2. September 2020, 10:27
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Die globale Erholung wird zunehmend störungsanfällig”

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich, hat zunehmend Zweifel, ob die eingesetzte Erholung ausreichend Spannkraft besitzt und mit der wirtschaftlichen Realität Schritt halten kann.

Thoma-Beat-Fisch-AM-Kopie in Die globale Erholung wird zunehmend störungsanfällig

Beat Thoma, Fisch Asset Management

Ein wesentliches Augenmerk unserer Makroanalyse liegt auf der monetären Situation, bei der wir derzeit eine Verschlechterung sehen. Die Notenbanken versorgen die Märkte zwar weiterhin mit viel Liquidität. Aber dieses Geld kommt vorwiegend bei großen börsennotierten Unternehmen und Schuldnern an. Bei kleinen und mittleren Unternehmen trüben sich die Refinanzierungsmöglichkeiten deutlich ein. Die Banken fürchten sich vor Zahlungsausfällen und werden restriktiver bei der Kreditvergabe. Verschiedene Indikatoren (zum Beispiel Senior Loan Officer Survey) zeigen eine ähnlich schwierige Situation wie in der Krise von 2008/09 an. Die Gefahr eines starken Anstiegs der Konkurse nimmt deutlich zu und diese Kreditklemme ist für die Notenbanken nur schwierig zu überbrücken.

Zahlungsausfälle und Konkurse führen zu rückläufigem Konsum

Die bereits jetzt steigenden Zahlungsausfälle und Konkurse bei mittelständischen Unternehmen führen mittelfristig zu rückläufigem Konsum, erhöhter Arbeitslosigkeit und damit einer negativen Rückkopplung auf das Wirtschaftswachstum. Es droht hier der permanente Abbau von Arbeitsplätzen. Da der Arbeitsmarkt in den USA dynamischer und flexibler ist, dürfte Europa unter dieser Entwicklung stärker leiden, und zwar gerade die besonders von Covid-19 betroffenen Länder.

Fed-Präsident Jerome Powell hat beim jährlichen Wirtschaftssymposium ebenfalls nochmal das Ziel der Vollbeschäftigung in den Vordergrund gerückt. Der Fokus auf den Arbeitsmarkt soll durch ein flexibleres Inflationsziel unterstützt werden, bei dem der Zielwert von zwei Prozent auch für längere Zeit überschritten werden darf, bevor die Fed gegensteuert. Damit dürfte auch das Zinsniveau auf absehbare Zeit sehr niedrig bleiben. Der Häusermarkt in den USA ist dagegen sehr stark und dürfte der Konjunktur bis auf weiteres eine gewisse Stütze geben. In China entwickelt sich die Wirtschaft deutlich besser, während Europa schwächelt. Insgesamt bleibt die Weltwirtschaft in einem eher gedämpften Aufschwung mit zunehmender Gefahr eines Strömungsabrisses.

Bewertungen der Aktienmärkte nicht mehr im Einklang mit konjunktureller Realität

Die Bewertungen an den Aktienmärkten verteuerten sich aufgrund der Kursgewinne der letzten Wochen weiter und stehen vielfach nicht mehr im Einklang mit der fundamentalen konjunkturellen Realität. Auch die Kreditmärkte sind teilweise teuer, aber weniger übertrieben als am Aktienmarkt. Die Bewertungsdiskrepanz an den Finanzmärkten ist sehr stark von der lockeren Geldpolitik und damit monetär getrieben. Die markttechnische Verfassung der Börsen ist derzeit noch gut, beginnt sich allerdings leicht abzuschwächen. Aufgrund der sich negativ verändernden Einflussfaktoren ist jederzeit ein Trendbruch möglich. Spätestens jetzt ist Vorsicht geboten und Investmententscheidungen sollten das Risikoumfeld entsprechend berücksichtigen.

Foto: Fisch AM

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Hier zahlen Autofahrer besonders viel für die Kfz-Versicherung

Berlin ist ein teures Pflaster für Autofahrer.Deutschlandweit ist der durchschnittliche Versicherungsbeitrag für eine Kfz-Vollkaskoversicherung in der Hauptstadt am höchsten. Der Rundum­schutz für das Fahrzeug kostet dort bis zu 44 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt und sogar bis zu 74 Prozent mehr als in sehr günstigen Regionen. Das zeigen Beispiel­berechnungen für über 8.000 Postleit­zahlengebiete.

mehr ...

Immobilien

“Negative Zinsen auch im Immobilienbereich nicht mehr ausgeschlossen”

Die Perspektiven für den deutschen Wohnimmobilienmarkt sind günstig, auch wegen der weiter gesunkenen Zinsen. Dieses Bild zeichnete Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) anlässlich einer Online-Konferenz der Project Unternehmensgruppe. 

mehr ...

Investmentfonds

Corona-Krise trifft europäische Banken härter als ihre US-Wettbewerber

Die von der Coronakrise ausgelösten wirtschaftlichen Verwerfungen, haben US-Banken scheinbar besser weggesteckt als ihre europäischen Pendants. Das zeigt zumindest eine Untersuchung der Deutschen Bank.

mehr ...

Berater

Mehr Haftpflichtverträge durch Hunde-Boom

Während der Coronapandemie scheint die Sehnsucht nach einem Hund zu wachsen. Hundezüchter vermelden einen Ansturm auf Welpen, viele Tierheime sind wie leergefegt. Bei der R+V Versicherung spiegelt sich dieser Trend in einem deutlichen Anstieg der Hundehaftpflicht- und Operationskostenversicherung wieder.

mehr ...

Sachwertanlagen

Solvium lanciert Zertikat für Schweizer Profi-Investoren

Der Hamburger Logistik-Assetmanager Solvium Capital bringt die Assets „Schiffscontainer“ und „Wechselkoffer“ über ein Zertifikat auf den Schweizer Markt. Dazu ist das Unternehmen eine neu geschlossene Partnerschaft mit dem Züricher Verbriefungsspezialisten Gentwo eingegangen.

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...