15. Juli 2020, 07:53
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Jahrzehntelange Inflationstrends kehren sich um

Eine Analyse zu Veränderungen bei der Inflationsentwicklung von David Hooker, Senior Portfolio Manager bei Insight Investment in Zusammenarbeit mit der Global Macro Research Group von Insight unter der Leitung von Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research.

Inflation in Jahrzehntelange Inflationstrends kehren sich um

Covid-19 und die damit ausgelöste Wirtschaftskrise haben Investoren einen weiteren Grund für die Annahme gegeben, dass es auch zukünftig keine Inflation geben wird. Die rasant ansteigenden Überkapazitäten und der Anstieg der Arbeitslosigkeit haben zu Befürchtungen geführt, die Inflation könnte zu niedrig sein. Dies scheint tief in der Marktpsychologie verankert zu sein. Zugleich implizieren die Preisinformationen relevanter Staatsanleihen, dass das aktuelle Inflationsumfeld langfristig Bestand haben wird. Tatsächlich ist jedoch zu beobachten, dass sich einige Trends umkehren, die in den vergangenen Jahrzehnten zu einer rückläufigen Inflation beigetragen haben.

Insight Investment, einer der größten Asset- und Risiko-Manager mit einem weltweit verwalteten Vermögen von 770 Milliarden Euro (Stand 31. März 2020), sieht  daher fünf zentrale Schlüsseltrends für eine steigende Inflation in der Zukunft.

1) Die Ära der Deglobalisierung dürfte bereits begonnen haben

Angesichts des rapiden Zusammenbruchs von globalen Lieferketten dürften die Unternehmen ihre eigenen Produktionsmodelle in Frage stellen. Es hat sich gezeigt, dass globalisierte Just-in-time-Lieferketten, welche zu einer Kostenreduktion und erhöhten Effizienz beigetragen haben, sehr anfällig gegenüber Schocks sein können. Das Coronavirus könnte sich als der letzte Sargnagel des Globalisierungsbooms erweisen. Die Welt ist auf China angewiesen, um wichtige Güter zu niedrigen Preisen zu produzieren. Wenn diese Beziehung endet, könnte Inflation eine Folge sein. Im Szenario einer Verkürzung von Lieferketten wirken höhere Arbeitskosten in der inländischen Produktion in Verbindung mit der Notwendigkeit, höhere Lagerbestände zu halten, inflationär.

2) Ein technologischer Kalter Krieg bahnt sich an und könnte sich auf andere Schlüsselsektoren ausweiten

Die wachsende Rivalität zwischen den USA und China könnte Länder und Unternehmen auf der ganzen Welt zwingen, sich für eine Seite zu entscheiden. Es ist wahrscheinlich, dass die Regierungen in Zukunft die Entstehung neuer ‘nationaler Champions’ in wichtigen Bereichen fördern werden, wodurch die Kosten nicht mehr das wichtigste Auswahlkriterium bei der Vergabe von Aufträgen sein werden. Die Debatte über die 5G-Mobilfunkinfrastruktur könnte nur ein Vorläufer dessen sein, was uns in Zukunft erwartet. Die Erkenntnis, dass Grund- und medizinische Versorgung in einer Krise möglicherweise nicht mehr sichergestellt werden können, wird diese Debatte nun über die reine Technologie hinaus ausweiten und die Dominanz einiger Länder bei Schlüsselprodukten in Frage stellen.

3) Soziale Distanzierung beeinträchtigt die Profitabilität

Der Übergang zu Home Office und Online-Shopping wird mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter in das normale Leben eingebettet bleiben. Faktoren wie die Begrenzung der Anzahl der Kunden, die sich zur gleichen Zeit in einem Geschäft aufhalten und größere Abstände zwischen den Tischen in Restaurants könnten die Rentabilität der Unternehmen beeinflussen und die Preise in die Höhe treiben. In einigen Branchen wie der Tourismusbranche könnten die Auswirkungen noch gravierender sein. Gesundheitschecks vor dem Flug, Gesundheitspässe und ein verstärkter Einsatz von Technologie zur Reduzierung menschlicher Kontakte werden ihren Preis haben. Die Weitergabe dieser Kosten durch höhere Ticketpreise wird  für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit sein, profitabel zu wirtschaften.

4) Arbeitsmigration zu niedrigen Kosten wird zunehmend schwieriger

In Wirtschaftszweigen wie der Landwirtschaft und dem Gastgewerbe dürfte es schwieriger werden, Gastarbeiter dazu zu bewegen, ihre Heimatländer kurzzeitig zu verlassen, wenn die Gefahr besteht, dass sie durch Lockdowns festgehalten werden könnten. Zudem ist es denkbar, dass Regierungen sich dafür entscheiden, die Menschen von solchen Reisen abzuhalten. Für Länder wie das Vereinigte Königreich, Spanien und Italien, die alle stark auf Saisonarbeitskräfte für ihre landwirtschaftlichen Sektoren angewiesen sind, könnte die Rekrutierung von einheimischen Arbeitskräften teuer werden.

5) Margenerholung könnte über Preiserhöhungen stattfinden

Es liegt auf der Hand, dass alle oben genannten Punkte Druck auf die Gewinnmargen ausüben dürften. Die Akzeptanz für Preisaufschläge für mehr Platz oder lokal produzierte Waren könnte durchaus auch in einer Welt nach dem Lockdown Bestand haben. Dies wird sich voraussichtlich mit jeder weiteren Virus-Welle tiefer im Verbraucherverhalten verankern.

 

Die komplette Analyse finden Sie hier: ‘Covid 19 is likely to end the inflation lockdown’

Weitere Informationen über Insight Investment finden Sie unter: www.insightinvestment.com

 

 

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