13. Oktober 2020, 15:34
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Hält niedriger Ölpreis den Trend zur E-Mobilität auf?

Bremst der deutliche gesunkene Erdölpreis den Aufwärtstrend bei Elektrofahrzeugen? Nein, meint Deirdre Cooper, Portfoliomanagerin bei Ninety One, denn die Ölpreiskrise sei für den Übergang zu erneuerbarer Energie aus mehreren Gründen weitgehend irrelevant.

Deidre-Cooper Large-Kopie in Hält niedriger Ölpreis den Trend zur E-Mobilität auf?

Deirdre Cooper, Portfolio Managerin bei Ninety One

Ninety One weist darauf hin, dass der Rohölpreis nur geringen Einfluss auf die Benzin- und Dieselpreise habe. So machen beispielsweise Steuern in Europa den Löwenanteil der Treibstoffkosten aus (in der Regel mehr als 60%). Auch chinesische Autofahrer könnten von der Preissenkung wohl nur begrenzt profitieren, da es eine staatliche Untergrenze für den Benzinpreis gibt. Den größten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos, im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor, sollte der Preis für das „Schwarze Gold” noch in den USA haben.

Einfluss des Benzinpreises gering

Allerdings habe der Kraftstoffpreis – wie generell die laufenden Gesamtkosten eines Fahrzeugs – wenig Einfluss auf die Kaufentscheidung der meisten Autofahrer. Dies gelte für den Massenmarkt ebenso wie im Luxusbereich. „Niemand entscheidet sich für einen 90.000 Euro teuren Tesla, weil er 900 Euro pro Jahr Spritkosten sparen kann,“ schreibt Deirdre Cooper. „Die Leistung und vor allem die mit der Marke verbundenen Status- und Lifestyle-Attribute sind viel wichtiger.“

Anders verhält es sich nach Ansicht von Ninety One bei Transportern und Bussen. „Die Betreiber von Personennahverkehrssystemen achten eher auf die Gesamtkosten und zunehmend auf ihre Ökobilanz“, argumentiert die Ninety One-Expertin, „und auch private Logistikunternehmen wie Amazon werden wegen des gesunkenen Kraftstoffpreises ihre Pläne zur Elektrifizierung der Fahrzeugflotte nicht aufgeben.“

Regulierung ist wichtiger Treiber

Auch wenn es regionale Unterschiede gebe, sei letztlich vor allem die Regulierung ein wichtiger Treiber für den Übergang zur e-Mobilität. Deirdre Cooper begründet dies wie folgt: „Die EU-Vorgaben für den maximalen durchschnittlichen Flottenverbrauch bei Neuwagen können die Autohersteller nur durch einen höheren Absatz von Elektrofahrzeugen erfüllen und daher werden entsprechende Kaufanreize geschaffen – insbesondere  nach der kürzlich von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen verkündeten Verschärfung der durchschnittlichen CO2-Reduktion von 40 Prozent auf mindestens 55 Prozent bis zum Jahr 2030.“ Auch in China spiele die Regulierung eine wichtige Rolle: Die Behörden in chinesischen Großstädten vergeben nur eine begrenzte Anzahl an Führerscheinen und Zulassungen für Autos mit traditionellem Antrieb, um Verkehrsstaus unter Kontrolle zu bringen. „Die Wahrscheinlichkeit, für ein Auto mit Verbrennungsmotor eine Zulassung zu erhalten, wird in Zukunft verschwindend gering werden,“ meint Cooper.

Risiko für Hersteller von E-Autos

Das entscheidende Risiko für die Hersteller von Elektrofahrzeugen besteht nach Ansicht von Ninety One daher nicht im Ölpreis, sondern vielmehr darin, auf falsche Technologien zu setzen oder die unzureichende Infrastruktur von Ladestationen in den meisten Ländern zu unterschätzen. Natürlich müsse man auch die unmittelbaren Auswirkungen des Coronavirus (COVID-19) beobachten. Mittelfristig sollten sich nach Ansicht von Deirdre Cooper jedoch die Aussichten für die Wertschöpfungskette von Elektrofahrzeugen – von den Batterieherstellern bis hin zu den Autohändlern – aufhellen.

Wann der Wind sich dreht

„Und der Wind könnte sich sogar drehen”, meint Cooper. „Wenn Programme zur Bekämpfung der Corona-bedingten Konjunkturabkühlung ebenso den Schwerpunkt auf saubere und erneuerbare Technologien legen wie das Programm der EU, könnten sich die jüngsten Markteinbrüche letztlich als Segen für die Einführung von Elektrofahrzeugen erweisen.”

Foto: Ninety One

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