15. Mai 2020, 12:53
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Kurzfristige Erholung bei Platin und Palladium

Nachdem Gold in diesem Jahr immer neue Rekordstände vermelden konnte, litten andere Edelmetalle unter dem Einbruch der Industrieproduktion infolge der Corona-Pandemie. Allen voran Platin und Palladium, die besonders bei der Autoproduktion zum Einsatz kommen. Wie es hier weitergeht, verrät Aneeka Gupta, Director – Research bei WisdomTree, in ihrer Analyse.

 in Kurzfristige Erholung bei Platin und Palladium

Aneeka Gupta, WisdomTree: “Die weltweite Tendenz zu strengeren Emissionsstandards könnte zu einem höheren Anteil von Platin und Palladium in Fahrzeugen führen.”

Die beiden Edelmetalle Platin und Palladium starteten aufgrund der weltweiten Ausbreitung der COVID-19-Pandemie schwach in das Jahr 2020. Der Preisrückgang traf Platin mit Minus 21 Prozent seit Anfang 2020 stärker als Palladium mit Minus 6,83 Prozent. Beide Metalle kommen hauptsächlich in der Automobilindustrie in Fahrzeugkatalysatoren zum Einsatz (34 beziehungsweise 84 Prozent). Demzufolge ist ihre Nachfrage besonders empfindlich in Bezug auf das konjunkturelle Umfeld und die marktwirtschaftlichen Bedingungen für die Industrie. 

Der Nachfragerückgang in der Autoindustrie aufgrund der weltweit verhängten Betriebsstilllegungen dämpft die Stimmung gegenüber den beiden Edelmetallen. Im Vergleich zu Palladium trifft Platin auf eine vielfältigere Nachfragebasis. Dort macht die Verwendung im Investmentbereich 13 Prozent, für Schmuckwaren 25 Prozent und den industriellen Sektor 28 Prozent aus. Angesichts der COVID-19-Krise wird jedoch erwartet, dass sowohl die Schmuck- als auch die Industrienachfrage weiter zurückgehen wird. Die Investmentnachfrage wird trotz der Unsicherheit wahrscheinlich steigen. Während die schwache Nachfrageseite weiterhin im Mittelpunkt steht, gehen wir davon aus, dass sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Angebotsseite verlagern wird. Das dürfte zu einer kurzfristigen Preiserholung beitragen.

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Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Daten verfügbar zum Stichtag 30. April 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

 

Die Autoindustrie dürfte sich mit den Lockerungen der Beschränkungen im zweiten Halbjahr erholen

Die Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die globale Automobilindustrie waren schwerwiegend, da die Produktion und der Verkauf von Kraftfahrzeugen weltweit plötzlich zum Erliegen gekommen sind. Im ersten Quartal 2020 schrumpfte der EU-Nutzfahrzeugmarkt um 23,2 Prozent. Im März 2020 sank die Nachfrage nach neuen Fahrzeugen EU-weit um 47,3 Prozent, da die Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Virus zur Einstellung der Produktion bei Automobilherstellern führten.

Unterdessen kehrt in China, wo die Epidemie im Februar ihren Höhepunkt erreichte, der Markt langsam zur Normalität zurück. Dort erholte sich der Automobilmarkt deutlich von seinem vorherigen Einbruch im März. Wie der chinesische Verband der Automobilhersteller (CAAM) am 10. April 2020 berichtete, stiegen die Autoverkäufe im Vergleich zum Februar um mehr als das Vierfache auf 1,04 Millionen Fahrzeuge. CAAM zufolge hat die chinesische Automobilindustrie im März rund 75 Prozent ihres normalen Betriebsniveaus wieder erreicht. Der Verband geht davon aus, dass sich der Fahrzeugmarkt im zweiten Quartal weiter erholen wird, obwohl die volle Kapazität wahrscheinlich erst in der zweiten Jahreshälfte wieder erreicht wird. In Europa nehmen die Montagelinien jetzt die Produktion wieder auf, in Nordamerika erwartungsgemäß gegen Mitte Mai.

Da die Lockdown-Maßnahmen im Rest der Welt allmählich nachzulassen beginnen, erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte eine allmähliche Erholung der Edelmetall-nachfrage aus der Automobilindustrie. Wir bleiben jedoch weiterhin vorsichtig mit Vorhersagen zur Endverbrauchernachfrage, da diese voraussichtlich eher schwach bleiben wird. Aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19 Krise zögern Verbraucher beim Autokauf.

