30. Juni 2020, 09:09
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Fakten statt Klischees: Was Investoren über Cannabis wissen sollten

Die medizinische Fachwelt hat zwischenzeitlich reichlich Beweise für das therapeutische Potenzial der Cannabisblüte vorgelegt. Dennoch lastet das Stigma der Hippiedroge nach wie vor auf der Heilpflanze. Medizinisches Cannabis eröffnet Finanzexperte Rahul Bhushan zufolge einzigartige Investmentchancen. Doch es gilt ein paar Vorbehalte zu entkräften, die manchen strategischen Investoren hierbei im Weg stehen.

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Es ist eine Zeitenwende: Noch 1971 rief Richard Nixon den „Krieg gegen die Drogen“ aus. Fast 50 Jahre später lässt die U.S. Food and Drug Administration, das weltweit erste aus Cannabis gewonnene Medikament zu. Auch in Deutschland sind seit 2017 Arzneimittel auf Cannabisbasis legal, die Kosten werden inzwischen von den Krankenkassen erstattet. Obwohl sich dadurch neue Perspektiven für Unternehmen wie Investoren eröffnen, halten sich tief verwurzelte Vorurteile. Rahul Bhushan, Mitgründer und Sprecher von Rize ETF entblößt die fünf gängigsten Klischees.

Vorurteil 1 – Cannabis steht für Suchtprobleme und nicht für positive Kräfte

Medizinisches Cannabis ist kein Problem, sondern eine Lösung. Experten zufolge könnte Cannabis hilfreich bei der Bekämpfung der Opioidkrise in den USA sein. Opioide finden zumeist bei chronischen Schmerzen Anwendung, dies ist auch bei medizinischem Cannabis der Fall. Neuesten Analysen zufolge könnte Cannabis eine wirksame Alternative zur Vermeidung von Opium bei der Schmerztherapie darstellen. Der Markt schafft darüber hinaus eine Menge neuer Arbeitsplätze und daneben Steuereinnahmen für die Staaten.

Vorurteil 2 – Cannabis ist ein kurzlebiger Trend, kein strukturelles Thema

Auf keinen Fall. Nach Untersuchungen des US-amerikanischen Analyseunternehmens Reports and Data wird der weltweite Markt für medizinisches Cannabis bis 2026 voraussichtlich 148,35 Milliarden US-Dollar wert sein. Bhushan fügt dem hinzu:“ Wir halten diese Zahl sogar für konservativ. Nicht nur, weil wir hinsichtlich des therapeutischen Potenzials von Cannabinoiden wie Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) noch kaum an der Oberfläche gekratzt haben und es noch so viel zu verstehen gibt.“

Vorurteil 3 – Medikamente auf Grundlage von Cannabis gegen schwere Krankheiten sind noch lange nicht verfügbar

Ganz und gar nicht, denn es gibt bereits eine Reihe von Arzneien, die alle entweder eine pflanzliche oder synthetische Form von Cannabinoiden einsetzen. Zum einen das zukunftsweisende Epidiolex das heute sowohl von der FDA als auch von der Europäischen Arzneimittelagentur zur Behandlung von zwei seltenen Formen der Epilepsie bei Kindern (Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom) zugelassen ist. Dieses Medikament war bahnbrechend, denn es validierte die medizinische Anwendung von Cannabinoiden (insbesondere Cannabidiol oder CBD). Darüber existieren weitere Arzneimittel wie beispielsweise Marinol oder Syndros bei Anorexie bzw. Appetitlosigkeit. Oder auch Cesamet, das bei chronischen Schmerzen verschrieben wird.

Vorurteil 4 – Bei medizinischem Cannabis ist lediglich Nordamerika relevant

Stimmt nicht. Medizinisches Cannabis hat eine an sich sehr britische Geschichte. Tatsächlich hat das britische Unternehmen GW Pharma mit Epidiolex in den letzten Jahren den Maßstab für die Branche gesetzt. Es führte zudem zu einer Rally des Aktienkurses, da das Unternehmen seine Einnahmen von 16 Millionen US Dollar im Jahr 2018 auf über 300 Millionen US Dollar im Jahr 2019 steigern konnte. Daneben agieren auf dem Markt noch weitere interessante Unternehmen aus Australien oder Israel.

Vorurteil 5 – Ein Exposure in die „Pure-Player“ dieses Marktes ist nicht möglich

Doch, es gibt eine Möglichkeit. Mithilfe des auf Cannabis spezialisierten US-amerikanischen Analysehauses New Frontier Data können Investoren auf ein maßgeschneidertes Portfolio zugreifen. Es handelt sich um einen Korb von Unternehmen, die ausschließlich medizinisches Cannabis fokussieren und daher vom globalen Rückenwind zu diesem Thema getragen werden. Sinnvoller Weise unterstützen Anleger Unternehmen, die daran arbeiten, Patienten zu helfen, die sonst keine Behandlungsalternativen mehr haben.”

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Der Aufwand für die Ärzte wird so hoch gesetzt, Regressansprüche am laufenden Band. Kaum jemand bekommt Cannabis bezahlt, Ausnahme Krebstherapie. Aber Opiumpatienten, die eine weniger problematische Medizin nehmen möchten, haben kaum eine Chance.
    Vor Gericht werden dann doch wieder die alten Vorbehalte ausgepackt.
    Solange die Medikamente keinen Einzug in die Leitlinien haben, bleiben Schmerzpatienten meist auf der Strecke.

    Kommentar von Tom Besch — 30. Juni 2020 @ 13:56

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