13. Mai 2020, 15:01
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KI und Robotik: Mit diesen Fonds setzen Sie auf die Zukunft

Roboter und künstliche Intelligenz könnten den nächsten Quantensprung in der technologischen Entwicklung einläuten und werden zunehmend Teil unseres Alltags. Dies eröffnet interessante Anlagechancen. Welche Fonds das meiste Potenzial haben.

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Roboter Pepper als Guide bei Veranstaltungen.

“Halten Sie zu Ihren Mitmenschen einen Sicherheitsabstand ein!” An diese eiserne Regel seit der Verbreitung des Coronavirus erinnert in einem Supermarkt in Schleswig-Holstein nicht die smarte Kassiererin, sondern ein kleiner weißer Roboter Pepper vom japanischen Softbank-Konzern. Kulleraugen, ein runder, kindlich anmutender Kopf, kurze Arme: Pepper macht durchaus einen menschenähnlichen Eindruck. Kunden finden den kleinen Techno-Mitarbeiter „sympathisch bis süß.”

Roboter wie Pepper werden zu Zeiten der Coronavirus-Pandemie verstärkt dort eingesetzt, wo sie Menschen Arbeiten abnehmen können, bei denen sie sich anstecken könnten – vor allem in Krankenhäusern, Laboren und Lagern. “Ich rechne mit einem starken Schub für Dienstleistungsroboter”, blickt Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky in die Zukunft. Pepper & Co. dürften zunehmend in unseren Alltag rücken.

Ihr Siegeszug spiegelt sich längst in allen Branchen wider. So sollen bis 2022 nach Schätzungen der International Federation of Robotics weltweit rund zwei Millionen Industrieroboter ihren Dienst versehen. Die IFR-Experten sehen derzeit drei große Trends: Industrieroboter werden intelligenter, arbeiten mit dem Menschen zusammen und sind zentrale Komponenten der digitalen und vernetzten Produktion.

Künstliche Intelligenz (KI) ist der Oberbegriff für Maschinen, die intelligent denken, lernen und handeln. Diese Entwicklung schreitet rasant voran, für viele Beobachter ist sie längst ein Megatrend. Schätzungen über die Auswirkungen von KI auf die globale Wirtschaft reichen von einem 15-prozentigen Wachstum bis 2030 bis hin zu einer Verdopplung der Wirtschaftsleistung in zwölf Industrienationen zwischen 2018 und 2035. „Künstliche Intelligenz wird als der Gewinner der Coronakrise hervorgehen, da die Digitalisierung nach den jüngsten Erfahrungen massiv vorangetrieben wird“, prognostiziert Markus Horntrich, Co-Autor der seit mehr als 60 Jahren im Bernecker Verlag erscheinenden Actien-Börse. „Vor diesem Hintergrund erhält die KI aus allen denkbaren Bereichen den entscheidenden Rohstoff: Digitale Daten sind das neue Öl. Wer darauf zugreifen und diese Daten für Dienste und Anwendungen nutzen kann, ist letztendlich so etwas wie die OPEC der künstlichen Intelligenz.

Den nachhaltigsten Einfluss wird die KI und damit auch die Robotik auf das Gesundheitsweisen haben, glaubt Horntrich. Das reiche bis ins private WC, wo die tägliche Urinanalyse wie viele andere Informationen wie Herzrhythmus oder Blutzuckerwerte in die digitale Patienten- oder Gesundheitsakte einfließt.

Algorithmen als Verhinderer von Pandemien?

Algorithmen könnten möglicherweise sogar die nächste Pandemie verhindern. Mit Hochdruck wird maschinelles Lernen für die Prognose von Infektionsraten beigezogen, Vorhersagemodelle bilden öffentlich verfügbare Daten ab. Statistische Zusammenhänge und nützliche Simulationen retten Leben, indem Engpässe vorausgesehen werden und die Beschaffung von Material und Personal geplant werden kann.

