18. Mai 2020, 09:20
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Janus Henderson: Dramatischer Dividendenrückgang weltweit in Folge Corona möglich

Drastischer Einschnitt:  2020 könnten globale Dividenden um mindestens 15% absinken. Das ist eines der Ergebnisse der seit 2014 vierteljährlich herausgegebenen Dividendenstudie „Janus Henderson Global Dividend Index“.Shutterstock 1192137109 in Janus Henderson: Dramatischer Dividendenrückgang weltweit in Folge Corona möglich

 

  • Im ersten Quartal blieben die Dividenden von der Pandemie fast unberührt und kletterten um 3,6% auf einen Q1-Rekord von 275,4 Mrd. US-Dollar
  • Bereinigtes Wachstum von 4,3% entspricht der Janus Henderson-Prognose
  • Dividenden in Nordamerika werden voraussichtlich weniger stark in Mitleidenschaft gezogen als in Europa und Großbritannien
  • In Asien in diesem Jahr wahrscheinlich nur moderate, im nächsten Jahr stärkere Auswirkungen zu spüren
    Banken, Nicht-Basiskonsumgüter und zyklische Industriewerte am stärksten betroffen
  • Dividenden im Technologie-, Gesundheits-, Lebensmittel- und in den meisten Basiskonsumgütersektoren dürften sicherer sein
  • Best-Case-Szenario geht von Rückgang der globalen Dividenden in diesem Jahr um 15% auf 1,21 Bio. US-Dollar aus, was einem Minus von 213 Mrd. US-Dollar entspricht
  • Worst-Case-Szenario impliziert Rückgang um 35% auf 933 Mrd. US-Dollar in diesem Jahr

Dem aktuellen Global Dividend Index von Janus Henderson zufolge blieben die Dividenden im ersten Quartal von der Covid-19-Pandemie nahezu vollständig verschont. Für den Rest des Jahres ist jedoch mit erheblichen Auswirkungen zu rechnen. Q1 markierte somit einen vorläufigen Höchststand für den Index. Die Dividendenausschüttungen kletterten weltweit um 3,6% auf einen Q1-Rekordwert von 275,4 Mrd. US-Dollar, was einem zugrunde liegenden Wachstum von 4,3% entspricht. Die USA und Kanada verzeichneten jeweils Allzeit-Quartalsrekorde, während Japan, Hongkong und Russland den Q1-Rekord brachen. Auch weltweit markierte das Barometer einen Rekord bei 196,3.

Um die Auswirkungen der Pandemie auf die Dividenden für das Jahr 2020 zu bewerten, hat Janus Henderson Unternehmen herausgefiltert, die gemessen am Wert drei Viertel der weltweiten Dividenden zahlen. Das Team strukturierte dabei nach Titeln, die a) ihre Dividenden bereits gestrichen oder ausgesetzt haben, b) deren Dividenden nach ihrer Ansicht gefährdet sind und c) jenen, die sich vermutlich solide behaupten werden. Die Auswirkungen sind je nach Region und Sektor stark unterschiedlich und hängen in den unterschiedlichen Teilen der Welt maßgeblich von folgenden Faktoren ab:

  • Ausmaß der Epidemie: Wie hoch ist die Verbreitung?
  • Schwere des Lockdowns: Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden?
  • Politische Reaktion: Welche Unterstützung erhalten Unternehmen und die Wirtschaft von Regierungen und Währungshütern?
  • Regulierung: Wie streng sind die Anforderungen der Regulierer beispielsweise für Banken?
  • Sektor-Mix: In welchem Maß sind stärker und weniger stark betroffene Branchen im jeweiligen Markt vertreten?
  • Saisonalität von Dividenden: Wie saisonal sind Dividenden und wird die Auswirkung früher oder später spürbar werden?
  • Dividendenpolitik: Wie hoch sind die Dividenden im Vergleich zum Gewinn und bevorzugen Unternehmen eine Zielausschüttungsquote oder eine progressive Dividendenpolitik?

