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Deutscher Automobilsektor: Lohnt sich die Investition?

Noch liegen VW und Co. bei der Elektromobilität und beim autonomen Fahren hinter Herstellern aus den USA und China. Sie versuchen jedoch aufzuholen. Werden sich ihre Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe rentieren? Können Anleger nach den enttäuschenden letzten Jahren wieder auf den Sektor setzen?

Tesla produziert noch nicht für den Massenmarkt, dafür liegen die Modelle bei der Reichweite, der Sicherheit und der Qualität des Autopilot-Modus vorn.

Die Nachrichten der vergangenen Monate lassen am deutschen Automobilsektor zweifeln. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte wirkt nach und innovativ scheinen die deutschen Hersteller auch nicht: Autonom fahrende Autors werden im Silicon Valley oder China entwickelt und bei der Elektromobilität dominieren Elon Musk und chinesische Hersteller.

Laut Benjardin Gärtner, Leiter Fondsmanagement Aktien und Mitglied des Union Investment Committees ist die Einschätzung jedoch zu pessimistisch. Wie ein LKW nehme die deutsche Automobilbranche nur langsam Fahrt auf, sei dann aber schwierig zu stoppen.

So versuchen BMW und Co. aufzuholen

Tesla produziere nicht für den Massenmarkt. Volkswagen, BMW und Daimler würden deshalb die Marktanteile mit ihren Modellen ID Neo, Inext und EQC zugunsten deutscher Hersteller verändern. “Die Modelloffensive aus Deutschland beobachtet man bei Tesla mit einem gewissen Unbehagen”, behauptet Gärtner.

Auch gebe es wenig chinesische E-Mobile auf deutschen Straßen. “Damit das so bleibt, planen die deutschen Hersteller mit opulenten Budgets: 40 Milliarden Euro stecken sie laut Verband der Automobilindustrie in den kommenden drei Jahren in die Entwicklung des Segments”, sagt Gärtner.

Seite zwei: Werden sich die Investitionen lohnen? [1]Das Angebot solle sich im gleichen Zeitraum auf rund 100 Modelle verdreifachen. Noch einmal 18 Milliarden Euro würden in autonomes Fahren investiert. Das Forschungsbudget von Tesla habe 2018 bei 1,4 Milliarden US-Dollar gelegen.

Innovation aus Deutschland

Schon jetzt würden die deutschen Hersteller innovationsstärker sein. “Bei einem vom Center for Automotive Management herausgegeben Innovationsranking hängen die drei deutschen Großkonzerne die Konkurrenz ab”, so Gärtner.

Doch sei diese Offensive teuer und es sei unklar, ab wann die Konzerne mit E-Autos Geld verdienen. Hinzu komme die schlecht ausgebaute Infrastruktur. Das sind keine guten Nachrichten für Aktionäre, die schon in den vergangenen Jahren unter der schlechten Performance der Aktien der deutschen Automobilbranche litten.

“Der Großteil der Autos wird weiter mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sein. Und da haben die deutschen Hersteller seit Jahrzehnten die Nase vorn. Das ist höchst profitabel. Die zentrale Frage lautet aber: Reicht das Geld, um den kostspieligen Wandel hin zu autonomen Fahren [2] und Elektromobilität zu finanzieren, bis auch diese Sparten sich zumindest selbst tragen?”, fragt Gärtner.

Bewertungen können steigen

Wichtig sei auch die Geduld der Investoren: “Der Blick auf die Kennziffern zeigt, dass die Investoren nicht bereit sind, bei deutschen Automobilaktien höhere Bewertungen in Kauf zu nehmen. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind seit längerem ungewöhnlich niedrig. Um das zu ändern, müssen sich die neuen Modelle von BMW, Daimler und VW erst bewähren – am Markt ebenso wie in der Gewinn- und Verlustrechnung.”

Diese niedrigen Bewertungen dürften sich erst auflösen, wenn BMW und Co. autonome- und E-Fahrzeuge produziert, die marktfähiger als die Modelle der Konkurrenz sind.

Foto: Shutterstock