30. Juli 2020, 13:17
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Nachhaltigkeit: Berücksichtigung von ESG-Risiken besser als gedacht

Eine erstmalige FNG-Erhebung zu verantwortlichen Investments zeigt, dass Finanzdienstleister ESG-Risiken bereits in der Breite bei ihren Investments einbeziehen.

ESG in Nachhaltigkeit: Berücksichtigung von ESG-Risiken besser als gedacht

Knapp 70 Prozent der Umfrageteilnehmer haben angegeben, ESG-Integration auf mehr als 80 Prozent aller verwalteten Fonds anzuwenden. Aber auch der Blick auf die Asset-Klassen zeugt von einer breiten Abdeckung. Rund 47 Prozent der Teilnehmer decken neben Aktien und Anleihen noch weitere Asset-Klassen ab. Das Volumen verantwortlicher Investments beträgt in Deutschland und Österreich laut FNG-Marktbericht 2020 mittlerweile rund 1,7 Billionen Euro. „ESG-Integration ist in Deutschland und Österreich bereits Standard bei Investments“, stellt Dr. Helge Wulsdorf, FNG-Vorstandsmitglied und einer der Autoren der Studie fest. „Der Trend zu immer mehr ESG-Integration bei konventionellen Fonds wird durch die qualitative Erfassung nun erstmals greifbar.“

Nachholbedarf bei umfassender Implementierung

Nachholbedarf besteht insbesondere bei der durchgängigen Implementierung und Integration in bestehende Prozesse. Insbesondere in den IT-Systemen fand noch keine ausreichende Implementierung von ESG-Integration statt. Bei rund 60 Prozent ist ESG-Integration zum Beispiel nicht durchgängig oder noch nicht in der notwendigen Tiefe in den IT-Systemen verankert.

Weiter deuten die Ergebnisse darauf hin, dass es noch keine hinreichende Verzahnung zwischen ESG-Integration und Engagement gibt. „ESG-Integration lässt sich nicht einfach per Knopfdruck für alle Investments umsetzen“, erläutert Matthias Stapelfeldt, ebenfalls FNG-Vorstandsmitglied und Autor der Studie. „Es handelt sich um einen langfristigen Prozess bis die ESG-Kompetenz auch alle unterstützenden Bereiche eines Finanzdienstleisters systematisch erfasst hat. Deutlich wird dies insbesondere an der fehlenden Implementierung in die IT-Systeme. Trotzdem zeigen die Asset Manager, dass sie auf die ab März 2021 geltende EU-Regulierung zu den Offenlegungspflichten schon jetzt gezielt reagieren.“

Marktstandard für verantwortliche Investments

Mit der qualitativen Untersuchung zu verantwortlichen Investments in Deutschland und Österreich hat das FNG erstmalig einen Marktstandard für verantwortliche Investments gesetzt. Hierzu wurde eine Matrix über die fünf Handlungsfelder Policies, Prozesse, Reporting, Coverage und Wirkung mit insgesamt elf Unterkategorien erstellt. Von den elf Untersuchungskriterien lagen sieben im oder unter dem Durchschnitt, vier Kategorien wiesen dagegen überdurchschnittliche Ergebnisse auf. Erhoben wurden die Werte im Rahmen des FNG-Marktberichts Nachhaltige Geldanlagen 2020, in dem erste Ergebnisse vorab in Kurzform veröffentlicht wurden.

Integration von ESG-Aspekten in die Geschäftsprozesse

Die Integration von ESG-Aspekten in die Geschäftsprozesse der Anbieter hat bereits in der Breite begonnen. Die im Detail allerdings noch deutlichen Unterschiede in der Implementierung der erfolgskritischen Elemente legt nahe, dass kurzfristig vielfach noch an der formalen Erfüllung der regulatorischen Mindestanforderungen gearbeitet werden muss, bevor dann in einem zweiten Schritt mit einem systematischen Rollout über alle Produkte und Anlageprozesse für eine unternehmensweit robuste Integration gesorgt wird. Sehr weit entwickelte Anbieter arbeiten schon jetzt daran, in innovative Produkte und Prozesse zu investieren, die für eine weitere Differenzierung am Markt und somit für Wettbewerbsvorteile sorgen können. Die Untersuchung zeigt, so ein Fazit der Autoren, dass es keinen Standardprozess für eine gute ESG-Integration in das Asset Management gibt, der sich kurzfristig abarbeiten lässt. Als der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen wird das FNG die qualitative Weiterentwicklung von Marktstandards für verantwortliche Investments voranbringen.

 

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