27. Mai 2020, 09:23
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Coronakrise: Von schwarzen Schwänen und Goldbarren

Um es in den Worten von Warren Buffet auszudrücken: Gold ist „ein Mittel, um auf die Angst zu setzen“. In Zeiten großer Marktvolatilität gibt es oft einen Ansturm auf Gold und es scheint, dass es während der aktuellen Corona-Krise nicht anders ist. Vor diesem Hintergrund schätzen Jupiters Produktspezialisten Alastair Irvine und Matthew Morgan Gold an sich, dessen Bedeutung in Krisenzeiten sowie die Aussichten für das Edelmetall nach der Aufhebung der weltweiten Lockdowns ein.

Gold-investment in Coronakrise: Von schwarzen Schwänen und Goldbarren

Ein Kommentar von Alastair Irvine, Produktspezialist im Independent Funds-Team:

Gold, das glänzende Metall, ist weder eine Aktie, noch eine Anleihe oder eine Währung. Es wird zwar abgebaut, hat aber von Natur aus einen inhärenten Wert, den die meisten Rohstoffe nicht haben. Obwohl es ähnlich wie Eisenerz, Kupfer und andere Metalle – und sogar Öl – aus dem Boden gewonnen wird, ist der Wert von Gold immanent. Andere Rohstoffe sind im Wesentlichen nur wenig wert – oder sogar zeitweise völlig wertlos, wie kürzlich beim negativen Ölpreis deutlich wurde – es sei denn, sie werden später in wertschöpfenden, nützlichen Produkten verarbeitet. Trotz des jahrtausendelangen wirtschaftlichen Fortschritts und der Entwicklung moderner Fiatwährungen behält Gold seinen Glanz als wertvolle Absicherung. Die Zentralbanken des 21. Jahrhunderts halten keine Öl-, Kupfer- oder Eisenreserven in ihren Tresoren: Sie besitzen Gold.

In Krisenzeiten flüchten Investoren oft gerade wegen dieses intrinsischen langfristigen Werts in Gold. Zudem nutzen sie es als Absicherung gegen Inflation, weil es seinen Wert behält, wenn die Kaufkraft der Währungen abnimmt – und das, obwohl es keine Zinsen bringt. Da Gold international in Dollar bewertet wird, wird die längerfristige Preisentwicklung naturgemäß durch die Veränderungen der Realzinsen bestimmt. Gold bietet Schutz gegen Geldentwertung, wenn die Realzinsen, sprich die Zinsen abzüglich der Inflation – negativ sind.

Seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise vor über einem Jahrzehnt haben wir in unseren Portfolios durchgehend physisches Gold gehalten. In globalen Multi-Asset-Portfolios, einschließlich Multi-Manager-Portfolios, spielt Gold unserer Ansicht nach eine wichtige Rolle bei der Risikodiversifizierung. Auch wenn Gold manchmal mit anderen Anlageklassen korreliert, zeigt eine sehr lange Historie empirischer Daten, dass die statistische Korrelation tatsächlich sehr gering ist. Vereinfacht ausgedrückt: Gold verhält sich anders als andere Anlageklassen. Das spricht genau dafür, Gold in einem diversifizierten Portfolio zu halten, auch wenn der Goldpreis schwach sein mag. Als sich die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Ausbruchs von Covid-19 zuspitzten, haben wir den Goldbestand in unseren Portfolios auf rund 10 Prozent verdoppelt.

Zusätzlich zu physischem Gold haben wir ein moderates Exposure im Goldminenfonds Black Rock Gold & General. Die Preise von Goldaktien sind von Natur aus volatiler als der Goldpreis. Für uns ergab sich eine Kaufgelegenheit während der großen Ausverkäufe im Februar und März, denen sich auch Gold nicht entziehen konnte, und der dazu führte, dass Goldaktien stärker gefallen sind als andere Aktien. Seit wir in den Fonds investiert haben, hat er bereits mehr als 50 Prozent Rendite erwirtschaftet. Doch Goldminenunternehmen sind nicht immun gegen die Marktverwerfungen aufgrund von Covid-19. Die Lockdowns und soziale Distanzierung führen zu Produktionsschwierigkeiten, während die Betriebsstörung des Luftfrachtverkehrs eine logistische Herausforderung für den Transport von Produkten darstellt. Es handelt sich jedoch um einen sehr energieintensiven Industriezweig und der Einbruch des Ölpreises ist ein wahrer Segen für die Senkung der Produktionskosten in einer Zeit, in der, wie wir wissen, die Nachfrage nach Gold hoch und der Preis stark ist.

Der Goldpreis kann zwar schwanken, doch die Beliebtheit des Edelmetalls – ob als Absicherung oder langfristiges Wertaufbewahrungsmittel – ist so beständig wie damals, als vor Tausenden von Jahren der erste Mensch, der über ein Goldnugget stolperte, erkannte, dass er etwas wirklich Besonderes gefunden hatte. Etwas, das andere von Natur aus auch besitzen wollen.

 

Ein Kommentar von Matthew Morgan, Produktspezialist im Multi Asset-Team:

Gold wurde schon immer als Wertanlage angesehen: als eine Währung, und weniger als ein Rohstoff, die in Krisenzeiten zum Schutz und zur Diversifizierung von Portfolios beitragen kann. Das ist einer der Hauptgründe, warum Anleger während der jüngsten Marktturbulenzen Gold hinzugekauft haben.

Die zahlreichen Stimulierungsmaßnahmen der Zentralbanken weltweit, wie das Drucken von Geld und die Defizitfinanzierung, haben bei Anlegern die Befürchtung ausgelöst, dass Fiatwährungen als Wertaufbewahrungsmittel geschwächt werden. Gold hingegen ist endlich und kann nicht gedruckt werden, weshalb es eine attraktive Anlagealternative darstellt. Ein weiterer unterstützender Faktor ist die Tatsache, dass Gold keine Rendite erzielt. Der anhaltende Einbruch der Zinssätze weltweit, den wir von der letzten Krise bis zu dieser Krise erlebt haben, bedeutet, dass die fehlende Rendite bei Gold relativ unbedeutend ist. Daher ist Gold im Vergleich zu hochwertigen Staatsanleihen relativ attraktiver für die Portfoliodiversifikation.

Nicht zuletzt wird Gold schon lange als potenzielle Absicherung gegen Inflation angesehen. Die Regierungen werden nach dieser Krise einen starken Anreiz haben, die Inflation zu erhöhen, um sowohl die Schuldenlast zu reduzieren als auch die Wirtschaft anzukurbeln. Um das zu erreichen, werden die nominalen Zinssätze wahrscheinlich nahe bei oder unter Null bleiben. Die Regierungen werden eine expansive Fiskalpolitik betreiben, während die Zentralbanken ein Überschreiten der Inflation zulassen. Das wird Gold mittel- bis langfristig weiterhin zugutekommen. Die Realzinssätze sind der wesentliche Treiber des Goldpreises.

Foto: Shutterstock

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