13. Mai 2020, 20:59
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

EZB-Anleihenprogramm hat deutschen Sparern nicht geschadet

Das Urteil könnte wegweisend sein: Das Bundesverfassungsgericht hat die Anleihenkäufe der EZB ab 2015 für teilweise verfassungswidrig erklärt. Die Europäische Zentralbank (EZB) muss nun innerhalb von drei Monaten nachweisen, dass das Programm mehr Vorteile als Nachteile gebracht hat. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die Maßnahme den deutschen Sparer nicht an der Vermögensbildung gehindert hat – im Gegenteil.

Leitzins-ezb in EZB-Anleihenprogramm hat deutschen Sparern nicht geschadet

EZB in Frankfurt

Auch wenn sich die Forderung des Gerichts harmlos anhört, so kann sie doch weitreichende Folgen haben: Die EZB muss beweisen, dass das sogenannte Public Sector Purchase Programme (PSPP), mit dem die Zentralbank seit 2015 Anleihen europäischer Staaten gekauft hat, um Konjunktur und Inflation anzukurbeln, verhältnismäßig war. Liefert die EZB keine überzeugende Begründung, so dürfte sich die Bundesbank nicht mehr an geldpolitischen Maßnahmen des Euroraums beteiligen. Außerdem müsste die Bundesbank die erworbenen Bundesanleihen rückabwickeln. Als Begründung für das Urteil führte das Bundesverfassungsgericht etwa an, dass der entstandene niedrige Zins ein großer Nachteil für die Sparer in Deutschland war. 

Arbeitseinkommen relevanter als Zinseinkommen

Eine neue IW-Studie zeigt allerdings, dass sich die Vermögensbildung in Deutschland zur Zeit des PSPP besser entwickelte als in anderen Ländergruppen des Euroraums. Das liegt vor allem an der geringen Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik: Die meisten Sparer bauen ihr Vermögen nicht über Zinsen auf, sondern über ihr Arbeitseinkommen. Für die Vermögensbildung ist daher eine gesunde Konjunktur wichtiger als ein hoher Zins. Während das PSPP lief, stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im Jahresschnitt um 4,3 Prozent – trotz Niedrigzinsen. Vor der Finanzkrise, von Anfang 2004 bis Mitte 2008, stieg das Vermögen dagegen nur um 3,7 Prozent.

Wachstum führt zu Vermögen

Auch wenn das nicht für jeden einzelnen Sparer gilt, so hat der private Haushaltssektor als Ganzes keine negativen Folgen während der Zeit der Anleihenkäufe erlitten. “So lange das Wachstum in Deutschland gut verläuft und die Beschäftigung hoch ist, so lange ist auch in Zeiten von niedrigen Zinsen ein Vermögensaufbau möglich”, sagt Markus Demary, Studienautor und IW-Experte für Geldpolitik. Zumindest in Bezug auf die Ersparnisse sei das PSPP deshalb verhältnismäßig gewesen, so Demary. 

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Führungswechsel bei Mobilversichert

Sechs Jahre nach dem Startschuss verlässt Gründer und CEO Manuel Ströh zum 31. Mai 2020 die Munich General Insurance Services GmbH, die unter der Marke Mobilversichert bekannt ist. Das Brokertech wurde im Februar 2019 von Prinas Montan GmbH, einer Tochter der Degussa Bank, erworben. Der Weggang von Ströh geschieht nach Unternehmensangaben in beiderseitigem Einvernehmen.

mehr ...

Immobilien

Ferienimmobilien: Mallorca bleibt sicherer Hafen im Mittelmeer

Gute Nachrichten für Urlauber und Immobilienbesitzer auf Mallorca: Die beliebte Baleareninsel ist ab 1. Juli wieder ohne Reiseeinschränkung für internationale Besucher geöffnet. Das Interesse der Immobilieninvestoren an der Mittelmeerinsel ist trotz Corona nicht eingebrochen.

mehr ...

Investmentfonds

Die große Loslösung der Märkte von der Realität – was das für Anleger bedeutet

Pascal Blanqué, Group Chief Investment Officer, und Vincent Mortier, Deputy Group Chief Investment Officer, und Ihr Team haben auch für Juni wieder einen Blick auf die Märkte geworfen und vier Verhaltenstipps formuliert.

mehr ...

Berater

Fuest: Soli-Senkung vorziehen

Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, hat vorgeschlagen, die Senkung des Solis auf den 1. Juli vorzuziehen, den Unternehmen eine erweiterte Verlustverrechnung zu ermöglichen und die öffentlichen Investitionen vorübergehend zu erhöhen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Bisher kaum Corona-Prospektnachträge bei Publikums-AIFs

Nur drei Prospekte von geschlossenen alternativen Investmentfonds (AIFs) für Privatanleger, die vor der Corona-Krise aufgelegt wurden und sich noch in der Platzierung befinden, wurden bislang durch spezielle Risikohinweise zu den möglichen Folgen der Pandemie ergänzt.

mehr ...

Recht

BGH-Urteil: Makleraufträge dürfen sich ohne Kündigung automatisch verlängern

So gut wie alle Maklerverträge enthalten Verlängerungsklauseln – und daran ist in vielen Fällen auch nichts auszusetzen. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied am Donnerstag, dass Immobilienmakler ihre Auftraggeber grundsätzlich über ein halbes Jahr hinaus an sich binden dürfen. Verträge, die sich ohne Kündigung automatisch immer weiter verlängern, seien zumindest dann unbedenklich, wenn der neue Zeitraum nicht mehr als die Hälfte der Grundlaufzeit beträgt, also höchstens drei Monate. (Az. I ZR 40/19)

mehr ...