kritisiert die aktuellen Vorschläge des Deutschen Mieterbundes für einen bundesweiten Mietenstopp.

mehr ...

Investmentfonds

Wie reagieren die Märkte auf den sich verschärfenden US-Präsidentschafts-Wahlkampf?

Die Corona-Krise hat Präsident Trump in eine etwas schwierige Lage gebracht. Dies hat dazu geführt, dass seine Chancen auf eine Wiederwahl im November von einigen Beobachtern in Frage gestellt wird. Wenn man bedenkt, was Präsident Trump während seiner Amtszeit zugunsten des Unternehmenssektors bewirkt hat, gibt es in der Tat guten Grund zur Sorge, sollten einige der von ihm eingeführten Maßnahmen im Falle eines Biden-Sieges rückgängig gemacht werden. Aber ist es so einfach? Genauso wichtig ist es zu berücksichtigen, wie der Kongress aufgeteilt sein wird. Ein Kommentar von François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM

mehr ...

Berater

Erbrecht: Wann ist eine Testamentsunterschrift gültig?

Für die Unterzeichnung eines notariell errichteten Testaments genügt es, wenn der Erblasser versucht, seinen Familiennamen zu schreiben und die Unterschrift krankheitsbedingt nur aus einem Buchstaben und einer anschließenden geschlängelten Linie besteht, entschied das OLG Köln in seinem Beschluss vom 18. Mai 2020.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Finance konzentriert institutionellen Vertrieb in der Schweiz

Die DF Deutsche Finance Capital Markets GmbH mit Sitz in Zürich verantwortet zukünftig das Capital Raising bei institutionellen Investoren. Kernaufgabe ist die Koordination und Durchführung der internationalen Distribution aller institutionellen Investitionsstrategien der Deutsche Finance Group.

mehr ...

Recht

Oberstes US-Gericht beendet Streit um Finanzunterlagen Trumps nicht

Der Streit um die Herausgabe von Finanzunterlagen des US-Präsidenten Donald Trump ist auch nach Entscheidungen des Obersten Gerichts der USA nicht beendet. Der Supreme Court sprach Trump am Donnerstag “absolute Immunität” ab und gestand der Bezirksstaatsanwaltschaft in Manhattan das Recht zu, grundsätzlich Finanzunterlagen Trumps einsehen zu können. Eine zweite Entscheidung des Gerichts hindert Ausschüsse des Parlaments aber vorerst daran, ähnliche Dokumente zu erhalten.

mehr ...