Soziale Roboter wiederum unterstützen Pflegebedürftige bei der Nahrungsaufnahme oder Körperhygiene, stellen Medikamente bereit, unterstützen Gebrechliche beim Gehen und tragen ganze Personen. Ein Beispiel ist James, der freundliche Kommunikationsautomat, der die Menschen in den unter Quarantäne stehenden Räumen besucht und Familienmitglieder per Videokonferenz zusammenschaltet.

Der zweite große Bereich ist die Industrie, aufgrund ihrer Größe und Bedeutung vor allem in der Autoindustrie. „Allein dort werden durch Roboterisierung geschätzt fünf Billionen Dollar an Kosten wegfallen“, schätzt Bernecker-Börsenbriefautor Horntrich.

Kurzfristig ist die Nachfragesituation infolge der Coronakrise zwar in fast allen Branchen sehr unsicher und lässt auch den Technologiesektor nicht unverschont. Doch genau dies könnte laut Jonathan Curtis, Manager des Franklin Templeton Technology Fund, die Branche beflügeln. „Wir gehen davon aus, dass der digitale Wandel bei der Überwindung der Krise eine führende Rolle spielen und möglicherweise beschleunigt wird, da Verbraucher und Unternehmen neue Wege für das Einkaufen, die Unterhaltung, die Arbeit und die Gesundheitsversorgung kennengelernt haben.“ Hinzu komme, dass innovative Unternehmen in der Krise boomen, während ältere Firmen zu kämpfen haben.

Phantasie der Anleger beflügelt

Das überdurchschnittliche Wachstumspotenzial beflügelt auch die Phantasie der Anleger. Doch ist es kein einfaches Unterfangen, genau diejenigen Unternehmen mit den höchsten Zuwachsraten zu identifizieren, zumal sich dieser Markt sehr dynamisch entwickelt. Hinzu kommt, dass die Hightech-Kreationen immer komplexer werden und ihre Beurteilung viel Spezialwissen und Erfahrung erfordert. Mit von Spezialisten verwalteten Fonds lässt sich die ganze Bandbreite der technischen Entwicklungen daher am besten abdecken.

Aberdeen Standard etwa bildet mit seinem Technology Equity Fund seit Februar den Sektor ab. Die jährliche Rendite lag in den vergangenen fünf Jahren bei 8,1 Prozent. Die größten Positionen sind Microsoft, Visa und der chinesische Internetkonzern Tencent Holdings.

„Selbstlernende Systeme und intelligente Software revolutionieren nicht nur langfristig das Wirtschaftsleben. Dieses Thema spielt auch an der Börse eine immer wichtigere Rolle”, meint Mikko Ripatti, Senior Client Portfolio Manager bei DNB Asset Management, einer der führenden Vermögensverwalter der nordischen Region. Er erwartet, dass die Zahl der intelligenten Algorithmen rasch zunehmen wird: „Die exponentiell steigende Datenmenge muss verarbeitet und in die richtige Richtung gelenkt werden.“

Im Portfolio des DNB Technology Fund finden sich neben Technologie- auch Medien- und Telekommunikationstitel. In geografischer Hinsicht hat das Fondsmanagement volle Flexibilität, Ende April stammten jeweils rund 42 Prozent der Titel aus den USA und Europa. Der DNB Fund Technology zählt seit vielen Jahren zu den besten Vertretern seiner Zunft und erwirtschaftete auf Sicht von zehn Jahren einen Wertzuwachs von 15,8 Prozent pro Jahr. Auf Fünfjahressicht liegt die annualisierte Rendite bei 12,4 Prozent.

Ähnlich sieht es beim im September 1999 aufgelegten Fidelity Global Technology Fund aus, der über zehn Jahre 15,5 Prozent p.a. erzielte. In den vergangenen fünf Jahren lag die jährliche Performance mit 14,7 Prozent sogar über dem Konkurrenzprodukt aus Norwegen. Portfoliomanager Hyunho Sohn ortet Chancen bei Halbleiterherstellern, die Chips als integrale Bestandteil der KI- und Roboterentwicklung herstellen sowie bei Unternehmen, die künstliche Intelligenz bei der Entscheidungsfindung von Firmen einbeziehen und in neue Dienstleistungen für Verbraucher integrieren.

