26. August 2020, 09:00
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Chili-con-Carne-Index: Steuersenkung bremst Teuerungsrate

Die dritte Erhebung des Chili-con-Carne-Index zeigt: Die Mehrwertsteuersenkung bringt Bewegung in die Preise – und wird weitgehend an die Kunden weitergegeben.

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Die Mehrwertsteuersenkung kommt bei den Verbrauchern an: Die Preise in Deutschland sind bei vielen Produkten merklich gesunken. Seit Beginn der Corona-Krise Mitte Februar beobachten Wirtschaftswissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart die Entwicklung der Lebensmittelpreise. Ihr Fazit: Die Preisstabilisierung ist auch bei den Lebensmitteln angekommen. Das zeigt auch der „Chili-con-Carne-Index“, den sie zur besseren Veranschaulichung als Maß für die gefühlte Inflation entwickelt haben. Hatten sie für dieses Gericht Mitte Mai noch eine Preissteigerung von rund 7,5 % errechnet, kosten die Zutaten gegenwärtig nur noch knapp 3 % mehr als zu Krisenbeginn. Ob diese Entwicklung allerdings von Dauer ist, bleibt abzuwarten.
 

Seit Anfang Februar 2020 beobachten Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim die Preisentwicklung auf den Internet-Seiten von großen europäischen Supermarktketten. Ihr Fazit: Nach einem deutlichen Anstieg bis Mitte Mai sind nun die Preise in Deutschland merklich gesunken. Für die deutschen Produkte wird die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung weitgehend vom Handel an die Verbraucher weitergegeben.

Rückläufige gefühlte Inflation

Um die Entwicklung besser zu veranschaulichen, haben Jan Swiatkowski und Marius Puke aus dem Team von Prof. Dr. Hans-Peter Burghof den „Chili-con-Carne-Index“ entwickelt. Sie stellten einen Warenkorb mit rund 70 Produkte zusammen, die für die Herstellung dieses bei Studierenden besonders beliebten Gerichts verwendet werden können.

Als Maß für die vom Verbraucher gefühlte Inflation erreichte dieser „Chili-con-Carne-Index“ im Mai mit einer Preissteigerung von 7,5 % einen Spitzenwert. Aktuell hat sich der Preisanstieg seit dem Krisenbeginn auf knapp 3 % reduziert. Vor allem bei saisonalem Gemüse, wie beispielsweise Tomaten, fiel das Preisniveau auf den Stand vom Februar zurück.

Preis-Anpassung nicht nur im Supermarkt, sondern auch im Baumarkt
 
Neu in ihre Analyse aufgenommen haben sie die Preisentwicklung bei einer deutschen Baumarktkette: Blieben die Preise im Juni noch stabil oder fielen bei rund 10 % der Artikel sogar höher als im Vormonat aus, waren nach der Steuersenkung über 95 % der Produkte günstiger zu haben. Die Preise einer Stichprobe aus 1.500 Produkten reduzierten sich infolge der Steuersenkung um circa 2,5 %. Dabei erfolgte die Preisanpassung mit einer gewissen Verzögerung.

Schneller reagierte eine deutsche Supermarktkette. Hier fielen die Preise bereits in den Tagen direkt nach der Steuersenkung. Allerdings betrug die Preis-Anpassung nur etwas weniger als 2 % ‒ passend zum reduzierten Mehrwertsteuersatz für die meisten Lebensmittel. Über dreiviertel der Preise wurden nach unten angepasst, die übrigen Produkte blieben gleich teuer oder wurden sogar teilweise teurer.

Ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit, ziehen die Forscher daraus den Schluss, dass sich zumindest für die beiden betrachteten Unternehmensgruppen die durchschnittlichen Preissenkungen an der Höhe der Steuerentlastung zu orientieren scheinen.

Künstliche Deflation

Deflationäre Effekte, die auch in den aktuellen Veröffentlichungen der staatlichen Institutionen zu sehen sind, seien allerdings mitunter durch die Mehrwertsteuersenkung künstlich herbeigeführt worden, geben sie zu bedenken.

Zudem zeigen die Menschen durch die Corona-Krise nach wie vor ein verändertes Konsumverhalten, das nicht vollständig durch den statistischen Warenkorb der Europäischen Zentralbank (EZB) abgebildet wird. Die Forscher vermuten deswegen, dass die von der EZB ermittelte Inflationsrate immer noch von der tatsächlichen abweichen könnte.

Abzuwarten bliebe auch, ob sich der Preisanstieg bei den Lebensmitteln wiederhole, falls neue Corona-bedingte Maßnahmen notwendig würden, und ob die geplante Rückkehr der Mehrwertsteuer auf das alte Niveau zum Beginn des kommenden Jahres die gefühlte Inflation wieder steigen lasse.

Foto: Shutterstock

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