24. Juni 2020, 09:56
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Cyberattacken bieten Anlegern auch Chancen“

Hackerangriffe aus dem Netz steigen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Das ist eine Gefahr, für Investoren aber interessant. Und das in doppelter Hinsicht. Warum, erklärt Jan Nießen, Analyst für IT-Unternehmen.

 

Bildschirmfoto-2020-06-24-um-09 53 53 in „Cyberattacken bieten Anlegern auch Chancen“

Jan Nießen, Union Investment

Seit Beginn der Corona-Pandemie steigt die Zahl der Cyberattacken auf private Rechner, aber auch vermehrt auf die Sicherheitssysteme von Unternehmen. Das bestätigen IT- und Sicherheitsprofis in mehreren jüngst veröffentlichten Umfragen. Die Angriffe reichen von Phishing-Versuchen über Viren bis hin zu Ransomware-Attacken, also dem Einsatz von Erpresser-Software.

EasyJet etwa ist eines der jüngsten prominenten Beispiele. Die Daten von neun Millionen Kunden wurden offengelegt und die Kreditkarten-Daten von rund 2.200 Passagieren wurden gestohlen. Cyberattacken wie diese bedeuten für Firmen Klage-, Reputations- und Regulierungsrisiken.

Corona-Krise zwingt Unternehmen zur digitalen Aufrüstung

Viele Unternehmen bieten derzeit eine größere Angriffsfläche für Hackerangriffe. Das liegt zum Teil daran, dass im Zuge des „Lockdowns“ mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten.

Hinzu kommt: Viele Unternehmen hatten das Thema Digitalisierung und damit die „Aufrüstung“ der Sicherheits-Infrastruktur zwar auf dem Schirm, aber zum Teil noch nicht umgesetzt. Damit sind die Sicherungssysteme nicht stark oder effektiv genug, um den Angriffen aus dem Web zu widerstehen. Durch die vermehrte digitale Arbeit sind die Unternehmen jetzt gezwungen, das Thema schnell anzugehen.

Wachsender Markt mit Investmentchancen und -risiken

Doch nicht erst seit Ausbruch von Covid-19 steigt die Cyberkriminalität vor allem gegenüber Unternehmen an. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom waren im Jahr 2019 rund 75 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland Opfer von Angriffen, während es 2015 „nur“ 51 Prozent waren.

Dies dürfte einer der Gründe sein, warum erwartet wird, dass die Ausgaben für Cybersecurity weltweit von 101 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 bis auf geschätzte 189 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 ansteigen.

Der Markt für die Absicherung der digitalen Netzwerke wächst also – und der Aspekt der Datensicherheit wird damit auch für Investoren immer interessanter.

Bei einer Anlageentscheidung spielt das Thema Cybersecurity in doppelter Hinsicht eine wichtige Rolle: Cyberkriminalität impliziert zum einen Chancen – für Investments in Cyber-Security-Firmen. Zum anderen birgt sie Risiken bei den Unternehmen, die angegriffen werden.

Cloud Computing gewinnt Anteile

Und noch ein weiterer Trend in Sachen Digitalisierung sollten Anleger im Blick behalten: Neben der Aufrüstung der firmeneigenen Netzwerke und Speicherkapazitäten spielt für viele Firmen auch das Thema Cloud Computing eine wachsende Rolle.

Immer mehr Unternehmen lagern ihre Daten in die „Datenwolke“ aus. Entsprechend dürfte der Markt für die Bereitstellung und den Service rund um die Cloud bis nächstes Jahr auf 163 Milliarden US-Dollar wachsen, so eine Schätzung des Statistikportals Statista.

Mehr als die Hälfte macht dabei das Segment Software als Service aus. Salesforce, Microsoft, Adobe und SAP gehören hier zu den großen Playern. Immer mehr Unternehmen bieten auch Infrastruktur-Lösungen in der Cloud an. Derzeit hat Amazon die Nase vorn, gefolgt von Microsoft und Google.

Datensicherheit als größte Herausforderung

Wie bei allen neuen Anwendungen entstehen auch bei der Nutzung von Cloud-Lösungen neue Herausforderungen. Die größte ist der Schutz der verwalteten Daten vor fremden Zugriff, so das Ergebnis einer Umfrage unter Unternehmen weltweit.

Jeder kann von überall auf sensible Daten zugreifen. In diesem Fall sind traditionelle Sicherheitskonzepte wie eine Firewall weniger effektiv, neue Ansätze beinhalten das Identitäts- und Zugangsmanagement.

