29. Mai 2020, 05:19
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Gold: “Im Laufe des Jahres erwarten wir weitere Preissteigerungen”

Christian Brenner, Geschäftsführer der philoro Edelmetalle GmbH in Deutschland, kommentiert die aktuelle Lage am Goldmarkt. Der Edelmetall-Experte berichtet von den jüngstenErfahrungen aus dem stationären Handel und dem veränderten Kaufmotiv der Kunden. Christian Brenner erklärt, warum der Goldpreis trotz aktuellen Höchstständen weiterhin zulegen wird, gibt einen Einblick, wie es um Verfügbarkeiten, Münzanstalten und Lieferketten steht und wagt einen Ausblick auf die weitere Marktentwicklung.

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Christian Brenner, philoro Edelmetalle

Langsam ‚normalisiert‘ sich der Handel wieder. Welche Erfahrungen haben Sie seit der Wiedereröffnung der Filialen in Deutschland gemacht?

Brenner: Im stationären Handel erleben wir eine sehr hohe Kunden-Frequentierung. Zwar ist der Online-Handel nach den absoluten Rekordhöhenflügen der letzten Wochen nicht mehr ganz so stark gefragt, aber weiterhin auf überdurchschnittlichem Niveau. Insgesamt nimmt die Bereitschaft Edelmetalle Online zu kaufen weiterhin zu, wir sehen hier eine stark ansteigende Tendenz.

Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus?

Brenner: Generell sind Goldmünzen und -barren wieder in nahezu allen Stückelungen erhältlich und unsere Bestände sind gut gefüllt. Produkte sind seitens der Produzenten beziehbar, dennoch müssen wir uns noch mit Wartezeiten von bis zu vier Wochen arrangieren. Bei Silber hingegen sieht die Sachlage ganz anders aus: Für bestellte Barren von 100 Gramm bis 15 Kilogramm stehen aktuell Lieferzeiten zum 31. Juli 2020 zu Buche. Noch kritischer ist es um Platin und Palladium bestellt, hier reden wir nicht mehr von Lieferzeiten in einigen Wochen oder Monaten, sondern eher von Quartalen.

Hat sich das Kaufverhalten der Kunden geändert?

Brenner: Im Kaufverhalten bleiben sich die Kunden treu. Weiterhin stehen vor allem Bestseller wie Goldbarren (1oz bis 250g) oder Münzen wie Wiener Philharmoniker, Krugerrand sowie Maple Leaf ganz oben auf den Einkaufslisten. Drastisch verändert hat sich hingegen die Kaufmotivation: Als Beweggründe werden in unseren Beratungsgesprächen vermehrt Krisenausgleich, Sicherheit und Stabilität angegeben. Früher ging es einem Großteil der Anleger primär um den langfristigen Vermögensaufbau, während heutzutage ganz klar der Absicherungscharakter im Vordergrund steht.

Wie ist die Lage, kommen viele Kunden allein zu philoro oder werden sie eher bei der Bank vorstellig?

Brenner: Wie unsere jüngste Gold-Studie für die Schweiz aufzeigt, haben im Vorjahr noch 65 Prozentder Kunden über dieBank gekauft. In diesem Jahr waren es nur mehr rund 56 Prozent. Noch vor zehn Jahren habe in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als 90 Prozent über die Bank gekauft. Man sieht hier also eine klare Tendenz: Der Kunde wandert zum Spezialisten ab. Das deckt sich auch mit unseren Geschäftserfahrungen in Deutschland.

Werfen wir einen Blick auf den Goldpreis. Welches Potenzial sehen Sie aktuell – wird der Preis weiter zulegen?

Brenner: In den letzten Monaten haben wir schon Jahres- und Allzeithochs beim Goldpreis (in Euro) gesehen. Auch im Laufe des Jahres erwarten wir weitere Preissteigerungen. Denn aktuell könnte das Umfeld für Gold kaum besser sein: Die neuerlichen geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken schüren Inflationsängste. Die schlechten US-Konjunkturdaten, Rückgänge im BIP und steigende Arbeitslosenzahlen unterstreichen eindrücklich die Tragweite der Corona-Pandemie auf die US-Wirtschaft, deren Erholung sich laut Fed-Chef Jerome Powell bis ins Jahr 2021 hinziehen könnte.

Zunehmende Spannungen zwischen den USA und China aber auch Spekulationen über US-Negativzinsen oder eine drohende zweite Infektionswelle treiben den Preis weiter an. Zusätzlich werden sich steigende Länder-Schulden wie auch die von Unternehmen toxisch auf die Aktienmärkte auswirken. Gold dürfte als klassisches Schutzinvestment von dieser chaotischen Gemengelage der Weltwirtschaft profitieren. Damit sehen wir auch in den kommenden Monaten die Weichen für ein unverändert hohes Kaufinteresse gestellt.

Welche Marktbewegungen erwarten Sie aufgrund der Krise bis Ende des Jahres? Und wie sorgen Sie nach den bisherigen Erfahrungen vor?

Brenner: In den nächsten Monaten (Juni/Juli) kann es durchaus zu einer Konsolidierung des Goldpreises kommen. Aber schon im Herbst erwarten wir einen neuerlichen Anstieg des Kaufinteresses. In bisherigen Krisen war es oftmals der Fall, dass im Anschluss an eine Konsolidierungsphase in den tendenziell schlechteren Börsenmonaten im Spätherbst der nächste große Run aufs Gold folgte. Wir sorgen in jedem Fall vor und füllen unsere Lager. In diesem Zusammenhang verweise ich auch gerne auf den letzten ganz großen Crash aus dem Jahr 2008, damals fiel der Goldpreis von 1.000 Dollar die Feinunze auf 750 Dollar und stieg dann, mit kleineren Konsolidierungsphasen, nahezu unaufhörlich auf 1.900 Dollar im Jahr 2011. Und der aktuelle Crash fällt aus meiner Sicht heftiger aus, da mehr Geld in den Markt gepumpt wird als je zuvor. Mithin ist eine positive Entwicklung des Marktes auch über das Jahr 2021 hinaus sehr gut möglich.

Wie steht es um Produzenten, Förderung und Co.? Und was tut sich am Zweitmarkt?

Brenner: Die Produktion ist wieder auf ihre volle Stärke hochgefahren. Angesichts voller Auftragsbücher läuft die Produktion auf Hochtouren. Ähnlich sieht die Situation in den Minen aus, die Förderung ist wieder im vollen Gange. Problematisch bleibt hier jedoch weiterhin der Transport aufgrund der länderspezifischen Lockdown-Maßnahmen und Beschränkungen beim Güterverkehr. Am Zweitmarkt beobachten wir nahezu kaum Ankäufe. Die Anleger sind sehr sicherheitsorientiert. Trotz des weiterhin steigenden Goldpreises halten sie ihr Gold lieber als es zu verkaufen.

Fotos: philoro Edelmetalle, Shutterstock

 

1 Kommentar

  1. Sobald die Börse wieder runter geht werden noch mehr Menschen in Gold investieren und der Kurs geht hoch. Wahrscheinlich im 2. Halbjahr.

    Kommentar von Jan Lanc — 31. Mai 2020 @ 22:45

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