21. Mai 2020, 05:26
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Gold und Silber: Der Bullenmarkt nimmt Fahrt auf

Die Geldvermehrungspolitik der großen Zentralbanken treibt den „fairen“ Goldpreis – konservativ geschätzt – auf gut 2.000 US-Dollar je Unze. Eine „Kriseneskalation“ ist dabei nicht einmal berücksichtigt. Von dieser Entwicklung wird insbesondere auch der Silberpreis profitieren. Eine Kommentar von Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Degussa Goldhandel

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Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel.

Zufluss in die Gold-ETFs und -ETCs

Am 8. Mai 2020 hielten die Gold-ETFs und -ETCs weltweit 3.407,4 Tonnen des gelben Metalls. Das war ein Rekordwert. Hinter der wachsenden Nachfrage nach Gold-ETFs und -ETCs dürfte sich ein struktureller Effekt verbergen: Der Erwerb von Gold über börsengehandelte Indexfonds kommt immer mehr in Mode. Vor allem ist es für viele institutionelle Investoren der einzig gangbare Weg, am Goldpreis zu partizipieren. Hinzu kommt, dass die Engpässe im physischen Goldmarkt, die aus dem politisch diktierten „Lockdown“ erwachsen, die Nachfrage nach ETF- und ETC-Gold merklich angetrieben haben. Der ganz wesentliche strukturelle Effekt ist jedoch eine steigende Goldnachfrage.

Immer mehr Investoren alarmiert

Die Folgen der Rettungspolitiken, die die Regierungen und ihre Zentralbanken angesichts der Lockdown-Krise eingeleitet haben, scheinen immer mehr Investoren zu alarmieren: Sie befürchten, die stark steigenden Geldmengen werden die Güterpreise auf breiter Front in die Höhe treiben und die Kaufkraft des Geldes herabsetzen. Beispielsweise stieg die US-Geldmenge M1 (Bargeld und Sichtguthaben bei Banken) Mitte Mai 2020 um 31,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Geldmenge M2 (M1 plus längerfristige Bankeinlagen) um 22,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte (Abb. 2). Ähnlich dramatische Geldmengenausweitungen werden sich vermutlich sehr bald auch im Euroraum zeigen.

Geldmengen werden ausgeweitet

Die Politik der großen Zentralbanken der Welt ist darauf ausgerichtet, die Einkommensausfälle, die die Menschen und Unternehmen durch den Wirtschaftseinbruch erleiden, mit neu geschaffenem Geld zu bezahlen. Die Geldmengen werden ausgeweitet bei gleichzeitig rückläufiger Güterproduktion. Das ist geradezu ein Rezept für steigende Güterpreise auf breiter Front. Die Aussicht auf steigende Inflation ist für Anleger umso dramatischer, weil die Zentralbanken die Marktzinsen auf beziehungsweise unter die Nulllinie gedrückt haben. Steigende Inflation bei Null- oder Negativzinsen machen Anlageformen wie Bankguthaben und Schuldpapiere mit Sicherheit zum realen Verlustgeschäft.

Fallende Kapitalmarktzinsen beeinflussen Goldnachfrage

Die weltweit fallenden Kapitalmarktzinsen üben einen wichtigen Einfluss auf die Goldnachfrage aus: Je niedriger die Marktzinsen sind, desto geringer sind auch die Opportunitätskosten der Goldhaltung. Wenn der Marktzins null ist, entgehen dem Goldhalter keine Erträge mehr, die er andernfalls mit dem Halten von zum Beispiel Bankguthaben und kurzlaufenden Schuldpapieren erzielen könnte; und bei negativen Marktzinsen wird die Goldhaltung noch attraktiver. Das erklärt auch den negativen Zusammenhang zwischen den US-Kurzfristzinsen und dem Goldpreis in US-Dollar je Unze wie auch in anderen Währungen gerechnet.

Aufwärtsdruck auf den Goldpreis

Aufgrund der stark steigenden Geldmengen und der fallenden Zinsen sowie auch unter Berücksichtigung der nach wie vor (künstlich) niedrigen Kreditprämien in den Finanzmärkten deutet unsere Langfristschätzung für den Goldpreis auf einen „fairen“ Wert von ungefähr 2.040 US-Dollar je Unze an, wobei die Schätzfehler eine oberen Preisgrenze von 2.230 US-Dollar je Unze und eine untere Preisgrenze von 1.842 US-Dollar je Unze markiert. Aus heutiger Sicht hat der Goldpreis damit ein beträchtliches Aufwärtspotenzial von etwa 17 Prozent. Eine Eskalation der aktuellen Krise über den aktuellen Stand hinaus ist dabei nicht einmal eingerechnet.