Davon profitieren vor allem die Big Techs wie Microsoft. Aber genau wie ihre Kunden stehen sie vor komplexen Herausforderungen in punkto Datensicherheit. Ein Datenleck wäre für alle beteiligten Unternehmen eine Katastrophe. Deshalb haben die großen Konzerne oft ihre eigenen Teams, die sich nur um die Sicherheit in der Cloud kümmern.

Das bedeutet aber nicht, dass klassische Anbieter von Cybersecurity weniger zu tun haben. Viele Firmen greifen bei der Verwaltung und Sicherung ihrer Cloud auf Drittanbieter zurück, um ihre Daten zu schützen.

Ein Beispiel für interessante Investmentchancen sind kleine Firmen wie Okta und Zscaler. Sie profitieren von dem wachsenden Bedarf für Sicherheitslösungen, weil sie aufgrund ihrer Größe agil auf die sich rasch verändernden Bedrohungen aus dem Netz reagieren können. Aber die kleinen IT-Firmen bekommen auch zunehmend Konkurrenz von den bereits etablierten Technologiekonzernen. Microsoft etwa hat den Trend für sich entdeckt und baut sein Geschäftsmodell mit ganzheitlichen IT-Sicherheitslösungen für seine Kunden aus.

Egal, ob groß oder klein, für alle Cybersecurity- und Cloud-Service-Anbieter gilt: als zyklische Unternehmen reagieren sie sehr sensibel etwa auf konjunkturelle Veränderungen. Das erfordert eine engmaschige Überprüfung und ein aktives Management der Anlage.

Autor Jan Nießen ist seit Januar 2020 im Aktien-Portfoliomanagement von Union Investment tätig. Neben der Analyse von IT-Unternehmen verantwortet er konzentrierte Aktienstrategien. Nießen verfügt über einen Master of Science in Economics mit Schwerpunkt Finanzen sowie einen Bachelor of Arts in Governance and Public Policy mit den Schwerpunkten Volkswirtschaftslehre und Politik. Er studierte an der Universität zu Köln und der Universität Passau.

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Nach Bundestag stimmt auch Bundesrat für die Grundrente

Nach dem Bundestag hat am Freitag auch der Bundesrat der Grundrente zugestimmt, durch die kleine Renten von rund 1,3 Millionen Menschen aufgebessert werden sollen.

mehr ...

Immobilien

Trotz Corona ins Eigenheim: Was Immobilieninteressenten jetzt beachten sollten

Das eigene Zuhause ist wichtiger denn je: Selten zuvor waren die Menschen so viel zuhause wie jetzt in der Corona-Krise. Die eigenen vier Wände sind für viele zum Schutzraum geworden. Hier verbringen sie Zeit mit der Familie, arbeiten im Home-Office oder bringen ihren Kindern Mathe und Deutsch bei. „Die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen des Alltags hat in vielen Menschen den Wunsch nach Wohneigentum gestärkt“, sagt Roland Hustert, Geschäftsführer der LBS Immobilien NordWest.

mehr ...

Investmentfonds

Ermittlungen gegen Wirecard-Manager auch wegen Untreueverdachts

Im Skandal um fehlende Milliarden beim Dax-Konzern Wirecard ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung” nun auch wegen Untreueverdachts gegen den Ex-Vorstandschef und weitere Manager.

mehr ...

Berater

Soli-Umfrage: Mehrheit der Deutschen erwägt Soli-Ersparnis in Altersvorsorge zu investieren

Willkommener Geldsegen für eine finanziell selbstbestimmte Zukunft: Die Deutschen begrüßen die „Soli-Abschaffung“ und erwägen die Ersparnis für die eigene Altersvorsorge einzusetzen. Das geht aus einer von Swiss Life Select in Auftrag gegebenen repräsentativen YouGov-Studie mit 2.048 Personen hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Immer weniger Deutsche wollen reich werden

Nur noch eine knappe Mehrheit der Deutschen findet es erstrebenswert, reich zu sein. Gleichzeitig werden die Chancen auf ein hohes Vermögen immer schlechter eingeschätzt – auch wegen Corona. Das ergab eine repräsentative Umfrage der GfK für die “4. Reichtumsstudie” des Private-Equity-Spezialisten RWB Group.

mehr ...

Recht

Wirecard-Skandal – Wirtschaftsprüfer im Auge des Sturms

Der Bilanzskandal um den mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard hat Anleger Milliarden gekostet. Mittlerweile steht auch der zuständige Wirtschaftsprüfer EY im Fokus. Der Prozessfinanzierer Foris AG arbeitet mit führenden Bank- und Kapitalrechtskanzleien an gemeinsamen Lösungen.

mehr ...