15. April 2020, 00:19
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Opec plus – Reicht das historische Abkommen aus?

“Die nun erreichte Vereinbarung der Opec plus Staaten stellt die umfangreichste jemals koordinierte Kürzung der Ölförderung dar. Die Schlüsselfrage ist, ob es ausreichen wird, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen”, meint Nitesh Shah, Director – Research bei WisdomTree und führt weiter aus: “Zumindest der zweite Teil des doppelten Schocks auf den Ölmärkten – die Angebotssteigerung – wird damit in Angriff genommen.”

Lkurve in Opec plus - Reicht das historische Abkommen aus?

Nach der vom 6. März bis zum Osterwochenende andauernden Sackgasse, zeigen sich die Opec+  Staaten endlich bereit, die Ölförderung erneut zu drosseln. Der Schmerz war zu groß: Infolge sinkender Nachfrage und gleichzeitig steigendem Angebot fielen die Brent-Ölpreise auf ein 18-Jahres-Tief. Nach der „Griechischen Tragödie“ am 6. März, in der sich eine Kluft zwischen Saudi Arabien und Russland auftat, war es jedoch ein schwieriges Unterfangen, die Produzenten wieder zusammenzubringen. Dieses Hindernis wurde überwunden, indem US-Präsident Trump ein Gespräch zwischen Präsident Putin (Russland) und König Salman (Saudi-Arabien) vermittelte. Doch damit endete die Rolle der USA in diesem Abkommen nicht. Nachdem Mexiko mit der dem Land zugeteilten Kürzung von 400.000 Barrel pro Tag nicht einverstanden war, schritten die USA ein und stimmten damit implizit einer Kürzung in Abstimmung mit Mexiko zu. Dies zeigt deutlich, dass die USA ebenso verzweifelt wie die Mitglieder des Kartells auf eine Verringerung des Überangebots und höhere Ölpreise drängen.

Verfahrene Situation: Mexiko verweigert Kürzungen

Die wegen der Weigerung Mexikos verfahrene Situation führte am Donnerstag, 9. April zu großen Verzögerungen im Verfahren. Bis zum Treffen der G20-Länder am Freitag, 10. April war immer noch keine Einigung erzielt worden. Das G20-Treffen unter dem Vorsitz Saudi-Arabiens war eine Gelegenheit für die Verbraucherländer, das für sie sichtbare Ausmaß der Nachfragevernichtung zum Ausdruck zu bringen, und aufzuzeigen, was sie tun, um das Angebot zu reduzieren (auch in Ländern, die große Produzenten sind).

Das Kommuniqué dieses Treffens war jedoch schwach, es enthielt keine tragfähigen Zahlen in Bezug auf das tatsächliche Engagement. Anscheinend hatten die ursprünglichen Entwürfe des Kommuniqués mit der Draghi-Sprache der EZB im Sinne von „What ever it takes“ einen viel stärkeren Wortlaut. Die vorliegende verwässerte Fassung scheint jedoch das Ergebnis einer mangelnden Übereinstimmung und des Misstrauens unter den Mitgliedern zu sein.

Der Deal

Die Opec+-Vereinbarung in ihrer jetzigen Form lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Produktionskürzungen von 9,7 Mio. Barrel pro Tag (mb/d) von Mai bis Juni 2020 im Vergleich zu den Niveaus vom Oktober 2018 für die meisten Länder
  • Der Referenzpunkt für Russland und SaudiArabien liegt bei 11mb/d (das ist höher als die im Oktober 2018 produzierte Menge)
  • Die Kürzungen verjüngen sich von Juli 2020 bis Dezember 2020 auf 7,7 mb/d und dann weiter auf 5,8 mbar/d im Zeitraum Januar 2021 bis April 2022
  • Einzelne Länderquoten sind noch nicht auf der Website der OPEC verfügbar
     

Reicht die Vereinbarung aus?