Silberpreis wird sehr wahrscheinlich nachziehen

Die Aussicht auf einen weiter steigenden Goldpreis wird den Silberpreis sehr wahrscheinlich beflügeln: Er ist seit geraumer Zeit stark abgeschlagen gegenüber dem Goldpreis. Aber die Historie lehrt: Früher oder später folgt der Silberpreis dem Goldpreis, und auf Phasen, in denen der Silberpreis hinter dem Goldpreis zurückgeblieben ist, folgen häufig Phasen, in denen der Silberpreis überproportional stark ansteigt. Genau diese Situation deutet sich bereits an, und Anleger, die mit einem steigenden Goldpreis rechnen, haben gute Gründe zumindest einen Teil ihrer Edelmetall-Anlage auch in Silber zu halten.

Zentralbanken opfern Kaufkraft der ungedeckten Währungen

Der Bullenmarkt für Gold und Silber nimmt nun Fahrt auf. Dafür sorgen die Geldpolitiken der Zentralbanken. Sie sind bereit, die Kaufkraft der ungedeckten Währungen zu opfern, um damit einen Kollaps des Finanz-, Wirtschafts- und Politiksystems, das sie mit ihrem inflationären ungedeckten Geldes (mit-) errichtet haben, zu verhindern. Es ist überfällig, dem ungedeckten Geld das Vertrauen zu entziehen Seine Kaufkraft bleibt nicht erhalten. Wer sich von Beschwichtigungen und beschönigender Propaganda befreit, der wird erkennen, dass das Misstrauen nicht nur gegenüber dem US-Dollar, sondern vor allem auch gegenüber dem Euro mehr als gerechtfertigt ist – und dass Gold und Silber die Möglichkeit bieten, dem Kaufkraftschwund der offiziellen Währungen zu entgehen.

Fotos: Degussa Goldhandel, Shutterstock

3 Kommentare

  1. Es ist ja auch ehrlich gesagt eine Top-Anlagemöglichkeit in Gold-ETFs zu investieren. Man hat nicht das Risiko übermäßig viel Wert zu Hause rumliegen zu haben und die Anlage ist versichert durch das Lager. Trotzdem kann man die Wertsteigerung sehr gut mitnehmen und so sein Kapital schön wachsen lassen. Ist gar nichts verkehrt daran. Was mich allerdings wirklich stört, das sind die massiven Regulierungen durch den Staat. Gut, es gibt, keine Steuern, aber man kann einen Gold-ETF nicht einfach anonym kaufen. Da interessiere ich mich dann ja doch eher für physisches Gold und kann dieses manchmal sogar unter dem Spotkurs erwerben, wenn ich in der Schnäppchen-Sektion auf https://www.gold-preisvergleich.de/ danach Ausschau halte. So ist man meiner Meinung nach einfach unabhängiger.

    Kommentar von Angela Einhart — 8. Juni 2020 @ 00:47

  2. also als erstes an Hr. Schumacher, immer diese sch… Werbung für irgendwelche pseudo Portale!
    Wenn dann alle nennen, da fehlt dann dieser Bullion-invetser und nicht zu vergessen Gold.de, wo bei letztere mittlerweilen einen guten Job machen.
    Da können sogar Leute wie Sie herr Schumacher noch was lernen.

    Aber ja, erstmal Schäfchen ins trockene und wer das noch nicht hat, dann wird er Zeit.

    Kommentar von Irgendwo aus dem Niergendwo — 26. Mai 2020 @ 15:27

  3. Ist ja nicht, so als wären beide Edelmetalle nicht schon genug gestiegen hahaha. Wir wissen ja, dass die Rezession erst noch kommt und die Karten für Gold und Silber sind da als Krisenwährung nicht schlecht. Geschichtlich hat man schließlich auch gesehen, dass sobald es an der Wirtschaft bröckelt, Naturalien wie Gold und Silber plötzlich wieder höher im Kurs stehen. Ein Blick auf die aktuellen Preise auf https://www.gold-preisvergleich.de/ verrät uns schon, wie stark das Corona-Virus den Markt beeinflusst. Für mich als Anleger heißt das: erstmal abwarten und zusehen, wie meine Goldvorräte immer wertvoller werden. Sobald es dann einen kleinen Einbruch bei den Preisen gibt, kann man direkt nachkaufen um sein Gold-Depot noch besser gegen die Wirtschaftskrise zu wappnen.

    Kommentar von Ernst Schumacher — 24. Mai 2020 @ 12:50

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