9. Juni 2020, 13:04
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Droht ein zweiter Aktienmarkt-Crash in diesem Jahr?

David Wehner, Senior Portfoliomanager bei der Do Investment AG, sieht Ungemach an den Aktienmärkten aufziehen. Die Gründe nennt er in seinem Gastbeitrag.

DO-Investment-David-Wehner-Kopie in Droht ein zweiter Aktienmarkt-Crash in diesem Jahr?

David Wehner, DO Investment

Die globale wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit befindet sich auf einem neuen Allzeit-Hoch und überschreitet die Finanzkrise und die Eurokrise bei weitem. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie werden bei derzeitigen Prognosen zu einer Reduktion des globalen Bruttoinlandsproduktes um 3,5 Prozent führen. Die Volkswirtschaft der USA und der Eurozone leiden überproportional unter den Abschottungsmaßnahmen. Derzeit sehen die Prognosen für die Eurozone eine Reduktion der Wirtschaftsleistung von 8 Prozent und für die USA von 6,5 Prozent vor. Die Zentralbanken und die Politik versuchen die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie mit Stützungspaketen in Höhe von mehreren Billionen Euro zu mindern.

Erst in der vergangenen Woche beschloss die Bundesregierung ein neues Konjunkturpaket über 130 Milliarden Euro und die Europäische Zentralbank hat ihr Anleihe-Kaufprogramm um weitere 600 Milliarden Euro erhöht. Inwiefern diese Maßnahmen wirken, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen. Derzeit sind die aktuellen volkswirtschaftlichen Indikatoren weiterhin tief rot und signalisieren lediglich eine leichte Erholung in Folge der Lockerungsmaßnahmen. Die Zentralbanken, der Internationale Währungsfonds, Regierungsstellen und Analysten gehen von einem langsamen und langwierigen Erholungspfad aus.

Hoffnung verleiht Flügel

Mit Blick auf den Aktienmarkt könnte man sich die Frage stellen, ob wir uns in Folge der Corona Pandemie tatsächlich in einer Rezession befinden. Die globalen Aktienindizes haben in den vergangenen zehn Wochen schwindelerregende Höhen erreicht und zum Teil ihre Allzeit-Höchststände eingestellt bzw. eine positive Jahresperformance erreicht. Eine Börsenweisheit besagt, dass der Aktienmarkt einen Vorlauf von sechs Monaten hat und somit die wirtschaftliche Erholung in den folgenden Quartalen einpreist.

Diese Annahme ist sicherlich richtig. Allerdings würde dies bedeuten, dass sich die US-Wirtschaft zum Jahresende, gemessen am breiten S&P 500 Index oder dem Technologie-Index Nasdaq 100, komplett erholen wird. Dieses Tempo ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Neben der Hoffnung auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung haben die Liquiditätsmaßnahmen der Zentralbanken und die Konjunkturpakete der Regierungen einen erheblichen Einfluss auf den Börsenverlauf der letzten Wochen gehabt. Die Dynamik an den Märkten hat zu einer Euphorie geführt, die mittlerweile auch Privatinvestoren erreicht hat. Die Anzahl der Handelsgeschäfte überstieg den Durchschnitt der letzten Jahre mehrfach. Dabei bevorzugen Privatanleger in den USA Aktien von Unternehmen mit besonders schwachen Bilanzkennzahlen und treiben selbst insolvente Unternehmen mit ihren gehebelten Investitionen in ungeahnte Höhen.

Daneben haben Hedge-Fonds ihre spekulativen Positionen kreditfinanziert erheblich erhöht. Mittlerweile hat der Aktienmarkt hohe fundamentale Bewertungskennzahlen erreicht, die in den nächsten Monaten durch Unternehmensberichte bestätigt werden müssen. Allein im Monat Juni sind die europäischen Börsen um über 10 Prozent im Preis gestiegen.

Das Chancen-Risiko-Verhältnis kehrt sich langsam um

Es ist nicht auszuschließen, dass die Irrationalität an den Märkten noch einige Wochen anhält und dazu führt, dass weitere Aktienmarktindizes ihre Höchststände vom Februar testen. Als die Aktienmärkte ihre Jahrestiefststände im März erreichten, überwogen die Chancen. Denn die Bewertungen spiegelten ein stark negatives Szenario wider und einige Branchen wurden zu absoluten Schnäppchenpreisen gehandelt. Nach einer Erholung von nahezu 50 Prozent zeichnet sich ein anderes Bild ab. Die Risiken für den Aktienmarkt sind nicht abgearbeitet worden, sondern momentan nur ausgeblendet.

Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie, kann der massive Aufbau von Neuschulden zu schnell steigenden Zinsen im Laufzeitensegment 10 – 30 Jahre führen, was schon in der Vergangenheit eine Aktienmarktkorrektur ausgelöst hatte. Darüber hinaus rückt die US-Wahl im November dieses Jahres näher. Die Corona-Pandemie und die „Black Lives Matter“-Proteste haben eine Wiederwahl Donald Trumps ungewisser gemacht. Sollten die Demokraten im November die Mehrheit im Senat erreichen und den US-Präsidenten stellen, würden Teile der Steuerreform zurückgedreht, was den Aktienmarkt belasten würde.

Wir haben in der zweiten März-Hälfte beherzt zugegriffen und unseren Aktien- und Unternehmensanleihen-Anteil erhöht. Die anschließende Rallye im Mai haben wir dazu genutzt Gewinne zu realisieren und Positionen umzuschichten. Des Weiteren haben wir erste Absicherungsmaßnahmen in unseren Portfolien getroffen.

Foto: DO Investment, Shutterstock

 

1 Kommentar

  1. Da bin ich mir sicher, sobald sich jetzt die schlechten Umsätze des Sommers in den Bilanzen wiederfinden.

    Kommentar von Jan Lanc — 9. Juni 2020 @ 21:18

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