Europa und Großbritannien wird es voraussichtlich am härtesten treffen. Dort haben die Regulierer die Banken gezwungen, ihre Dividenden auszusetzen. Zudem haben große Ölgesellschaften sowie eine Reihe weiterer führender Unternehmen ihre Dividenden bereits gesenkt. Zu den nach Erwartung von Janus Henderson am stärksten betroffenen europäischen Ländern zählt Frankreich. Das Land ist der größte Dividendenzahler in Europa und mit einem besonders langen Lockdown konfrontiert, zudem beheimatet es zahlreiche Unternehmen aus wirtschaftlich sensiblen Sektoren und hat ein relativ hohes Maß an politischem Dirigismus. Deutschland hat die Epidemie gut bewältigt und verfügt über einen günstigeren Branchenmix. Darüber hinaus haben seine schwachen Banken die Auszahlungen bereits drastisch gekürzt, so dass das Verbot der EZB nur geringe Auswirkungen haben wird. Außerdem hat die Allianz als größter deutscher Dividendenzahler versichert, ihre Dividende beizubehalten. In Spanien hingegen werden die Dividenden aufgrund der Dominanz des Banken- und Versicherungssektors und dem hohen Anteil, den das Einzelhandelsunternehmen Inditex an der Gesamtausschüttung hat, stark zurückgehen.

Nordamerika und Asien werden voraussichtlich am besten davonkommen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Nordamerika profitiert von einem günstigen Mix an Sektoren (z.B. von einem starken Technologiesektor). Außerdem werden die Unternehmen dort voraussichtlich vor allem durch eine Aussetzung ihrer Aktienrückkaufprogramme anstelle von Dividendenkürzungen ihre Barmittel schonen.

In China und den übrigen Ländern Asiens stehen die Dividenden 2020 anhand der Ergebnisse des Jahres 2019 bereits fest, sodass die Auswirkung voraussichtlich 2021 stärker zu spüren sein wird.

Auf Sektorebene sind Banken, Nicht-Basiskonsumgüter und bestimmte Industriebranchen wie Luft- und Raumfahrt am stärksten gefährdet. In weiten Teilen des Öl- und Bergbausektors, im weiter gefassten Finanzsektor und im Bausektor stehen die Dividenden ebenfalls in Frage, während sie bei Technologieunternehmen und in defensiven Branchen wie Gesundheit, Lebensmittel und den meisten Basiskonsumgüterwerten vergleichsweise sicher sind (mit Ausnahme der Getränkehersteller, die stark von der Gastronomie abhängen).

Eine Dividendenprognose ist angesichts der großen Unsicherheit kaum sinnvoll. Daher nimmt Janus Henderson seine Schätzung für das Jahr 2020 zurück. Stattdessen führt das Team eine Spanne auf Basis eines Best- und Worst-Case-Szenarios ein, die eine Orientierungshilfe für das aktuelle Jahr bieten soll. Der Best Case enthält nur bereits angekündigte oder sehr wahrscheinliche Dividendenkürzungen. Demzufolge werden die weltweiten Dividenden dieses Jahr um 15% auf 1,21 Bio. USD sinken, was einem Rückgang um 213 Mrd. USD entspricht. Der Worst Case beinhaltet daneben auch alle Dividenden, die fraglich erscheinen. Diese Betrachtung berücksichtigt auch den Verschuldungsgrad der Unternehmen – einige Unternehmen sind zu stark verschuldet, um einen derart plötzlichen und unerwartet deutlichen wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften. Demnach könnten die weltweiten Dividenden dieses Jahr um 35% auf 933 Mrd. US-Dollar fallen. Die Breite der Prognosespanne veranschaulicht die sich rasant entwickelnde Krise und die Wahrscheinlichkeit, dass manche Unternehmen ihre Dividenden kürzen beziehungsweise mit Blick auf die Schonung ihrer Barreserven und zum Schutz ihrer Bilanz diese sogar ganz streichen werden.

Die Auswirkungen der Krise auf Dividendenzahlungen werden bis ins Jahr 2021 zu spüren sein. Dann werden die Dividenden wahrscheinlich niedriger ausfallen, als vor der Pandemie erwartet. Gleichwohl wird es 2021 in einigen Sektoren erneut Dividendenzahlungen geben, sofern beim Anstieg der Fallzahlen ein Höhepunkt erreicht wurde, die Lockdowns enden und die Weltwirtschaft wieder anläuft und sich erholt.

„Wir stehen voraussichtlich vor einer schweren Rezession. Gleichzeitig hoffen wir angesichts der beispiellosen Unterstützungsmaßnahmen von Regierungen und Zentralbanken auf eine rasche Erholung. Aufgrund des plötzlichen, historisch einmaligen wirtschaftlichen Stillstands in vielen Ländern ist die Aussetzung von Dividenden unvermeidlich. Die im Jahr 2020 für das erste Quartal zur Zahlung vorgesehenen Dividenden wurden bereits ausgeschüttet, sodass das volle Ausmaß des Einbruchs wahrscheinlich erst in den nächsten etwa zwölf Monaten sichtbar wird.

