29. Juni 2020, 13:05
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“Brent: Flüchtiger Moment von Backwardation”

Was ist los an den Rohstoffmärkten? Ein Kommentar von Nitesh Shah, Director im Research-Team von Wisdom Tree, und Mobeen Tahir, Mitglied im Research-Team von Wisdom Tree. Oel-etp-exchange-traded-produkt-rohstoffe-geld-dollar-shutterstock 553502641 in Brent: Flüchtiger Moment von Backwardation

Zum Zeitpunkt unseres Datenschnitts war die nah am vorderen Ende liegende Kurve der Brent-Ölterminkontrakte in leichte Backwardation gekippt. Bereits zu Jahresbeginn befand sie sich in Backwardation, stürzte dann aber im März und April in tiefes Contango ab. Backwardation ist ein Zeichen für die Enge am Markt.

Nach dem Umfang der Lagerbestände zu urteilen, schien diese Logik einmal mehr an der Einschätzung der Ölmärkte durch die Märkte gescheitert zu sein. Die Freigabe von gelagertem Öl ist einfach. Die Aufrechterhaltung knapper Quoten ist es jedoch nicht. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels war die Backwardation beseitigt, aber die Kurve bleibt sehr flach. in diesem Umfeld besteht der Vorteil für in Ölterminkontrakte investierte Anleger darin, dass Contango nun nicht mehr die Performance belastet. 

Fast überall Gewinne

Völlig anders als in den vergangenen fünf Monaten verzeichneten alle Rohstoffsektoren mit Ausnahme von Edelmetallen Gewinne. Sogar die Landwirtschaft – die langfristig hinterherhinkte – verzeichnete ein Plus. Holen die Rohstoffe im Vergleich zu Aktien nun auf, wo es eine ausgeprägte V-förmige Erholung gegeben hat?

Industriemetalle – die zyklischeren der wichtigsten Rohstoffsektoren – marschieren definitiv in diese Richtung. Ist der Rückgriff auf die Kupferbestände der Londoner und Shanghaier Börse ein Anzeichen dafür, dass “Dr. Copper” die Weltwirtschaft mit einem sauberen Freibrief verabschiedet hat?

Oder wurde die Rally zu lange hinausgezögert? Der Internationale Währungsfonds, der diese Woche seinen Weltwirtschaftsausblick veröffentlicht hat, scheint mit der offensichtlichen Prognose bei Kupfer nicht einverstanden zu sein. Sowohl die Signale von Kupfer als auch die des IWF haben in der Vergangenheit zu falschen Deutungen geführt, so dass man sich auf keines von beiden allein verlassen kann. Ein sprunghafter Anstieg der COVID-19-Fälle und der Umfang der erforderlichen, die Regierungsbilanzen lähmenden Konjunkturmaßnahmen verdeutlichen, dass eine geradlinige Erholung ab diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich ist. 

Gold als einziger Edelmetallsieger

Obwohl im vergangenen Monat ins Stocken geraten, ist Gold ist nach wie vor der einzige Rohstoff, der seit Jahresbeginn Gewinne verzeichnet. Da wir der Ungewissheit des tiefen COVID-19-Schocks noch nicht entkommen sind, eignet sich das Edelmetall unseres Erachtens als perfekte Absicherung gegen die aufkeimende Risikorally. In der Tat werden die Lösungen der Zentralbanken für die Krise – Ausweitung der Bilanzen und Vertiefung der negativen Realzinsen – letztlich die Argumente für die Nicht-Fiat-Währung – die Pseudowährung Gold – konsolidieren. 

Ergebnisse nach Sektoren 

Öl: Die Beschränkung des Angebots und die Rückkehr der Nachfrage haben dazu beigetragen, dass sich die Ölmärkte in den vergangenen zwei Monaten kräftig erholt haben. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass der Markt für das Gesamtjahr im Überschuss bleiben wird, und der gegenwärtige Optimismus beruht darauf, dass das fragile Geschäft der OPEC Plus (die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) und ihre Partner) intakt bleibt.   

Agrarrohstoffe: Bei den Agrarrohstoffen ist die Lage wiederum gemischt zu beurteilen. Seit ihrem starken Rückgang im März sind nunmehr allgemeine Anzeichen einer Verbesserung zu konstatieren. Der scharfe Kontrast zwischen dem Schicksal von Zucker und Kaffee im vergangenen Monat unterstreicht jedoch den eigenwilligen Charakter dieses Rohstoffkorbes. 

Gold: Angesichts der anhaltenden Nachfrage sicheren Häfen bleibt Gold weiterhin in der Gunst der Anleger. Es legte im Verlauf dieses Jahres stark zu, da Anleger sich gegen die vorherrschende wirtschaftliche Unsicherheit absichern wollten. Warnungen vor wirtschaftlichen Herausforderungen durch die US-Notenbank und neue Infektionsdaten ließen die Nachfrage nach Gold wieder ansteigen, nachdem der Preis für das Edelmetall in der ersten Juniwoche leicht gefallen war.   

Industriemetalle: Industriemetalle leiten eine zyklische Erholung ein. Industriemetalle freuten sich einen Monat lang über das Gesamtbild, als die wirtschaftliche Aktivität weltweit allmählich wieder zunahm. 

Foto: Shutterstock 

 

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