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Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Daten verfügbar zum Stichtag 30. April 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

 

Der Einbruch auf der Angebotsseite wird vermutlich größere Auswirkungen auf Platin haben

Die südafrikanische Platinum Group Metal (PGM) ist seit der Verhängung der Sperren im April von schwerwiegenden Unterbrechungen betroffen. Das Land produziert etwa 38 Produzent des Palladiums und 75 Prozent des Platins weltweit. In der Vergangenheit sah sich die südafrikanische Bergbauindustrie mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen, einschließlich HIV-Infektionen, konfrontiert. Solche Komplikationen stellten schon immer ein Risiko für die Versorgung dar. Die von Präsident Ramaphosa angeordnete fünfwöchige Abriegelung Südafrikas wird voraussichtlich in den kommenden Tagen beendet werden. Während die Produzenten versuchen, sich auf die Wiederaufnahme der Produktion in den Minen vorzubereiten, verhindert die Polizei diese noch wegen der Verbreitung von COVID-19.

Die derzeitige Marktverknappung wird aller Voraussicht nach somit nur von kurzer Dauer sein. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Wiederaufnahme des Normalbetriebs Zeit in Anspruch nehmen wird. Daneben könnte eine zweite Infektionswelle weitere Maßnahmen erfordern, die zu länger andauernden Versorgungsunterbrechungen führen könnten. Vorerst wird gestattet, Minen mit einer Auslastung von 50 Prozent zu betreiben.

Palladium kommt normalerweise als Nebenprodukt des Platinabbaus (Südafrika) oder des Nickelabbaus (Russland) vor. Die Versorgung mit Palladium scheint weniger gefährdet zu sein. Nornickel, weltweit größter Palladiumproduzent aus Russland, geht davon aus, dass der globale Palladiummarkt zum ersten Mal seit acht Jahren einen geringen Angebotsüberschuss aufweisen wird. Verantwortlich dafür sei der Rückgang bei Autoverkäufe infolge der Corona-Pandemie.

Gokran, der staatliche Reservefonds Russlands, lieferte 2011 unerwartet etwa 750.000 Unzen Palladium aus eigenem Lagerbestand. Daraufhin folgte ein dreijähriger Preisverfall des Edelmetalls. Niemand weiß zurzeit wie groß die Vorräte bei Gokran sind oder inwieweit der Reservefonds die gegenwärtige schwache Nachfrage zum Aufbau von Lagerbeständen nutzt.

Trotz des Preisaufschlags von Palladium gegenüber Platin – bisher keine Alternative in Sicht

Die jüngste Preiskorrektur hat das Palladium-Platin-Verhältnis von seinem Höchststand von Faktor 3,1 auf 2,4 fallen lassen. Trotz des Preisaufschlags von Palladium gegenüber Platin ist es weniger wahrscheinlich, dass Platin in Autokatalysatoren durch Palladium ersetzt wird. Der Hauptgrund dafür ist die geringere thermische Beständigkeit von Platin, die seine Verwendung bei der weit verbreiteten Einführung von Dreiwegekatalysatoren einschränkt. Während es in naher Zukunft ein gewisses Potential für Platin geben könnte, einen Teil des in Dieselkatalysatoren verwendeten Palladiums zu ersetzen, sehen wir in diesem Jahr keinen Substitutionseffekt bei Benzinkatalysatoren.

Die Durchführung von Emissionsmessungen unter realen Betriebsbedingungen (RDE) beinhalten strengere Testzyklen mit höheren Fahrgeschwindigkeiten und höheren Motortemperaturen, was eine technische Hürde für den Einsatz von Platin in Drei-Wege-Katalysatoren darstellt. Bei hohen Betriebstemperaturen, wie sie in einem Benzinauto auftreten, können Platinpartikel versintern, was nach Johnson Matthey zum Verlust der Oberfläche und damit katalytischer Aktivität führt. Im Vergleich zu Palladium-Rhodium-Formulierungen neigt die Wirksamkeit platinhaltiger Katalysatoren dazu, sich mit zunehmendem Alter schneller zu verschlechtern.  

Fazit

Platin und Palladium erlebten im Jahr 2020 aufgrund der schwachen Nachfrage der Automobilindustrie eine starke Preiskorrektur nach unten. Zwischenzeitliche Angebotskürzungen dürften zu einer kurzfristigen Preiserholung bei den beiden Edelmetallen beitragen. Die weltweite Tendenz zu strengeren Emissionsstandards könnte zu einem höheren Anteil von Platin und Palladium in Fahrzeugen führen. Das sollte den Nachfragerückgang ausgleichen.

Platin ist auf der Angebotsseite stärker zentriert, da sich seine Förderung auf Südafrika konzentriert. Deswegen scheint das Edelmetall anfälliger gegenüber Lieferunterbrechungen zu sein. Palladium andererseits ist angebotsseitig stärker gestreut, die Fokussierung auf die Autoindustrie betrifft eher die Nachfragenseite. Platin ist auf dieser Seite stärker diversifiziert, was in Kombination mit den höheren Versorgungsrisiken zu einem höheren Preis führen könnte. Dieses Edelmetall könnte also stärker profitieren.

Fotos: WisdomTree, Shutterstock

 

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