22. April 2020, 15:21
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“Die Corona-Krise löst eine einmalige Goldpreis-Rallye aus”

Die Corona-Krise hat weltweit zu Kursstürzen an den Aktienmärkten geführt. Innerhalb weniger Tage sind Milliardenverluste für Kapitalanleger entstanden. Der Goldpreis hat eine gegenteilige Tendenz und erreicht neue Höchststände. Im Interview erklärt Dr. h. c. Rudolf Döring, Verwaltungsrat der SWM AG aus Liechtenstein, warum Edelmetallanleger von der Krise profitieren.

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Rudolf Döring, SWM AG

Mitten in der Corona-Krise hat der Goldpreis um die 1.600 Euro je Feinunze einen neuen Allzeitrekord aufgestellt. Was sind die Gründe für diesen Preisschub?

Döring: Gold gilt traditionell als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Dementsprechend profitiert der Goldpreis massiv von der Verunsicherung über die weltwirtschaftliche Entwicklung, die durch durch den Lock-Down weiter Teile des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ausgelöst wurde. Viele Anleger befürchten auch eine steigende Inflation ausgelöst durch die Rettungspakete, die den Markt mit zusätzlicher Liquidität fluten. Gold gilt traditionell als hochliquide und inflationssichere Ersatzwährung. Derzeit trifft eine sehr hohe Nachfrage auf ein beschränktes Angebot was zu stark steigenden Preisen geführt hat. Die Corona-Krise hat eine einmalige Goldpreis-Rallye ausgelöst. Wer Gold in Euro gekauft hat, profitiert zusätzlich von der relativen Stärke des US-Dollar.

Die SWM AG prognostiziert seit längerem steigende Goldpreise für das Jahr 2020. Ist der Höhepunkt erreicht?

Döring: Fast alle Experten und Edelmetallhändler haben bereits vor dem Ausbruch des Corona-Virus mit steigenden Goldpreisen gerechnet. Die derzeitige Krise hat die Tendenz nur beschleunigt. Die Nachfrage ist derzeit riesig, laut Angaben des World Gold Council sogar größer als zum Höhepunkt der Finanzkrise. Viele Analysten erwarten, dass der Goldpreis dieses Jahr erstmals auf 2.000 US-Dollar steigen könnte. Dann wäre auch in der wichtigsten Handelswährung der Welt ein neuer Rekordpreis erreicht. Es spricht derzeit wenig dafür, dass die Nachfrage nach Gold in naher Zukunft signifikant abnehmen wird. Daher rechnen wir bei der SWM AG für den weiteren Jahresverlauf tendenziell mit steigenden Preisen.

Welche Auswirkungen hat die hohe Nachfrage für Anleger, die physisches Gold erwerben wollen?

Döring: Die hohe Nachfrage nach Gold hatte zeitweise zu Lieferengpässen bei physischem Gold geführt. Viele Goldhändler hatten Probleme beliebte Goldanlagen wie Krügerrand-Münzen zu liefern. Mehrere große Goldverarbeiter waren für etwa anderthalb Wochen ausgefallen, was zu Verzögerungen in der Lieferkette geführt hat. Von den staatlichen Prägeanstalten in den USA und Kanada kam kein Nachschub. Und auch in Südafrika hat der Kampf gegen das Corona-Virus die Goldproduktion in den Minen gebremst. Vor allem kleinere Goldeinheiten, die bei Privatanlegern beliebt sind, waren von den Lieferproblemen und teils hohen Aufschlägen beim Erwerb von Goldmünzen und Goldbarren betroffen. Schließlich haben die zeitweisen Schließungen der Goldverarbeitungsanlagen in Tessin zu Nachschubängsten geführt.

Statt physisches Gold zu erwerben, können Kapitalanleger auch in Form von börsengehandelten ETFs oder Futures in Edelmetalle investieren. Was halten Sie von diesen Investments?

Döring: Alle diese Produkte unterliegen den Gesetzen der Börse und bieten nicht dieselben Vorteile wie physisches Gold. Bei der SWM AG raten wir daher grundsätzlich zum Erwerb von physischem Gold. Wahlweise erwerben Sie die Edelmetalle bei einem Händler ihres Vertrauens und lagern die Barren und Münzen in einem Bankschließfach oder Tresor. Oder Sie investieren bei einem seriösen Anbieter von Edelmetall- und Goldsparplänen, bei denen Sie Edelmetalle erwerben und in einem Hochsicherheitszollfreilager einlagern können. Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie stets der Eigentümer der Edelmetalle bleiben und bei Bedarf jederzeit physischen Zugriff auf Ihr Eigentum haben. Das ist bei ETF´s nicht gewährleistet.

Lohnt sich bei den aktuellen Höchstständen der Goldkauf für langfristig orientierte Anleger überhaupt noch?

Döring: Kurz- und mittelfristig ist in jedem Fall mit steigenden Edelmetallpreisen zu rechnen. Und historisch hat sich der Goldpreis ausschließlich in eine Richtung bewegt: nach oben! Bei der SWM AG sehen wir keinerlei Hinweise dahingehend, dass sich diese langfristige Tendenz drehen wird. Nebenbei werden kurzfristige Schwankungen beim Goldpreis für Anleger, die langfristig in Sparpläne investiert sind, durch den sogenannten Cost-Average-Effekt abgemildert und haben daher kaum Einfluss auf die Gesamtperformance eines Edelmetalldepots.

Neben Gold gelten vor allem Silber, Platin und Palladium als Alternative zu Investments in Gold. Lohnt sich in der Krise die Beimischung dieser Edelmetalle ins Portfolio?

Döring: Gold ist und bleibt der Klassiker. Silber, Platin und Palladium können je nach Präferenz des Kunden eine sinnvolle Ergänzung des Portfolios sein, individuell beraten lassen sollte man sich unbedingt über die Allokation am gesamten Edelmetallbestand. Als Faustformel gilt: 20 bis 25 Prozent der Ersparnisse sollten in Edelmetalle investiert werden. Als Krisenabsicherung ist neben Gold derzeit nur der Erwerb von Silber sinnvoll. Traditionell folgt der Silberpreis dem Goldpreis mit leichter Verzögerung. Diese Korrelation zum Goldpreis gibt es nicht bei Platin und Palladium. Wir raten Privatanlegern daher, aktuell den Schwerpunkt auf den Erwerb von Gold und Silber zu beschränken. Für professionelle Investoren und die Manager von betreuten Edelmetallportfolios sind Platin und Palladium hingegen – je nach Marktlage – durchaus attraktive Investments.

Foto: SWM AG, Shutterstock

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