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Edmond de Rothschild: “Emerging Markets bieten wieder Chancen”

Neue Chancen für Investments in Staatsanleihen der Emerging Markets (EM) entstehen aufgrund einer Marktbeobachtung: Niemals zuvor gibt es zwei Jahre hintereinander in denen es schlecht lief.

Gastbeitrag von Jean-Jaques Durand, Edmond de Rothschild Asset Management.

Jean-Jaques Durand: „Nach dem rauen Vorjahr bieten Emerging Markets wieder Chancen.“

Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern stehen wieder hoch im Kurs bei Anlegern, die in dem aktuellen Niedrigzinsumfeld nach attraktiven Renditen und Diversifikation suchen.

Die US- Zentralbank Fed hat weitere Zinsanhebungen ausgesetzt und setzt wieder auf eine expansivere Geldpolitik – und schafft damit gute Voraussetzungen für die Rentenmärkte der Schwellenländer.

Auch die wirtschaftlichen Bedingungen sind hervorragend und die Unternehmensbilanzen robust, die Aussichten für die EM-Rentenmärkte in diesem Jahr sind daher vielversprechend.

Auf die Auswahl kommt es an

Der Markt wird immer zugänglicher und schafft dadurch Chancen für Anleger, die sich ausschließlich auf EM-Staatsanleihen konzentrieren.

„Nach dem rauen Vorjahr ist das Wertschöpfungspotenzial von EM-Staatsanleihen in diesem Jahr weiterhin intakt, solange Anleger flexibel sind und bei der Auswahl genau hinsehen“, so Jean-Jacques Durand, Head of Emerging Debt Total Return und leitender Fondsmanager des Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds bei Edmond de Rothschild Asset Management.

„Langfristig werden sich strenge Disziplin und eine konträre, opportunistische Strategie auszahlen.“

Chance Venezuela?

Trotz der politischen Unruhen ist Durand weiterhin von Venezuela überzeugt. „Die langfristige Wertaufholung dürfte deutlich über den aktuellen Anleihekursen liegen.“

Das Land befindet sich im Wandel und hat die größten Ölreserven der Welt. Rohöl macht 95 Prozent der venezolanischen Exporte aus. Die nächste Regierung muss an den Verhandlungstisch kommen, um die für einen Neustart der Ölindustrie notwendigen Investitionen zu sichern.

Seite 2: Warum Brasilien und die Türkei als Anlageland taugen [1]

Jean-Jacques Durand geht davon aus, dass „die Opposition sich der Herausforderungen wohl bewusst ist, die vor dem Land liegen. Juan Guaidó hat die ausstehenden Schulden des Landes vollständig anerkannt und will gemeinsam mit internationalen Kreditgebern einen Restrukturierungsplan ausarbeiten.“

Türkei als Anlageziel

Auch in der Türkei sieht der Fondsmanager Potenzial, insbesondere wegen der günstigen Bewertungen. Der Schuldenstand des Landes ist niedrig, außerdem hat die Regierung das Haushaltsdefizit unter Kontrolle gehalten.

„Die politische Situation ist zweifellos noch immer schwierig. Wenn ihm jedoch keine andere Wahl bleibt, kann Präsident Erdogan durchaus pragmatisch sein. Anders als Russland kann sich die Türkei keine wirtschaftliche Isolation leisten.“ Weitere bedeutende Positionen sind Argentinien, das sich ebenfalls im Übergang befindet, und die Ukraine.

Zwei Verlustjahre hintereinander blieben bislang aus

Das Portfoliomanagement-Team investiert vor allem am Markt für Anleihen in Hartwährung staatlicher oder staatsnaher Emittenten, der sich durch hohe Diversifikation auszeichnet. Die Fondsmanager verweisen darauf, dass dieser Markt seit 1991 noch niemals zwei Verlustjahre in Folge erlitten hat.

Das Team kennt die Marktrisiken durch relativ hohe – wenn auch noch immer attraktive – Bewertungen in Ländern wie der Türkei, Argentinien oder Venezuela. Um auf Veränderungen reagieren zu können, halten die Fondsmanager daher Barreserven zurück und sichern einzelne Positionen ab.

Unternehmensanleihen gehören dazu

Dank attraktiver Bewertungen führt für Anleger in einem großen und diversifizierten Fixed Income-Universum kein Weg an Unternehmensanleihen aus Schwellenländern vorbei.

Die Konjunktur ist gut, Unternehmen haben hohe Barreserven aufgebaut. Die Ausfallquoten sind entsprechend niedrig. Mit EM-Unternehmensanleihen können Anleger ihr Portfolio gut nach Sektoren, Emittenten, Regionen und Kreditprofilen diversifizieren und in private Unternehmen investieren, die zunächst Anleihen ausgeben, bevor sie über einen Börsengang nachdenken.

Seite 3: Worauf Anleger bei ihrem Portfolio achten sollten [2]

Das Risiko/Renditeprofil dieses Marktsegments ist außergewöhnlich attraktiv, die Renditen sind dank hoher Verzinsung im Vergleich zu anderen Segmenten des Rentenmarktes überdurchschnittlich.

Stéphane Mayor ist Head of Emerging Corporate Debt von Edmond de Rothschild Asset Management und verwaltet den Edmond de Rothschild Fund Emerging Credit. Er investiert einen großen Teil des Anlagevermögens in High Yield-Anleihen in Hartwährung mit Risikoaufschlägen von rund 500 Basispunkten, die attraktive Renditen versprechen.

Brasilien positioniert sich weiterhin positiv

Der Fondsmanager sieht das Land „weiterhin auf einem überzeugenden Wachstumspfad. Die wichtige Rentenreform ist auf den Weg gebracht und sollte sich noch in diesem Jahr auszahlen.“

Eine andere High Conviction-Position des Fonds ist die Ukraine, die sich mit ihren Kreditgebern auf eine Restrukturierung ihrer Schulden geeinigt hat und auf dem Weg der Normalisierung ist. Das Land zeichnet sich aktuell durch eines der besten Risiko-Renditeprofile am Rentenmarkt aus.

Konzentration auf Rohstoffe?

Der Handel mit argentinischen und türkischen Anleihen war in den letzten Wochen wechselhaft, mit attraktiven Renditen könnten die Märkte jedoch das Interesse der Anleger zurückgewinnen.

Weitere große Fondspositionen sind Russland und Nigeria. „Wir konzentrieren uns auf Rohstoffe wie Öl und Gas, aber auch Metalle und Bergbau,“ so Stéphane Mayor, der außerdem Finanz- und Konsumtitel nennt.

„Diversifikation nach Ländern und Sektoren ist im Rahmen der Risikobegrenzung ein wesentlicher Teil des Portfolioaufbaus“, rät Mayor Anlegern.

AutorJean-Jaques Durand ist Head of Emerging Debt Total Return und leitender Fondsmanager des Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Foto: Edmond de Rothschild