5. Juni 2020, 09:07
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Deutsche Wirtschaft holt nach tiefer Rezession wieder auf

Nach der tiefen Rezession im zweiten Quartal dieses Jahres wird sich die deutsche Wirtschaft gemäß den aktuellen Bundesbank-Projektionen wieder erholen. Wie weit es runter geht und wann die Erholung in welchem Umfang wieder einsetzt.

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Bundesbankpräsident Jens Weidmann: “Staatsfinanzen leisten erheblichen Stabilisierungsbeitrag.”

Den Schätzungen zufolge schrumpft die Wirtschaftsleistung 2020 zwar um 7 Prozent, in den kommenden beiden Jahren legt das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann aber wieder um jeweils 3 bis 4 Prozent zu. Das jüngste Konjunkturpaket der Bundesregierung wurde nach dem Prognoseabschluss vereinbart. „Die Staatsfinanzen leisten einen erheblichen Stabilisierungsbeitrag“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. „Ein weiterer Stimulus ist in der aktuellen Lage auch angemessen und ich bewerte das Konjunkturprogramm positiv.“ Wie Weidmann weiter ausführte, fällt der konjunkturelle Ausblick dadurch nun spürbar günstiger aus.

Massiver Rückgang im zweiten Quartal

Infolge der Pandemie und der zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen war die Wirtschaftsleistung im ersten Vierteljahr 2020 außerordentlich stark zurückgegangen. Für das zweite Vierteljahr sehen die Bundesbankprojektionen einen weiteren, insgesamt sogar noch massiveren Rückgang voraus. Der Tiefpunkt ist allerdings schon im April durchschritten worden und die Wirtschaft beginnt wieder zu wachsen. Die Erholung bleibt aber zunächst verhalten, weil die Beeinträchtigungen durch die Pandemie und ihre Bekämpfung nur nach und nach zurückgehen dürften. In den Projektionen wird unterstellt, dass Mitte kommenden Jahres eine wirksame medizinische Lösung für die Pandemie verfügbar sein wird, was der Erholung dann neuen Schub gibt. „Über die weitere Entwicklung besteht aber eine sehr hohe Unsicherheit“, betonte Weidmann.

Folgen für den Arbeitsmarkt

Die Krise zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Trotz massiver Kurzarbeit steigt die Arbeitslosigkeit vorübergehend deutlich. Die Bundesbank-Projektionen enthalten aber keine größeren nachhaltigen Beschädigungen der Arbeits- und Gütermärkte. Die umfangreichen wirtschaftspolitischen Stützungsmaßnahmen und das sich stabilisierende internationales Umfeld, das der Prognose zugrunde liegt, wirken dem entgegen. Der Anstieg der Verbraucherpreise lässt gemäß der Prognose in diesem Jahr erheblich nach und beträgt lediglich 0,8 Prozent. In den kommenden beiden Jahren legt die Inflationsrate aber wieder auf 1,1 beziehungsweise 1,6 Prozent zu. Maßgeblichen Einfluss auf diese Entwicklung haben die Energiepreise, die wegen des jüngsten Einbruchs der Ölpreise zunächst zurückgehen und dann wieder kräftig anziehen. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel bleibt dagegen vergleichsweise stabil. Die wegbrechende Nachfrage dämpft zwar die Preise von Dienstleistungen und gewerblichen Waren. Dies wird aber durch andere preistreibende Faktoren infolge der Pandemie abgemildert.

Staatsfinanzen stabilisieren

Die Staatsfinanzen stabilisieren die gesamtwirtschaftliche Entwicklung auch ohne das nicht enthaltene jüngste Konjunkturpaket erheblich: Zum einen wirken die automatischen Stabilisatoren, zum anderen die umfangreichen Hilfsmaßnahmen. Der Bundesbank-Projektion zufolge sind in diesem Jahr ein Defizit von 6 Prozent des BIP und eine Schuldenquote in einer Größenordnung von 75 Prozent angelegt. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung und auslaufender Hilfsmaßnahmen werden sich die Staatsfinanzen dann in den Folgejahren bessern. Die Defizitquote wird im Jahr 2022 wieder deutlich niedriger ausfallen. Auch die Schuldenquote wird etwas zurückgehen, aber noch erheblich über dem Vorkrisenniveau von rund 60 Prozent liegen.

Neben dem Basisszenario hat die Bundesbank ein günstigeres und ein ungünstigeres Szenario erstellt. Im laufenden Jahr geht das reale BIP dabei entweder um 3 oder sogar um 10 Prozent zurück. Im günstigen Szenario setzt im kommenden Jahr eine zügige Aufholbewegung ein (plus 6 Prozent), während im ungünstigen Szenario auch dann noch ein BIP-Rückgang zu verzeichnen ist (minus 1 Prozent).

Konjunkturpaket noch nicht konkretisiert

Das erst nach Prognoseabschluss vereinbarte, jüngste Konjunkturpaket der Bundesregierung ist teils noch nicht konkretisiert. Auf Grundlage einer ersten groben Abschätzung könnte das Staatsdefizit im laufenden Jahr um 1 ½ Prozent des BIP und im kommenden Jahr um ½ Prozent des BIP höher ausfallen als die Projektionen ergeben. Das reale BIP könnte im laufenden Jahr um mehr als ein Prozent und im kommenden Jahr um etwa ein halbes Prozent höher liegen (die Wachstumsraten wären im laufenden Jahr entsprechend größer und im kommenden Jahr kleiner). Insbesondere die Umsatzsteuersenkung wird die Preisentwicklung spürbar beeinflussen. Eine volle und unmittelbare Überwälzung würde die Rate im laufenden Jahr um eine Größenordnung von einem Prozentpunkt vermindern und im kommenden Jahr spiegelbildlich um einen Prozentpunkt erhöhen, allerdings ist nur von einer geringeren Überwälzung auszugehen.

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Foto: picture-alliance

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