17. August 2020, 10:56
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Coronakrise: Eigenkapital italienischer Firmen schmilzt weg

Der wirtschaftliche Schock durch die Corona-Pandemie trifft vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Das zeigt eine neue Studie des Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, Frankfurt am Main.

Italien in Coronakrise: Eigenkapital italienischer Firmen schmilzt weg

Italienische Firmen leiden zunehmend unter Corona.

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) müssen durch die wirtschaftlichen Beschränkungen in der Coronakrise um ihr Eigenkapital fürchten. Berechnungen eines internationalen Forschungsteams für ein aktuelles SAFE Working Paper zeigen am Beispiel Italiens, dass der „Lockdown“ für Firmen zu einem jährlichen Gewinnrückgang von insgesamt bis zu 18 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts führen würde. Treten die Prognosen tatsächlich ein, droht auch ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Coronakrise wahrscheinlich kleinere Unternehmen am härtesten trifft, die in der Regel eine geringere Rentabilität, eine geringere Kapitalisierung und einen schlechteren Zugang zu den Kapitalmärkten haben“, sagt Loriana Pelizzon, Leiterin der Abteilung Financial Markets am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE. Zusammen mit ihren Forschungskolleginnen und -kollegen hat Pelizzon für das SAFE Working Paper eine repräsentative Stichprobe von knapp 81.000 meist privatwirtschaftlichen Unternehmen in Italien ausgewertet – dem Land in Europa, das zuerst und am heftigsten von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie betroffen war.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler prognostizieren, dass die Unternehmen in der Stichprobe aufgrund des Corona-Schocks nach drei Monaten Lockdown – ohne nachhaltige Rekapitalisierungs- oder Umschuldungsmaßnahmen – mit einem jährlichen Gewinnrückgang von insgesamt 170 Milliarden Euro rechnen müssen, was etwa zehn Prozent des italienischen BIP entspricht. Das Eigenkapitaldefizit der Unternehmen für diesen Zeitraum beläuft sich insgesamt auf 117 Milliarden Euro. Gut 13.500 Unternehmen mit etwa 800.000 Beschäftigten würden dadurch in finanzielle Schieflage geraten.

Vor allem verarbeitendes Gewerbe und Großhandel ringen mit Gewinnverlusten

„Sollten alle diese Firmen in Konkurs gehen, wären die Folgen für den Arbeitsmarkt gravierender als in den Jahren zwischen 2007 und 2013 infolge der Finanz- und Staatsschuldenkrise“, so Pelizzon. Bei einem Szenario, das sich über ein halbes Jahr lang hinzieht, lägen die Gewinnverluste der analysierten Unternehmen bei 321 Milliarden Euro bzw. 18 Prozent des italienischen BIP, an Eigenkapital würden dann 259 Milliarden Euro fehlen.

Die Konsequenzen müssten vor allem KMU und weniger börsennotierte Unternehmen tragen. Der prognostizierte Gewinnrückgang konzentriert sich auf die Sektoren verarbeitendes Gewerbe und Großhandel im industriell geprägten Norden Italiens. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes sind die am stärksten betroffenen Teilsektoren die Metallfertigung, Industrie- und kommerziell genutzte Maschinen sowie Computer- und Transporttechnik. „Überraschend ist, dass Gewinne und Eigenkapitalniveau von Unternehmen in den Sektoren Freizeitdienstleistungen und Tourismus in unserer Analyse vergleichsweise nur leicht betroffen sind“, führt Loriana Pelizzon aus. Grund dafür ist laut SAFE Working Paper, dass diese Sektoren sehr arbeitsintensiv sind und der größte Teil der Lohnkosten während des Lockdowns durch öffentliche Subventionen gedeckt wurde.

Europaweit sind Politikmaßnahmen, die auf die Eigenkapitalstruktur der akut krisengeschüttelten Unternehmen abzielen, bisher eher rar gesät. „Allein die Versorgung mit Liquidität über Fremdfinanzierung wird nicht ausreichen, um der Krise nachhaltig zu begegnen. Bereits hoch verschuldete Unternehmen mit noch mehr Schulden gegenzufinanzieren, hält die betroffenen Firmen nur vorübergehend am Leben, ohne ihre Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen“, erklärt Pelizzon.

Foto: Shutterstock

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