16. Mai 2019, 07:17
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Europawahl 2019 – eine Schicksalswahl?

Früher hatte Europa auch noch einen Joker. Gab es gravierende Auseinandersetzungen, sprach der Gottvater der westlichen Welt, Amerika, ein Machtwort. So war es im Jugoslawien-Krieg, den Europa allein nicht befrieden konnte, und so war es bei der deutschen Wiedervereinigung, die Briten und Franzosen partout verhindern wollten. Danach war wieder Ruhe im europäischen Karton. Muss man sich nicht sogar die Frage stellen, ob Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ohne US-Hilfe eine so phantastische Entwicklung als Friedensprojekt und Boomregion genommen hätte?

Leider wird aus dem Friedensstifter mehr und mehr ein Scharfrichter. Und selbst wenn Trump spätestens ab Januar 2025 nicht mehr US-Präsident ist, wird sich daran – abgesehen von einem freundlicheren Umgangston – nichts ändern. Amerika interessiert sich heute vor allem für sich und die Pazifikregion, wo der größte Konkurrent sitzt. Für Europa fühlt man sich immer weniger zuständig.

Die abgekühlte Liebe Amerikas zu Europa zeigt sich zum Beispiel in der Kanonenbootpolitik von des Teufels General: US-Außenminister Pompeo. Er verlangt, dass Europa Männchen macht und wir Amerikas Iran-Politik kritik- und willenlos hinterherlaufen und abnicken. Anderenfalls droht man unverhohlen mit handelspolitischer Mobilmachung, mit Car Wars.

Schließlich gilt der Außenhandels-Waffenstillstand zwischen den USA und der EU nur noch bis 18. Mai. Im Extremfall können wir unsere in guten Zeiten noch mühelos in die USA exportierten Autos dann auf dem Gelände des garantiert CO2-freien Großflughafens in Berlin parken. Man muss schon ein unverbesserlicher Optimist sein, wenn man noch an seine Eröffnung glaubt.

Jetzt alternativ mit China fremdzugehen, könnte sich für die EU als Beziehung ohne Lustgewinn erweisen. Peking weiß, dass Europa an der Wand steht und wird als neuer platonischer Liebhaber Europas eine hohe Mitgift in Form unserer verbliebenen Industriegüterkultur verlangen.

Seite drei: Was will Europa zukünftig sein: Hammer oder Amboss?

Weiter lesen: 1 2 3

1 Kommentar

  1. Der Analyse stimme ich zu, ergänzt um einen m.W. wichtigen Aspekt: Die europäischen Politiker werden zuhause gewählt, und ihre Bürger schauen zunächst auf ihre jeweils eigenen Taschen. Da das so ist, sollte Europa seine Politik auf die Themenfelder begrenzen – weniger ist eh mehr! -, die jedem europäischen Bürger sofort einleuchten: Europäische Armee, gemeinsame Sicherung der Schengen-Außengrenze, Flüchtlingspolitik, Außenpolitik (Abkommen mit den USA endlich abschließen!) Wettbewerbspolitik, und das KleinKlein den Ländern und Regionen überlassen. Europa muss sich nach außen so aufstellen, dass es ohne die permanente Hilfe (inzwischen Trumpsche Querschläge) des Großen Bruders auskommt.

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 17. Mai 2019 @ 11:22

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Investitionen in Fintechs leicht rückläufig

Investoren haben laut der Studie “Fintech Pulse” von KPMG im vergangenen Jahr im Rahmen von 2.693 Deals insgesamt 135,7 Milliarden Dollar in Fintechs investiert. Das ist gegenüber 2018 (3.145 Deals mit einem Gesamtvolumen von 141 Milliarden Dollar) ein Rückgang um knapp vier Prozent. Zu einer Verdoppelung kam es dagegen im Bereich Cybersicherheit.

mehr ...

Immobilien

Berlins Bürgermeister für 75-Prozent-Steuer auf Gewinn bei Bodenspekulation

Bodenspekulanten in Deutschland sollen nach Meinung von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) drei Viertel ihres Gewinns an den Staat abführen müssen. Müller schloss sich am Montag der Forderung von SPD-Chef Norbert Walter-Borjans nach einer sogenannten Bodenwertzuwachssteuer an.

mehr ...

Investmentfonds

Coronavirus: Die Börsen brechen ein und Gold glänzt

Der Goldpreis zeigt seine Stärke als Sicherer Hafen – und zwar deutlich. Vor allem Sorgen darum, dass der Ausbruch des Coronavirus die Weltwirtschaftsentwicklung stärker beeinträchtigen könnte als bislang angenommen, treiben den Preis für eine Unze des gelben Metalls in immer neue Höhen.

mehr ...

Berater

Was am Ergebnis der AfW-Sonntagsfrage erschreckend ist

Auch bei den Vermittlern wäre die rechtspopulistische AfD drittstärkste Partei. Vielleicht sorgt der Eklat in Thüringen ja für ein Umdenken. Ein Kommentar von Kim Brodtmann, Cash.

mehr ...

Sachwertanlagen

IntReal gibt Neugeschäft mit geschlossenen Publikums-AIFs auf

Die Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) IntReal hat trotz Marktwachstum keine konkreten Planungen zur Auflage geschlossener Fonds für Privatanleger in den kommenden Jahren. Bei den offenen Fonds erwartet sie hingegen einen starken Zuwachs.

mehr ...

Recht

Heizen mit Holz: Neue Vorgaben für Schornsteine

Private Kaminöfen stehen nicht erst seit der Klimadebatte bei Umweltschützern in der Kritik. Nachdem zum Januar 2015 die Grenzwerte für den Staub- und Kohlenmonoxidausstoß von Feuerungsanlagen angehoben wurden, rücken nun auch die Schornsteine in den Fokus. Droht tausenden Haushalten jetzt die Umrüstung?

mehr ...