Seine Favoriten fallen vornehmlich in eine von drei Kategorien: Wachstum, zyklischer Charakter und “Special Situations”. Wachstumsunternehmen sind innovationsgetrieben oder im Besitz revolutionärer Technologien, sodass ihnen ein Wachstumsschub bevorstehen könnte, vermutet Sohn.

Nach seinem Dafürhalten bleiben Robotik und KI auch langfristig wichtige Themen innerhalb des Technologieuniversums, für die er in Zukunft steigende Investitionen erwartet: „Ich erwarte nicht, dass das Virus langfristig negative Auswirkungen auf den Sektor haben wird.“

“Anleger sollten Technologiewerte als Kernanlage in Betracht ziehen”

Der Franklin Technology Fund A liegt mit einem jährlichen Plus von 15,8 Prozent über zehn Jahre gleichauf mit dem DNB Fund Technology. Auf Fünfjahressicht beläuft sich die Performance auf 13,7 Prozent per annum. Die drei größten Titel sind Microsoft, der chinesische Suchmaschinen-Gigant Alibaba und Apple. „Anleger sollten beginnen, Technologiewerte als Kernanlage in Betracht zu ziehen“, lautet das Credo von Fondsmanager Jonathan Curtis.

Seit November 2019 widmet Franklin Templeton dem Thema Innovation einen eigens dafür aufgelegten Anlagepool. “Wir wollen uns an Unternehmen beteiligen, die ganze Generationen prägen, und sie langfristig halten”, erläutert Matt Moberg, Fondsmanager des – Nomen est Omen – Innovation Fund. Die Kapitalanlagegesellschaft bietet dieses Konzept in den USA bereits seit 1968 an. Neben E-Commerce und Genetik zählen intelligente Maschinen für Moberg und sein im Silicon Valley ansässiges Team zu den wichtigsten Themen. “Heute nutzen Industrieroboter Software und Daten, um den Bedarf vorherzusagen und die Effizienz der Lieferkette zu verbessern”, weiß der Fondsmanager. Darüber hinaus setzt er auf Innovationen in der Finanzbranche sowie auf die Infrastruktur hinter digitalen Daten. Das Portfolio umfasst rund 140 Titel, zu den Top 10 zählen alte Bekannte wie Amazon, Microsoft und Alphabet. Mit 85 Prozent ist der Fonds sehr US-lastig.

Ebenfalls zu den jüngeren Investmentfonds in diesem Genre zählt der im September 2018 aufgelegte BGF Next Generation Technology Fund von Black Rock, der im vergangenen Jahr einen Wertzuwachs von 50,6 Prozent erzielte. Unter der “nächsten Generation“ von Technologien versteht er in erster Linie künstliche Intelligenz, Computerisierung, Automatisierung, Robotik sowie Zahlungssysteme. Portfoliomanager Tony Kim zufolge bietet der Technologiesektor eine Gelegenheit, in eine der innovativsten, säkularen Wachstumsgeschichten zu investieren. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Gewinner von morgen die Gewinner von heute sind“, unterstreicht der Experte.

Grund genug für ihn, vor allem in kleine und mittelgroße Unternehmen jenseits der FAANGS zu investieren, die ein zielorientierteres Engagement in die aufstrebenden Technologien bieten als die Dickschiffe des Sektors. Mit dem Anbieter von Cloud-basierten Kommunikations- und Kollaborationslösungen Ringcentral, dem Softwareentwickler Atlassian und dem Hersteller von optischen Subsystemen, Inphi, finden sich denn auch eher unbekannte Unternehmen unter den Top 10. Gut die Hälfte der 114 Titel entfallen auf die USA.

Autor Christian Euler ist Buchautor und Wirtschaftsjournalist.

Foto: picture-alliance

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