Die nun erreichte Vereinbarung stellt die umfangreichste jemals koordinierte Kürzung der Ölförderung dar. Die Schlüsselfrage ist, ob es ausreichen wird, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Da die Prognosen in bezug auf den Nachfrageeinbruch im April 2020 bei 15-22mb/d liegen und diese Maßnahmen erst im Mai in Kraft treten, ist kurzfristig mit einem erheblichen Überhang zu rechnen. Die Vereinbarung gilt jedoch bis 2022, so dass eine Produktionseinschränkung das Überangebot am hinteren Ende auffangen könnte. Offensichtlich weiß niemand genau, wie lange und in welchem Umfang der mit COVID-19 verbundene Nachfrageeinbruch andauern wird. Zumindest der zweite Teil des doppelten Schocks auf den Ölmärkten – die Angebotssteigerung – wird damit in Angriff genommen.

Extremer Contango bleibt

Kurzfristig gehen wir davon aus, dass der extreme Contango auf dem Ölmarkt bestehen bleiben wird. Obwohl es keine verlässlichen Daten über die globale Lagerkapazität gibt, deutet die Tatsache, dass die Tankerraten im März 2020 um 116 Prozent gestiegen sind, darauf hin, dass die Lagerung an Land zur Neige geht und daher die schwimmende Lagerung sehr gefragt ist. Darüber hinaus liegt der Preis für West Texan Intermediate in Cushing bei einem Aufschlag von 6 US-Dollar gegenüber West Texan Intermediate in Magellan East Houston (31. März 2020).

Dies deutet darauf hin, dass auf dem Festland gelagertes Öl mit einem erheblichen Aufschlag gegenüber dem an der Küste gehandelt wird. Da die Vereinbarung erst im Mai in Kraft tritt und Saudi-Arabien Öl mit dem stärksten Abschlag seit Jahrzehnten nach Asien verkauft, gehen wir davon aus, dass das kurzfristige Überangebot und die Preisschwäche das vordere Ende der Futures-Kurve für Rohöl mit einem starken Abschlag zum hinteren Ende der Kurve halten werden.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

83,4 zu 78,6: Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter

Die aktuellen Sterbetafeln zeigen, dass die Lebenserwartung in Deutschland weiter gestiegen ist. Das zeigen die neuesten Statistiken des Statistischen Bundesamtes. Die Entwicklung hat auch Folgen für die gesetzliche Rente und die private Altersvorsorge. Besonders hoch ist die Lebenserwartung in Baden-Württemberg.

mehr ...

Immobilien

Kaufpreise für Immobilien seit 2012 nahezu verdoppelt

Seit dem Jahr 2012 verdoppelten sich die Kaufpreise pro Quadratmeter in deutschen Großstädten nahezu. Auch die Corona-Pandemie versetzte dem Immobilien-Markt keinen Dämpfer, im Gegenteil. Während Assets wie Aktien teilweise stark an Wert einbüßten, stiegen die Preise für Wohneigentum weiter an – sowohl in der Stadt, als auch auf dem Land. Wie aus einer neuen Infografik von Kryptoszene.de hervorgeht, ist der Aufwärtstrend nicht nur in Deutschland intakt.

mehr ...

Investmentfonds

Erneute Durchsuchung bei Wirecard

Wirecard hat einem Zeitungsbericht zufolge erneut Besuch von der Staatsanwaltschaft München I bekommen. An der Durchsuchung am Dienstag sollen auch Beamte des Bundeskriminalamtes beteiligt gewesen sein, wie die “Süddeutsche Zeitung” schreibt.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin bestellt Abwickler für Acada-Geschäfte

Die Finanzaufsicht BaFin hat bereits mit Bescheid vom 1. September 2020 zur Abwicklung des durch die mittlerweile insolvente Adcada GmbH, Bentwisch, unerlaubt betriebenen Einlagengeschäfts einen Abwickler bestellt. Das machte die Behörde nun auf ihrer Website bekannt.

mehr ...

Recht

Rente im Ausland: Das müssen sie beachten

Der 1. Oktober ist Tag der Senioren oder einfach Weltseniorentag. Er wurde 1990 durch die UNO initiiert, um die Leistungen der Älteren zu würdigen. Immer mehr deutsche Rentner zieht es zur Rückschau auf die Lebensleistung dauerhaft in andere Länder. Sich zur Ruhe setzen, wo andere Urlaub machen? Was dabei zu beachten ist.

mehr ...