28. Mai 2020, 10:20
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Gewinner und Verlierer von Covid-19 – und wo sie zu finden sind

Die Coronakrise definiert die Krisenresistenz von Unternehmen neu, da die Weltwirtschaft auf beispiellose Weise auf die Probe gestellt wird. Zugleich bietet sie eine seltene Gelegenheit, die wesentlichen Voraussetzungen für nachhaltige Investitionen auf den Prüfstand zu stellen. Ein Kommentar von James Rich, Senior Portfolio Manager bei Aegon Asset Management

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Obwohl nur wenige Bereiche unversehrt blieben, hat sich unsere These von nachhaltigen Investitionen während der Pandemie und der Auswirkungen der Krise auf die Märkte grundsätzlich bewährt. Hinsichtlich der Unternehmensanleihen haben sich viele der Sektoren mit einem stärkeren Fokus auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen als stabil erwiesen.

Sektoren mit vielen Emittenten, die unserer Definition von Nachhaltigkeit entsprechen, wie das Gesundheitswesen einschließlich Pharmazeutika und Biotechnologie, sind klare Nutznießer der Krise, da sie an der Bekämpfung des Virus arbeiten. Auch die Bereiche Technologie und Kommunikation haben den Abschwung relativ gut überstanden, da die Nachfrage während der Quarantäne stark angestiegen ist. Auch gibt es sicherlich einige Sektoren, wo die Aussichten trüber sind, die aber vom Trend zu mehr Nachhaltigkeit profitieren, etwa die Automobilindustrie und der gewerbliche Immobiliensektor. Branchen, wie Energie und Freizeit, die sehr wenige bis gar keine Emittenten aufweisen, aber unserer Definition von Nachhaltigkeit entsprechen, haben unterdessen unter einem Nachfrageeinbruch gelitten.

Gute Ausgangsposition für Gewinnsteigerungen

Technologie: Da Menschen auf der ganzen Welt in ihren Häusern festsitzen, ist die Nachfrage nach vielen Technologieprodukten und -dienstleistungen sprunghaft angestiegen. Daher sind Unternehmen mit Hightech-Lösungen, die energieeffiziente Cloud-Dienste umfassen, derzeit im Vorteil.

Kommunikation: Firmen, die die Wireless- und Internet-Wertschöpfungsketten unterstützen, profitieren von den Quarantäne-Maßnahmen und dem Trend zur Heimarbeit. Die Notwendigkeit, Kommunikation über Mobilfunk und Internet anzubieten, ist heute noch stärker als vor der Krise.

Pharma und Biotechnologie: Für diesen Sektor, der bis März aufgrund der anhaltenden Opioid-Krise und der steigenden Arzneimittelkosten oft als menschenfeindlich betrachtet wurde, ist die Nachhaltigkeit in gewisser Weise zur Rettung geworden. Der Bedarf an neuen Heilmethoden für Krankheiten wie Covid-19 ist stärker als in den vergangenen Jahren in den Blickpunkt gerückt. Das unterstreicht die wichtige Bedeutung von Innovation und Nachhaltigkeit für die pharmazeutische Industrie.

Nahrungsmittel und Getränke: Der Verkauf von Nahrungsmitteln und Getränken in traditionellen Lebensmittelgeschäften und Supermärkten hat sprunghaft zugenommen, da sich die Konsumgewohnheiten der Menschen von einer Mischung aus Heim- und Auswärtsverzehr fast nur noch auf den Heimverzehr verlagern. Auch der Verkauf von gesunden Lebensmitteln ist gestiegen.

Gemischte Ergebnisse ante portas

Wohnungsbau/Baumaterialien: Unabhängig davon, wie erschwinglich ein neues Haus ist, sind nur wenige Verbraucher überhaupt auf der Suche nach neuen preiswerten Häusern. Die Renovierung bestehender Häuser hat sich verlangsamt – was darauf hindeutet, dass die Nachfrage nach energieeffizienzsteigernden Baumaterialien ebenfalls zurückgegangen ist. Dennoch gab es auf vielen Märkten Engpässe, die nicht allein durch die Krise behoben werden können.

Finanzdienstleistungen: Angesichts der unverhältnismäßig starken Auswirkungen dieser Rezession ist die Notwendigkeit heute dringender denn je, kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) zu unterstützen. Finanzunternehmen, die vor der Krise ihren Schwerpunkt auf KMUs gelegt haben, dürften mit einem größeren Verlustanstieg und höhere Umsatzeinbußen konfrontiert sein. Doch die Förderung dieser Unternehmen könnte sich bei einer Erholung der Wirtschaft als rentabel erweisen.

Energie: Die Nachfrage nach Strom ist zyklisch, auch in der gegenwärtigen Rezession – unabhängig davon, ob er aus erneuerbaren Energien erzeugt wird oder nicht. Dennoch wird der langfristige Übergang zu kohlenstoffarmer Energie anhalten und den Rückgang der Kosten für erneuerbare Energien begünstigen.

Industrieunternehmen: Viele Wirtschaftszweige – einschließlich derjenigen, die nachhaltige Produkte und Dienstleistungen verkaufen – sind stark zyklisch. Der Bedarf an Umweltdienstleistungen wird parallel zur industriellen Nachfrage zurückgehen. In anderen Bereichen, beispielsweise bei Papierverpackungen, steigt die Nachfrage hingegen an.

Auf dem Weg in die Verlustzone

Automobil-Industrie: Die Konsumentenausgaben sind stark rückläufig. Kraftfahrzeuge und -teile bilden keine Ausnahme – unabhängig davon, ob sie mit Elektro-, Hybrid- oder Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Prognosen zufolge dürfte die saisonbereinigte Jahresrate in den USA im Lauf der nächsten 12 Monate auf 12-14 Millionen sinken.

Gewerbeimmobilien: Hier ist der Bedarf vor dem Hintergrund der “Stay at home”-Regelungen gesunken. Sektoren wie Hotels und Einzelhandel werden wahrscheinlich Jahre brauchen, um sich zu erholen. Andere Bereiche wie Büros könnten sich für immer verändern, wenn die Unternehmen den Wert erkennen, der darin besteht, den Beschäftigten mehr Flexibilität zu bieten.

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