12. Mai 2020, 13:34
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Biomedizin: „China gibt hier mächtig Gas“

Oliver Kubli, Lead Portfolio Manager des BB Adamant Asia Pacific Healthcare bei Bellevue Asset Management, über die asiatischen Gesundheitsmärkte, die Folgen von Corona für die Pharmabranche und die Positionierung des Fonds.

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Oliver Kubli, Bellevue Asset Management

Corona hat die Finanzwelt erschüttert und in großen Teilen für eine deutliche Kurskorrektur an den Aktienmärkten gesorgt. Wie hat der Gesundheits- und Pharmasektor die Krise bisher gemeistert? Gibt es dabei regionale Unterschiede?

Kubli: Durch diese Krise erhält die Gesundheitsindustrie weltweit enorme Aufmerksamkeit und Visibilität, Schwächen der Gesundheitssysteme werden gnadenlos aufgedeckt. Dies bedeutet, dass die Investitionen ins Gesundheitswesen in Zukunft zunehmen werden. Wir sind überzeugt, dass die asiatische Gesundheitsindustrie gestärkt aus der Pandemie-Krise herauskommen wird. Einerseits sind viele Länder Asiens im Pandemie-Zyklus voraus. Andererseits sehen wir, dass eben auch viele asiatischen Unternehmen mit Hochdruck an Lösungen arbeiten. So ist zum Beispiel das Anti-Rheumatika Actemra der japanischen Pharmafirma Chugai einer der Hoffnungsträger bei der Bekämpfung der Immunhyperreaktion im Zusammenhang mit Covid-19. Zudem wirkt diese Krise als Katalysator für die Digitalisierung des Gesundheitssektors aus. Gerade China ist mit Ping An Healthcare und Alibaba Healthcare, die in den letzten zehn Jahren erfolgreich ganze Ökosysteme aufgebaut haben, weltweit führend. Die asiatischen Gesundheitswerte konnten deshalb im ersten Quartal 2020 ihre amerikanischen und europäischen Konkurrenten übertreffen.

Inwieweit war der BB Adamant Asia Pacific Healthcare Fonds von den Marktverwerfungen betroffen und In welchem Umfang konnten Sie die Asset Allocation anpassen, um sich dem Abwärtssog zumindest teilweise zu entziehen?

Kubli: Auch aus Investorensicht hat sich die asiatische Gesundheitsbranche während des globalen Corona-Crashs an den Börsen gut behauptet. Der MSCI Asia Pacific Healthcare Index verlor im ersten Quartal 2020 lediglich vier Prozent (in EUR) an Wert. Damit schnitt er erheblich besser ab als der MSCI Asia Pacific Index, der  im selben Zeitraum um 17 Prozent nachgab. Unser Fonds BB Adamant Asia Pacific Healthcare erreichte im ersten Quartal sogar eine leicht positive Performance. Per 23. April ist der Fonds sogar 15 Prozent im Plus. Vor allem seit Mitte März, als die Börsen nach der vorangegangenen ersten Ausverkaufswelle auf Erholungskurs gingen, verzeichnen Fonds und Aktien aus dem Gesundheitssektor wieder ein deutlich gestiegenes Investoreninteresse. Ein Hauptgrund ist, dass Medikamentenentwickler und Medizintechnikfirmen wahrgenommen werden als Akteure, die auf jeder Stufe des Krankheitsverlaufs Lösungen anbieten. Der zweite entscheidende Faktor ist die fundamental ausgezeichnete Verfassung der weitgehend gut finanzierten Branche. Wir haben die Asset Allocation des Fonds nicht angepasst, da die langfristigen, strukturelle Trends weiterhin voll intakt sind.

Wie ist der Fonds gegenwärtig positioniert?

Kubli: Der BB Adamant Asia Pacific Fonds ist so aufgebaut, dass er einerseits in vielversprechende Gesundheitsunternehmen der aufstrebenden asiatischen Länder und andererseits in Technologieführer in Japan investiert. Dadurch erhält der Fonds eine gute Diversifikation. China macht zurzeit mit einem Anteil von rund 38 Prozent geografisch die größte Position im Fonds aus, während Japan ebenfalls eine Gewichtung von fast 38 Prozent aufweist. Der Fonds wird abgerundet mit selektiven Investitionen in Indien, Korea, Australien, Neuseeland, Malaysia und Thailand. Diese Strategie ermöglicht es uns das starke Wachstum des asiatischen Gesundheitsmarktes in Asien abzugreifen, welches doppelt so hoch ist wie das GDP. Die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und Dienstleistungen ist ungebremst.

