12. Oktober 2020, 10:46
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Kooperation vs. Konkurrenz: Was wünschen Sie sich von Ihrem Investmentfonds?

Der erfahrene Investor Charlie Munger meinte einmal: “Zeigen Sie mir den Anreiz, und ich zeige Ihnen das Ergebnis”. Einfach ausgedrückt: Welche Kennzahlen ein Arbeitgeber verwendet, um die Leistungszulage zu bestimmen, wird wahrscheinlich einen tiefgreifenden Einfluss darauf haben, wie sich die Mitarbeiter verhalten. Das wiederum wirkt sich auf die Leistung von Unternehmen aus. Ein Beitrag von Professor Richard B. Evans, Associate Professor of Business Administration an der Darden School of Business, University of Virginia.

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Eine von uns durchgeführte Studie über die Leistung von Investmentfondsmanagern zeigt, wie Mungers Gedanke in der realen Finanzwelt zum Leben erwacht. Dementsprechend unterscheiden sich deutlich die Ergebnisse, je nachdem ob die Mitarbeiter dafür bezahlt werden, gegeneinander anzutreten oder für ihre Zusammenarbeit entschädigt werden. 

Was ist also die beste Methode?

Die beste Antwort wird von den Zielen des Unternehmens abhängen. Unsere Forschung zeigt, dass Investmentfondsgesellschaften, die den Wettbewerb zwischen den Mitarbeitern fördern, tendenziell einen höheren Anteil an Starfonds haben. Die wettbewerbsorientierten Firmen hatten nicht nur mehr Star-Fonds, sondern auch eine höhere durchschnittliche Fonds-Performance. Die Gesamtperformance der Fonds in einer Fondsfamilie wäre höher, wenn die Fondsmanager in einem Wettbewerb um die beste Leistung gegeneinander antreten würden.

Die Förderung des Wettbewerbs zwischen den Beschäftigten hatte jedoch eine Kehrseite. Es gab eine höhere Schwankungsbreite bei den Fondserträgen: Der Unterschied bei den Anlagerenditen zwischen den besten und den schlechtesten Performern war größer, als wenn die Unternehmen die Zusammenarbeit zwischen den Beschäftigten förderten.

Unsere Untersuchung zeigte auch, dass Firmen, die die Zusammenarbeit förderten, mehr Cross-Trading und Cross-Holdings von Wertpapieren hatten und dass sie tendenziell stabilere Cashflows hatten.

Eine Flut von Daten 

Um diese Erkenntnisse zu gewinnen, untersuchten wir die Renditen für fünf verschiedene Arten von Investmentfonds im Zeitraum 1992 bis 2015. Konkret handelt es sich um Fonds, die US-Aktien, Nicht-US-Aktien, US-Anleihen, Nicht-US-Anleihen und ausgewogene Portfolios mit mehreren gehaltenen Anlageklassen verwalteten. Wir haben uns dann eingehend damit befasst, wie die Portfoliomanager bezahlt wurden. Statistiken über Ausgaben, Fondserträge und Portfolioumschlag wurden ebenso analysiert wie der Grad der Überkreuzbeteiligungen zwischen Investmentfonds in derselben Fondsfamilie.

Wir haben auch einen Wettbewerbsindex erstellt, der misst, wie die Anreize ein höheres oder niedrigeres Wettbewerbsniveau gefördert haben. Wir stellten fest, dass höhere Wettbewerbsindizes mit einer höheren Leistung der Fonds korrelierten und umgekehrt.

Warum also kooperieren?

Angesichts des Rufs der Finanzindustrie, in der ein harter Wettbewerb herrscht, warum sollte sich ein führendes Finanzunternehmen für einen kooperativen statt einen wettbewerbsorientierten Ansatz entscheiden? 

Wenn das Ziel darin besteht, den Gesamtwert eines Anlageberaters zu maximieren, kann ein koordiniertes Vorgehen unter den Fondsmanagern ein wichtiges Instrument sein, um dieses Ziel zu erreichen. Unsere Studie ergab, dass Kooperationsanreize mit einer geringeren Volatilität bei den Beratungsgebühren verbunden waren. Diese Gebühren bilden die Einnahmen des Unternehmens. Und Investoren neigen dazu, einen stabilen Cashflow positiv zu bewerten.

Welches Vergütungssystem ist also besser? Diese Frage gilt für jede Organisation. Wollen Sie, dass alle miteinander konkurrieren oder dass sie kooperieren? Im Falle von Fondsgesellschaften kommt es darauf an, wer die Kunden sind und wie groß die Organisation ist. 

Die Rolle der Investoren 

Für institutionelle Kunden ist ein wettbewerbsorientierter Ansatz sinnvoll, da anspruchsvolle institutionelle Anleger daran interessiert sind, Zugang zu den Fähigkeiten und dem Know-how eines einzelnen Fondsmanagers zu erhalten. Zum Beispiel könnte ein Pensionsfonds in einen bestimmten Fonds investieren wollen, weil sein Manager in der Vergangenheit eine überdurchschnittliche Leistung erbracht hat. Institutionelle Anleger verfügen über das Fachwissen, um zu erkennen, welche Manager besser sind als andere.

Vergleichen Sie das mit einer Finanzberatungsfirma, deren Kunden Einzelpersonen sind. Genossenschaftliche [Fonds-]Familien verwalten eher das Vermögen von Kleinanlegern. Die Nachfrage von Einzelanlegern nach Investmentfonds hängt weniger stark von der Performance der Investition ab. Stattdessen können andere Merkmale, wie z.B. die Beziehung zu einem Finanzberater, mehr Einfluss haben.

Die Größe spielt auch eine Rolle, wenn es darum geht, welches Entschädigungssystem verwendet werden soll. In kleineren Unternehmen lässt sich durch Kooperation weniger gewinnen. Die einzelnen Fondsmanager können jeweils Anlagespezialitäten haben, die sich nicht überschneiden. Und deshalb ist der Spielraum für Gewinne, die sich aus der Zusammenarbeit ergeben, geringer. Bei größeren Organisationen kann eine Zusammenarbeit jedoch durchaus von Vorteil sein. Denn selbst ein scheinbar kleiner Leistungsvorteil mit einem Manager kann einen Gewinn bedeuten, der sich mehrmals vervielfachen kann, wenn ein Unternehmen über eine große Bandbreite an Fondsangeboten verfügt.

Foto: Shutterstock

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