Bröning: Dieses Mal ist alles anders

Aufmerksame Börsenbeobachter dürften sich Ende März verwundert die Augen gerieben haben. Zum ersten Mal seit 2006 invertierte die US-Zinsstrukturkurve, also der Abstand der Verzinsung zwischen Anleihen mit dreimonatiger und Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit.

Die Bröning-Kolumne

Tim Bröning: „In den nächsten Monaten ist erhöhte Aufmerksamkeit bei der Konjunkturentwicklung angebracht.“

Konkret bedeutete das: Anleger bekamen für eine Laufzeit von drei Monaten einen höheren Zins als für eine Laufzeit von zehn Jahren.

Das widerspricht jeglichem ökonomischen Sachverstand. Eine längere Laufzeit bei Anleihen bedeutet grundsätzlich auch ein höheres Risiko für den Gläubiger.

Während das Risiko für die Rückzahlung eines Kredits – und nichts anderes ist eine Anleihe – für wenige Monate gut kalkulierbar ist und deshalb mit geringeren Zinsen bepreist wird, muss der Schuldner für eine längere Laufzeit normalerweise einen (Risiko-)Aufschlag, also einen höheren Zins, bezahlen.

Rezession schon im kommenden Jahr?

Jeder Häuslebauer kennt das. In der einschlägigen Finanzpresse überschlugen sich in den letzten Wochen die Berichterstattungen zu diesem seltenen Phänomen der inversen Zinsstrukturkurve. Das wirft die Frage auf, warum diesem Thema eine so hohe Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Der Grund ist einfach und zugleich besorgniserregend. Betrachtet man die USA, so kann man erkennen, dass die letzten sieben Rezessionen allesamt von einer Inversion der Zinsstrukturkurve angekündigt wurden, und das mit einem Vorlauf von zwölf bis 18 Monaten.

Vorausgesetzt, dieser Zusammenhang besteht auch dieses Mal, könnte eine Rezession im zweiten oder dritten Quartal 2020 eintreten.

Seite zwei: Anlegern wird Angst und Bange

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