Was erwarten Sie vom Umbau des Gesundheitssektors in China? Erwächst dadurch auch Renditepotenzial für den BB Adamant Asia Pacific Healthcare?

Kubli: Die Regierung hat für die gesamte Industrie das Ziel ausgegeben, effizienter und qualitativ besser zu werden. Den Ideen dafür erinnern an den Deutschen Industrieplan 4.0. China will seine Innovationskapazitäten steigern und weiter das Humankapital fördern, zugleich aber auch marktwirtschaftliche Institutionen weiterentwickeln und geistiges Eigentum sichern. Um die Unabhängigkeit bei den Schlüsseltechnologien zu erreichen, wurde die «Made in China»-Strategie entwickelt. Für diese strukturellen Umbrüche hat China zehn prioritäre Sektoren definiert. Neben Bereichen wie die Robotik oder Weltraumtechnik zählen dazu auch die Biomedizin und die Medizintechnik. China gibt hier mächtig Gas und steht vor einem gewaltigen Innovationsschub. Zwischen 2018 und 2023 erwarten Marktanalysen bei den in China entwickelten innovativen Produkten ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 14 Prozent. China als weltweit zweitgrößter Pharmamarkt ist hier auf bestem Weg, sich zu einem global führenden Standort für die Arzneimittel­forschung zu entwickeln. Die Fortschritte in China in den letzten Jahren sprechen für sich. Jedes Jahr kommen zwischen 150-200 neue Projekte in die klinische Entwicklung, davon ist jeweils rund die Hälfte ist in der Onkologie. Beispielsweise haben bereits mehrere chinesische Biotechfirmen selber entwickelte Immuntherapien die Zulassung in China erhalten und erfolgreich lanciert. Zugleich kann die chinesische Life-Science-Industrie leichter als in der Vergangenheit Kapital über die Finanz­märkte aufnehmen. Das gilt sowohl für die Venture-Capital-Indus­trie ebenso wie für Börsengänge: Neue Regularien erleichtern Biotechfirmen ein Listing an der Börse Hongkong. Durch diesen massiven «Upgrade» der chinesischen Gesundheitsindustrie erhalten wir zahlreiche, attraktive Anlagemöglichkeiten in hochwertigen, technologiegetriebenen Gesundheitsfirmen, die einen riesigen Heimmarkt haben.

Auf welche Investmentthemen setzen Sie zurzeit? Fließt dabei auch das Thema Nachhaltigkeit ein, das derzeit speziell in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt diskutiert wird?

Kubli: Fundamental getriebene Investitionsthemen wie beispielsweise Digitalisierung des Gesundheitswesens in Asien oder Immun-, Gen- oder Zelltherapien im weiten Feld der Biotechnologie spielen bei unseren regionalen Strategien eine dominante Rolle. Aber auch das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Einerseits geht es um nachhaltige Gesundheitssysteme schlechthin, sprich die Förderung innovativer, zukunftsorientierter und kosteneffizienter Therapien. Hierbei denken wir etwa an Präventionsmedizin, Förderung personalisierter Medizin, minimalinvasive Operationsverfahren, cloud-basierte Medizinaltechnologien, Telemedizin, Preisgestaltung der Medikamente und natürlich auch Förderung von Generika und Biosimilars. Andererseits erwarten Investoren auch immer mehr die Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien auf Ebene der Anlageportfolios. Auch hier übernahm Bellevue Asset Management mit der Lancierung 2018 des weltweit ersten nachhaltigen Gesundheitsfonds – dem BB Adamant Sustainable Healthcare Fund – eine Pionierrolle ein. Konform mit den strengen Vorgaben des österreichischen Umweltzeichens werden dabei im Rahmen der Titelselektion globale ethische Normen berücksichtigt und best-in-class ESG-Selektionsverfahren angewandt. Dabei kooperieren wir mit Sustainalytics, einem der weltweit führenden unabhängigen Nachhaltigkeitsspezialisten. Aber auch im Gespräch mit vielen asiatischen Gesundheitsfirmen stellen wir fest, dass das Thema ESG vermehrt auch in diesem Teil der Welt angekommen ist.

Die Fragen stellte Frank O. Milewski, Cash. 

Foto: Bellevue AM

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