13. August 2020, 07:05
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Mobilität: Revolution dank Krise

Während die Covid-19-Pandemie fast alle Wirtschaftsbereiche in eine Krise stürzte, hat der Verkehrs- und Transportsektor, trotz des einbrechenden Verkehrsaufkommens, nie gesehene Wachstumschancen. Welche Entwicklungen Corona beschleunigt. Ein Kommentar von Kristina Church, Senior Investment Strategist für nachhaltige Investitionen bei Lombard Odier Investment Managers.

Shutterstock 1349025290 in Mobilität: Revolution dank Krise

Durch Ausgangsbeschränkungen und das Vermeiden sozialer Kontakte, ist das Verkehrsaufkommen in großen Teilen der Welt drastisch zurückgegangen. Es gilt nun, diese Chancen zu nutzen, statt zur alten Normalität zurückzukehren. Die Covid-19-Krise stellt für uns die einzigartige Gelegenheit dar, den Transportsektor zu revolutionieren und zu einem nachhaltigeren Modell zu bewegen.

Ziele der Mobilitätsrevolution

Ziel der Mobilitätsrevolution ist eine kreislauforientierte, produktivitätssteigernde, integrative und saubere Mobilität, kurz CLIC (Circular, Lean, Inclusive und Clean). Vor der Krise waren Emissionen im Verkehrssektor für etwa 14 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Er ist einer der wenigen Sektoren, in dem die Emissionswerte seit Jahren nicht abnehmen, sondern ansteigen. Unser bisheriges Transportsystem bezeichnen wir daher als WILD (Wasteful, Idle, Lopsided und Dirty), zu Deutsch: unwirtschaftlich, ineffizient, ungleich und verschmutzt.

Reisetätigkeit während der Krise reduziert

Während der Krise haben Reise- und Bewegungseinschränkungen das Verkehrsaufkommen drastisch reduziert. Schätzungen von Lombard Odier zufolge, werden im Jahr 2020 die CO2-Emissionen im Verkehrssektor um etwa 14 Prozent abnehmen. In vielen Regionen ist der Luftverkehr um fast 90 Prozent zurückgegangen. Zudem waren der Güterverkehr und Lieferketten beeinträchtigt. Diese Entwicklungen tragen dazu bei, das 1,5°C-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen. Dafür müssen über die nächsten 30 Jahre Emissionen im Verkehrssektors um etwa die Hälfte reduziert werden.

Erforderliche Emissionseinsparungen im Verkehrssektor nach Transportmittel

Es ist zu erwarten, dass sich die Verkehrswende nach der Covid-19-Krise beschleunigt. Viele Städte, wie London, Paris und Madrid, führen bereits Programme ein, um die Autonutzung nach den gelockerten Ausgangsbeschränkungen zu erschweren. Außerdem fördern sie Fußgängerzonen, Fahrradstraßen und andere Formen der aktiven Mobilität. Politische Entscheidungsträger, Verbraucher und Unternehmen spielen eine zentrale Rolle bei der Mobilitätsrevolution. Durch ihr Handeln gewährleisten sie einen nachhaltigen Personen- und Güterverkehr. Dieser umfasst klimafreundliches Pendeln zur Arbeit, Ausflüge und Reisen sowie nachhaltige Lieferketten.

Erfolgsfaktor Elektromobilität

Zu den zentralen Erfolgsfaktoren zählt die Elektromobilität. Der technologische Fortschritt hat dazu geführt, dass sie mittlerweile bessere Emissionswerte – über den Lebenszyklus hinweg – als Verbrennungsmotoren hat. Außerdem können Batterien immer kostengünstiger hergestellt werden. Herausfordernd bleibt aber die Emissionsreduktion im Fern- und Schwerlasttransport. Dort werden in Zukunft Lösungen wie synthetische Kraftstoffe, Ammoniak und Wasserstoffbrennzellen eine zentrale Rolle spielen.

Chancen für den Verkehrssektor

Die Mobilitätsrevolution eröffnet einzigartige Chancen im Verkehrssektor. Sie bietet jährlich Investitionsmöglichkeiten in Höhe von zwei Billionen US-Dollar. Diese können sich in den Bereichen Internet der Fahrzeuge (IoV), Mobilität als Dienstleistung (MaaS), Mikromobilität, Biokraftstoffe, Wasserstoff, Lieferketten für Elektrofahrzeuge und sauberere Transportmittel zeigen. Investoren werden Geschäftsmodelle mit Fokus auf privaten Autobesitz, Verbrennungsmotoren und Flugreisen kritischer bewerten. Das bedeutet, dass sich die Marktposition von Unternehmen verbessert, die mit zukunftsgewandten und wissenschaftlich fundierten Ansätzen, Kohlenstoffdioxid reduzieren, vermeiden oder speichern.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Branchenstudie: Versicherer sehen durch Corona mehr Chancen als Herausforderungen

Die Corona-Krise hat weltweit zu einem hohen Maß an Unsicherheit geführt. Rund ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie stellt sich zumindest für die deutsche Versicherungswirtschaft die Situation deutlich positiver dar als noch zu Beginn. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY und der V.E.R.S. Leipzig GmbH hervor. Die Gründe.

mehr ...

Immobilien

Software für Baufi-Vermittler erhöht Effizienz

Der Arbeitsalltag für Finanzierungsvermittler hat sich nicht zuletzt dank der Digitalisierung stark verändert: Tätigkeiten, die früher pro Kunde mehrere Stunden Zeit kosteten, lassen sich heute dank weniger Klicks sofort erledigen. Doch unterschiedliche Lead Schnittstellen und Accounts auf verschiedenen Plattformen erschweren den Prozess. Für dieses Problem hat die FinLink GmbH ihre gleichnamige Software entwickelt.

mehr ...

Investmentfonds

M&G Investments: Platzt die Tech-Blase doch?

Nach atemberaubenden Kursgewinnen in diesem Jahr verlor der US-Technologiesektor innerhalb von nur vier Handelstagen rund 10 Prozent, setzte wieder zur Erholung an und steht seither sehr unter Beobachtung. Stuart Canning, Multi-Asset-Spezialist bei M&G Investments mit seiner Einschätzung zur Lage.

mehr ...

Berater

Sparquote dürfte 2020 auf rund 16 Prozent steigen

Die Coronakrise dürfte die Sparquote in Deutschland nach Einschätzung der DZ Bank in diesem Jahr auf einen Rekordwert treiben. Nachdem die Verbraucher bereits im ersten Halbjahr 2020 deutlich mehr Geld auf die hohe Kante legten als üblich, erwarten die Experten des genossenschaftlichen Spitzeninstituts dies auch für die nächsten Monate.

mehr ...

Sachwertanlagen

Solvium lanciert Zertikat für Schweizer Profi-Investoren

Der Hamburger Logistik-Assetmanager Solvium Capital bringt die Assets „Schiffscontainer“ und „Wechselkoffer“ über ein Zertifikat auf den Schweizer Markt. Dazu ist das Unternehmen eine neu geschlossene Partnerschaft mit dem Züricher Verbriefungsspezialisten Gentwo eingegangen.

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...