26. August 2020, 14:29
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Der Euro auf dem Weg zur Weltleitwährung?

Seit März hat der Euro zum US-Dollar einen ziemlichen Lauf. Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Probleme der Weltmacht träumen manche Marktteilnehmer sogar, dass er der bisherigen Weltleitwährung das Wasser abgraben könnte. Abgeschrieben wurde der US-Dollar in den letzten Jahrzehnten schon oft, bislang ohne Erfolg. Doch schlägt jetzt die ultimative Stunde des Euro? Die Halver-Kolumne

Halver-Robert-Baader-Bank-BBO4957 in Der Euro auf dem Weg zur Weltleitwährung?

Robert Halver, Baader Bank: “Insgesamt bekommt der Dollar als Anlage- und damit Leitwährung Konkurrenz vom Euro.”

Der US-Dollar – Nur noch so stark wie Popeye ohne Spinat?

Jeder ist sich selbst der Nächste und Trump steht direkt neben sich. In der Tat, für eine zweite Amtszeit hat Trump keine Hemmungen, auch die Reputation seines ach so geliebten Vaterlands aufs Spiel zu setzen. Unberechenbar schlägt er auf China ein und schwankt bei Russland zwischen Kumpel- und Rüpelhaftigkeit. Auch Amerikas Verbündete werden wie Schwerverbrecher behandelt, um im November zu gewinnen. Er ist wie ein Komiker, der für einen guten Witz seine eigene Mutter verkauft.

Und dann ist da die Sorge vor einer widerlichen Schlammschlacht nicht nur vor, sondern vor allem nach der Wahl. Ein großer Streit zwischen Republikanern und Demokraten, wer Wahlsieger ist und ob das Wahlergebnis gefakt ist, könnte eine Verfassungskrise mit Auseinandersetzungen auf Amerikas Straßen und Plätzen auslösen. Sicherlich würde dann der Dollar als sicherer Hafen an Sicherheit einbüßen.    

Unabhängig davon ist man in den USA nicht mehr an einem starken Dollar interessiert. Das Außenhandels-Feld will man nicht mehr den typischen Exportnationen Europas, Asiens und der Schwellenländer überlassen. Vom süßen Export-Kuchen will auch Amerika ordentlich naschen.   

Erfüllungsgehilfe bei der Dollar-Schwäche ist die Fed, die Export-Darwinismus betreibt. Sie drückt die Zinsen, was ebenso dem Schultern der Jahrhundert-Schulden zur Bewältigung der Jahrhundert-Rezession zugutekommt.

Könnte tatsächlich die politische Unsicherheit der USA gepaart mit Finanz-Instabilität am Nimbus des Dollars als Weltleitwährung rütteln und stattdessen dem Euro die Tür öffnen?  

Kann der Euro vor Kraft kaum laufen?

Das frühere Sorgenkind Europa hat sich durchaus gemacht. Auch wenn momentan die Infektionszahlen wieder ansteigen, managt der alte Kontinent die Corona-Krise besser als die USA. Das spricht 2021 sogar für ein höheres Wirtschaftswachstum in Europa als in den USA, was wirklich eine Rarität ist.

Selbst von der politischen Großwetterlage erhält der Euro Unterstützung. Der Wiederaufbaufonds scheint Ruhe in den notorisch konfliktträchtigen europäischen Karton gebracht zu haben. Kein Wunder, es wird ja auch viel Geld verschenkt. Oder hat sich der Fuchs jemals über einen prall gefüllten Hühnerstall beschwert? So ist das Thema Euro-Krise einstweilen vom Brüsseler Tisch.

Finanztechnisch höhere Weihen

Damit bekommt der Euro auch rein finanztechnisch die höheren Weihen. Zur Finanzierung des Hilfsfonds werden erstmals gemeinsame Schulden der EU-Länder emittiert. Man braucht keine Hoffnung zu haben, dass diese Stabilitätssünde einmalig bleibt. Doch so erhöhen sich immer mehr Liquidität und Marktfähigkeit von „Euro-Anleihen“ im Vergleich zu Dollar-Papieren, die wie Sand am Meer vorhanden, bislang den internationalen Anleihehandel dominiert haben. Auf europäischer Seite gab es lediglich nationale Schuldscheine, die, wenn sie von guten Adressen wie Deutschland stammten, schnell vergriffen waren, zumal bis vor kurzem keine Neuschulden gemacht wurden. Und bei Papieren aus dem EU-Süden roch es sowieso latent nach EU- und Euro-Exit. Doch jetzt mit gemeinschaftlichen Euro-Anleihen, für die die gesamte Familie haftet, verflüchtigt sich das eurosklerotische Kreditrisiko. Dass die EZB in diesem Zusammenhang hemmungslose Staatsfinanzierung betreiben muss, ist dabei kein Wettbewerbsnachteil. Denn wer ohne Stabilitätssünde ist, werfe den ersten Stein.

Insgesamt bekommt der Dollar als Anlage- und damit Leitwährung Konkurrenz vom Euro. Russen und Chinesen, die mit Amerika viele Hühnchen zu rupfen haben, werden zukünftig noch mehr Lust verspüren, dem Dollar fremdzugehen.

Tatsächlich, gegenüber Dollar auf Rekordniveau befindliche spekulative Netto-Long-Positionen des Euros sprechen zunächst für eine Fortsetzung des Abwertungstrends. Langfristig sehen viele Analysten sogar eine Befestigung bis 1,40 US-Dollar.

 

Spekulative Netto-Long-Positionen Euro/US-Dollar und Wechselkurs Euro/US-Dollar

Bildschirmfoto-2020-08-26-um-14 24 03 in Der Euro auf dem Weg zur Weltleitwährung?

 

Seite zwei: Einen starken Euro scheut Europa wie der Frosch einen trockengelegten Tümpel

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