14. Mai 2020, 16:38
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Covid-19 – Fünf Thesen für Ihre Geldanlage

Der neuartige Coronavirus hat die Märkte weltweit unter Druck gesetzt. Den richtigen Einstiegszeitpunkt zuverlässig zu prognostizieren, ist bei so viel Unsicherheit nahezu unmöglich. Dennoch sollten sich Anleger vorbereiten und ihre Allokationsentscheidungen schon jetzt treffen. Denn Chancen gibt es nach den Kursverlusten des ersten Quartals 2020 genug, gerade für langfristig orientierte Investoren. Diese fünf Thesen sollten Anleger bei einer Portfolioanpassung bedenken.

Carsten-roemheld in Covid-19 – Fünf Thesen für Ihre Geldanlage

Carsten Roemheld, Fidelity International

1.    Asiatische Schwellenmärkte, allen voran China, und der Technologiesektor bieten aufgrund der überdurchschnittlichen Wachstumsmöglichkeiten langfristig attraktive Perspektiven.

2.    Zinsen bleiben dauerhaft niedrig, deshalb verstärkt sich der Fokus auf nachhaltige Dividenden von soliden und finanzstarken Unternehmen

3.    Der Fokus auf Nachhaltigkeit und der Einhaltung von ESG-Kriterien wird nach der Krise nicht etwa weniger wichtig, sondern sollte sich im Gegenteil noch verstärken

4.    Die Investmentausrichtung ist künftig stärker thematisch geprägt und erfolgt weniger in einer klassischen Asset-Allokations-Struktur

5.    Ein genaues Timing erscheint in diesem Umfeld unmöglich, daher ist ein ratierlicher Positionsaufbau sinnvoll

Die asiatische Wirtschaft wird im Wesentlichen durch China geprägt. Die Wirtschaftskapazitäten des Landes sind aktuell wieder mit über 80 Prozent ausgelastet, Tendenz steigend. Das ist nicht zuletzt den Technologiefirmen zu verdanken: Fabriken zur Herstellung von Halbleitern etwa sind voll automatisiert und mussten ihre Produktion auch inmitten der Corona-Krise nicht unterbrechen. Auch andere Firmen nehmen inzwischen wieder die Arbeit auf. Die Aktivität an chinesischen Häfen ist wieder so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Manager aus der Chemieindustrie berichten, dass die Erholung in China weit schneller war, als sie erwartet hatten. Der Umsatz mit Smartphones lag im März 2020 sogar über dem des Vorjahresmonats.

Was macht China?

Auch Chinas wachsende wirtschaftliche Unabhängigkeit dürfte stark ins Gewicht fallen. Durch den Handelsstreit mit den USA hatte China zuletzt klare Anreize, um Wertschöpfungsketten zunehmend zu internalisieren. Die Corona-Pandemie, die zahlreiche Lieferketten unterbrochen hat, könnte diesen Trend noch verstärken.

Covid-19-Gewinner können schon jetzt dem Technologiesektor zugerechnet werden, der gerade auch in der Krise durch Innovationen Dinge möglich macht, die vor zehn Jahren noch undenkbar waren. Zwar haben Ausgangssperre und Kontaktverbot irgendwann ein Ende. Viele Firmen und Arbeitskräfte werden neue Arbeitsmodelle aus der Krisenzeit jedoch fortsetzen. Und das schafft Chancen für Anbieter innovativer Software- und Hardware-Lösungen. Unter anderem können Cloud-Dienste hiervon profitieren. Ebenso ist zu hinterfragen inwiefern sich in dieser Krisenzeit Gewohnheiten grundlegend verändern. Streamingdienste, genauso wie Onlinehändler, die unseren Alltag ja ohnehin in den letzten Jahren schon substanziell verändert haben, könnten hier zu den Profiteuren gehören.

Faktoren Leistung und Kosten entscheidend

Neben den eben beschriebenen strukturellen Wachstumstreibern in der Technologiebranche sind auch die Faktoren Leistung und Kosten entscheidend. In den 1970er-Jahren mussten Sie für einen Terabyte (also ungefähr 1000 Gigabyte) Speicherplatz ca. 14 Millionen US-Dollar bezahlen. Heute bekommen Sie den Speicherplatz im Elektrofachhandel für unter 100 US-Dollar oder aber speichern direkt in der Cloud. Außerdem hat sich die Rechnergeschwindigkeit bzw. Datenübertragungsrate, also die Leistung, entwickelt. Während Computer in den 1970er-Jahren nur wenige hunderte bis tausende Rechenschritte pro Sekunde ausführen konnten, kann ein heute handelsübliches Smartphone mehrere Milliarden Rechenschritte pro Sekunde ausführen. Im Übrigen auch das bei gesunkenen Kosten.

Nachhaltige Unternehmenspolitik wichtig

Wie sehr sich eine nachhaltige Unternehmenspolitik mit Fokus auf starken Cash-Flows, geringer Verschuldung und einer solide Bilanz auszahlt, zeigt sich an der aktuellen Diskussion um Dividendenausschüttungen. Sie betrifft zwar vornehmlich den Bankensektor, greift aber auf viele Unternehmen aus unterschiedlichsten Bereichen über, die ihre Dividenden in Anbetracht einer sehr ernsten finanziellen Situation kürzen oder streichen müssen.

In einer Zeit dauerhaft niedriger Zinsen und einem insgesamt geringeren Potenzial, Dividenden auszuzahlen lohnt sich ein differenzierter Blick auf die Unternehmen, bei denen dies weiterhin möglich ist. Dividenden liefern unserer Ansicht nach, auch zukünftig regelmäßige Erträge, welche über der Inflationsrate liegen und somit real einen Wertzuwachs bieten. Bezogen auf die Gesamtrendite von Aktien lässt sich rückblickend feststellen, dass Dividenden ein wesentlicher Bestandteil waren. Hier kommt der Wiederanlage-Effekt zum Tragen. So lag die Gesamtrendite bei weltweiten Aktien (MSCI ACWI) zwischen 1990 und 2019 mit kumulierten Dividenden bei ungefähr 610 Prozent, ohne Dividenden bei lediglich 315 Prozent. Gute Bonität, effektive Kapitalallokation und defensive Geschäftsmodelle dividendenstarker Qualitätsunternehmen sorgten zudem bisher für hohe Stabilität bei der Geldanlage. Wir sehen daher solide Dividendenstrategien nach wie vor als attraktive Langfrist-Investments an.

Auch wenn der Blick nach vorne noch von viel Unsicherheit geprägt ist, sind schon jetzt spannende Wiedereinstiegschancen auszumachen. Dabei sollten Anleger auch ratierliches Ansparen andenken, denn der richtige Einstiegszeitpunkt bleibt unbestimmbar.

Autor Carsten Roemheld ist Kapitalmarktstratege bei Fidelity International.

Foto: Fidelity

 

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