Die Änderungen der Dividendenpolitik reflektieren in vielen Fällen, dass es aktuell unmöglich ist vorherzusagen, wann mit einer „Normalisierung“ zu rechnen ist. Ein neuer Faktor ist nun der Zusammenhang zwischen staatlicher Unterstützung und dem Verhalten der Unternehmen. In einigen Fällen stellen Dividendenänderungen und eine gleichzeitige Mäßigung der Gehälter von Führungskräften das Eingeständnis oder die Forderung dar, dass die Aktionäre Teil der gesellschaftlichen Reaktion auf COVID-19 sein sollten.

2019 wurden mehr als zwei Fünftel der Dividenden weltweit von defensiven Sektoren gezahlt, die von der Rezession relativ verschont blieben. Weitere zwei Fünftel wurden von stärker zyklisch abhängigen Unternehmen gezahlt, die vor tatsächlichen oder potenziellen Dividendenkürzungen stehen, während die Auswirkungen im verbleibenden Fünftel gemischt sind. Der Sektor und das Unternehmensumfeld spielen aktuell eine wesentliche Rolle dafür, ob ein Unternehmen Dividenden zahlen kann. Daran lässt sich ersehen, wie wertvoll eine breite geografische Streuung bei Dividendenstrategien ist. Anleger erzielen eine weitaus bessere Sektor-Diversifizierung, wenn sie global denken, statt sich auf ein Land oder eine Region zu konzentrieren”, kommentiert Daniela Brogt, Head of Sales Germany and Austria bei Janus Henderson, die Ergebnisse.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Telefonica und Allianz starten Glasfaserprojekt in Deutschland

Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat sich beim Glasfasernetz-Ausbau die Allianz als Partner an Bord geholt. Beide Konzerne sollen jeweils zur Hälfte am Gemeinschaftsprojekt beteiligt sein, teilten sie am Donnerstag in Madrid und München mit.

mehr ...

Immobilien

Seehofer will erschwerte Umwandlung von Mietwohnungen

Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) plant nun doch höhere Hürden für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Das sieht ein neuer Entwurf für das Baulandmobilisierungsgesetz vor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Er soll voraussichtlich am kommenden Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden.

mehr ...

Investmentfonds

Ex-Wirecard-Manager wohl V-Mann von Geheimdienst in Österreich

Der frühere Wirecard-Manager Jan Marsalek war möglicherweise V-Mann des österreichischen Nachrichtendienstes. Einen V-Mann in einem Dax-Unternehmen zu platzieren, wäre ein Affront und könnte die deutsch-österreichischen Beziehungen belasten.

mehr ...

Berater

DKM 2020: digital.persönlich.erfolgreich

Der Umzug der DKM 2020 von der Messe Dortmund in die digitale Welt war ein voller Erfolg. Mit über 19.700* Messeteilnehmern verteilt auf 4 Messetage, 157 Ausstellern und mehr als 200 Programmpunkten bei Kongressen, Workshops, Roundtables und Speaker’s Corner hat die 24. Auflage der Leitmesse auch in der digitalen Version die Finanz- und Versicherungsbranche überzeugt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Finance mit 650-Millionen-Dollar-Closing in San Francisco

Der Asset Manager Deutsche Finance und SHVO Capital haben gemeinsam für ein institutionelles Joint Venture um die Bayerische Versorgungskammer den Gebäudekomplex „Transamerica Pyramid“ in San Francisco erworben.

mehr ...

Recht

Kauf bricht nicht Miete: Tipps für den Verkauf einer vermieteten Wohnung

Erst Vermieten, dann Verkaufen: Eine vermietete Wohnung zu verkaufen stellt Eigentümer vor besondere Herausforderungen. Denn das bestehende Mietverhältnis wirkt sich nicht nur auf den Verkaufspreis aus, auch die Käuferzielgruppe ist eine andere als bei einem unvermieteten Objekt. Welche Besonderheiten Eigentümer beim Verkauf einer vermieteten Wohnung beachten müssen, fassen die Experten des Full-Service Immobiliendienstleisters McMakler zusammen.

mehr ...