20. Mai 2020, 05:29
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Einmal Shutdown und zurück: Die neue Normalität für die Automotivebranche

Steffen Haas, Geschäftsführer der ASE GmbH, nennt drei Punkte, auf die Unternehmen der Automotivebranche bei der Wiederaufnahme des Normalbetriebs nach den pandemiebedingten Einschränkungen achten sollten.Shutterstock 732811756 in Einmal Shutdown und zurück: Die neue Normalität für die Automotivebranche

Seit zwei Monaten hält das Coronavirus die globale Wirtschaft in Atem. In diesem Zeitraum gerieten zahlreiche Unternehmen unter Druck. Wenn möglich, galt es, den Geschäftsbetrieb weitestgehend aufrechtzuerhalten. Besonders für Führungskräfte ergaben sich eine Reihe von Herausforderungen: Laufende Projekte mussten organisiert, das Tagesgeschäft koordiniert und Mitarbeiter durch den Krisenbetrieb geführt werden.

Insofern Geschäft oder Produktion nicht vollends zum Erliegen kamen, stand Anpassung an die neuen Gegebenheiten auf der Tagesordnung. Nach Wochen des zwangsgedrosselten oder gar stillgelegten Betriebs haben Branchen wie der Automotive-Sektor ihre Produktion allmählich wieder hochgefahren. Beim Übergang vom Krisen- zum Normalbetrieb müssen Unternehmen dennoch weiterhin umdenken und Aufgeschlossenheit beweisen, denn die Pandemie hat eine neue Form der Normalität geschaffen.

Flexibel agieren in unsicheren Zeiten

Besonders der Automotive-Bereich erfährt aktuell mit Strukturwandel und pandemiebedingter Absatzkrise eine Doppelbelastung. Damit einher gehen veränderte Abläufe des allgemeinen Bürobetriebs sowie im Rahmen der Produktion, auf die sich Mitarbeiter und Führungskräfte gleichsam einstellen müssen. Überall dort, wo Menschen einander begegnen, gilt die Devise: weniger Personen je Fläche. An den Bändern, auf den Gängen, im Aufenthaltsraum – getrennte Pausen, versetzte Schichten und Abstandsregeln stehen inzwischen neben Mund- und Nasenschutz sowie Oberflächendesinfektion auf der Tagesordnung. Es kommt folglich darauf an, die neue Realität in gewohnte Betriebsabläufe zu integrieren und zugleich flexibel auf künftige Entwicklungen zu reagieren.

Da zu diesem Zeitpunkt ein Ende der Pandemie längst nicht abzusehen ist, bedarf es vorausschauenden Handelns. Mit Schwankungen zwischen Hoch- und Herunterfahren der Produktion muss die Branche dabei in den kommenden Monaten rechnen. Dies erfordert eine dauerhafte Überprüfung des Geschäftsmodells und eine möglichst skalierbare Produktion, die eine rasche Anpassung an den dynamischen Markt ermöglicht. Für krampfhaftes Festhalten an alten Methoden und Prozessen ist in Zeiten der Corona-Pandemie kein Platz. Vielmehr benötigt die Branche eine Öffnung hin zu neuen Konzepten und flexiblen Modellen, die es erlauben, mit der veränderten Geschwindigkeit des Marktes Schritt zu halten und darüber hinaus den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren.

Komfortzone verlassen

Bereits seit einigen Jahren stellt die Digitalisierung ein breit diskutiertes Thema dar, doch es erfolgte noch keine flächenübergreifende Implementierung neuer Methoden und Strategien – bis das Coronavirus das öffentliche Leben weitgehend lahmlegte. Alternative Arbeitsmethoden hielten Einzug, das oftmals noch skeptisch beäugte Konzept des Homeoffice wurde vielerorts real und Deutschlands Arbeitsplätze somit digitaler. Die Coronakrise zwang auch Unternehmen der Automotivebranche zum Umdenken: Ob Remote Working, Mitarbeitergespräche über Kamera oder Kundengespräche per Videochat – solche virtuellen Lösungen stellen keine Ausnahme mehr da.

Und auch Begriffe wie „Smart Factory“, „3D-Druck“ und „Fertigungsroboter“ sind für die Automotiveindustrie längst keine Fremdwörter mehr – besonders in Zeiten von Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen helfen digitale Vernetzung und Remote Working dabei, den Betrieb trotz Einschränkungen weiter aufrechtzuerhalten. Dabei dient die Digitalisierung – im Büro oder der Fertigung – stellvertretend als Beispiel für einen Schritt aus der unternehmenseigenen Komfortzone hin zur Implementierung von neuen Arbeitsmethoden. Offenheit und die Bereitschaft gegenüber Veränderung bilden in diesem Zusammenhang die Grundlagen für den Weg aus der Krise.

Auf Erfahrung setzen

Zwar stellt die Corona-Pandemie eine bisher unbekannte Krisensituation für die Gesellschaft dar, die daneben Wirtschaft und Politik auf eine völlig neue Weise herausfordert. Doch gerade hier bedarf es der Kompetenz erfahrener Führungskräfte, die bereits unternehmensinterne wie -externe Krisen in ihrer Karriere gemeistert haben. Vorgehensweisen und Lehren vergangener Turbulenzen lassen sich auch auf die derzeitige Lage anwenden. Dabei braucht es allerdings tiefgreifende Änderungen unter anderem in der Organisation von Projekten, der betrieblichen wie geschäftlichen Kommunikation und der Personalplanung zur Adaption an die neue Situation.

In diesem Zusammenhang kann ein Blick von außen beispielsweise durch einen Interimsmanager förderlich wirken. Alte Muster im Betrieb lassen sich somit durch eine neue, externe Perspektive reevaluieren und wenn nötig durchbrechen. Die konsequente Analyse und Optimierung betrieblicher Strukturen und Prozesse sowie des gegenwärtigen Zustands bilden die Grundlage für den Aufbau neuer Geschäftsmodelle. Durch ihre jahrzehntelange Erfahrung können interimistische Führungskräfte Veränderungen im Unternehmen erwirken, die sie bereits in der Vergangenheit konkret in die Praxis umgesetzt haben. Erfahrene Lotsen wissen eben, wie man durch Stürme segelt.

Foto: Shutterstock

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