9. Juli 2020, 14:08
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Insolvenzen: Die Oktober-Welle abschwächen

Die Insolvenz-Zahlen für den April 2020 sagen nichts aus über die tatsächliche Zahlungsfähigkeit der Unternehmen in der Corona-Krise. Im Herbst steigt die Zahl der Insolvenzen voraussichtlich sprunghaft. Sicher kann der Staat nicht alle Firmen retten – und künstlich am Leben gehaltene Zombie-Firmen will niemand. Eine Insolvenzwelle würde aber auch den Bankensektor bedrohen. Anstelle von noch größeren Not-Krediten sollten die rückzahlbaren Liquiditätshilfen unter bestimmten Bedingungen in Zuschüsse umgewandelt werden.

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Im April 2020 wurden nur 1.465 Unternehmensinsolvenzen registriert – 13,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Doch die scheinbar erfreuliche Zahl ist nicht belastbar. Denn wer derzeit mit seinem Geschäft in finanzielle Schieflage gerät, darf die Beantragung einer Insolvenz bis Ende September aufschieben. Vor allem kleinen Firmen und Selbständigen hilft das, denn sie bekommen genug Zeit, sich um staatliche Liquiditätshilfen zu kümmern. Unweigerlich agieren so aber auch Firmen am Markt, die dann alle auf einmal im Herbst Insolvenz anmelden, wenn es ihnen bis dahin nicht besser geht. Daher wird die Zahl der Insolvenzen dieses Jahr wahrscheinlich deutlich ansteigen.

Anstieg um bis zu 30 Prozent

Erholt sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte schnell, entsprechend des sogenannten V-Szenarios, ist mit einem Anstieg der Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr zwischen sechs und 15 Prozent zu rechnen. Dauert es länger mit dem Aufschwung, also wie im U-Szenario, könnten die Insolvenzen gar um bis zu 30 Prozent steigen. Allerdings könnte ein Teil der Fälle auch erst 2021 realisiert werden.

Wenn die Politik die Insolvenzwelle im Herbst in Grenzen halten will, muss sie vor allem die Bilanzen kleinerer und mittlerer Firmen im Blick haben. Die Wirtschaft in Schwung zu bringen, wird allein nicht reichen. Denn der allgemeine Aufschwung wird nicht jede Branche und jedes Unternehmen gleichermaßen erreichen, so dass manche Firma ihre Rechnungen trotzdem nicht begleichen kann. Um diese vor der Pleite zu bewahren, muss erstens die Liquidität gesichert und zweitens eine Überschuldung durch Verzehr des Eigenkapitals verhindert werden. Möglichkeit eins ist ausgeschöpft: Noch mehr Liquiditätshilfen wären nicht zielführend, weil die Unternehmen dann überschuldet wären und möglicherweise nicht marktfähige Zombie-Firmen am Leben gehalten würden.

Zuschüsse unter Bedingungen

Bleibt Möglichkeit zwei: Bislang konnten nur Kleinstbetriebe mit bis zu zehn Beschäftigten direkte Zuschüsse vom Bund erhalten. Im Rahmen des Konjunkturpakets gibt es nun aber auch für größere Mittelständler Zuschüsse von bis zu 150.000 Euro, die bei Bedarf in den Monaten Juli, August und September ausgezahlt werden. Das ist wichtig, um eine Überschuldung zu verhindern.

Unter bestimmten Voraussetzungen sollten zudem die Liquiditätshilfen in echte Zuschüsse umgewandelt werden können. Dies würde das Eigenkapital stärken und damit Insolvenzen verhindern und zugleich dem Staat ein wirksames wirtschaftspolitisches Instrument an die Hand geben, mit dem die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Denn nach der Beschäftigungssicherung durch Kurzarbeit geht es jetzt um neue Jobs. Zudem würden zusätzliche Hilfen indirekt den Bankensektor stabilisieren, der durch zu viele Insolvenzen in die Krise rutschen könnte. Wichtig sind klare Kriterien: Denkbar wäre für die Umwandlung von Liquiditätshilfen in Zuschüsse beispielsweise die Bedingung, dass eine Firma Berufseinsteiger oder Auszubildende, die es gerade am Arbeitsmarkt besonders schwer haben, einstellt oder in Digitalisierung und Umweltschutz investiert.

Ein Beitrag von Dr. Klaus-Heiner Röhl, Senior Economist für Unternehmen beim IW.

Foto: picture-alliance

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