7. September 2020, 18:33
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Rolle als Leitwährung steht für US-Dollar außer Frage

Der Safe-Hafen-Status des US-Dollars während der Pandemie erreichte im April seinen Höhepunkt, aber seitdem hat er sich deutlich abgeschwächt. Doch wie sind die Aussichten für den Dollar? Könnte der Druck auf die US-Währung kurzfristig nachlassen oder sieht es eher ungünstig aus? Und welche Auswirkungen hat dies auf andere Finanzwerte? Jean-Baptiste Berthon, Senior Cross-Asset-Stratege bei Lyxor AM, steht Rede und Antwort.

Dollar in Rolle als Leitwährung steht für US-Dollar außer Frage

Wie hat sich der US-Dollar in diesem Jahr bisher entwickelt?

Berthon: Der Dollar steht seit einiger Zeit unter Druck, aber seine Entwicklung gegenüber anderen Währungen war uneinheitlich. Während er gegenüber dem Euro und anderen Safe-Hafen-Währungen wie dem japanischen Yen und dem Schweizer Franken an Wert verlor, zeigte sich der Dollar gegenüber dem britischen Pfund und den Währungen des Rohstoffblocks widerstandsfähiger. Gegenüber Schwellenländer-Währungen ist er jedoch stark gestiegen.

Rückblickend erlebte der Dollar ab 2018 eine Hausse, die zunächst durch fiskalische Anreize angekurbelt und dann durch den eskalierenden Handelskrieg zwischen den USA und China im Jahr 2019 weiter gefördert wurde. Währenddessen war Europa in die Brexit-Saga verstrickt und spürte die Auswirkungen von Trumps Handelskrieg.

Als die Pandemie Anfang 2020 ausbrach, schnellte der Dollar aufgrund der starken Liquiditätsnachfrage in die Höhe, wobei die Währungsswaps der Fed die Dollar-Finanzierungsprobleme milderten. Seitdem befindet er sich auf einem stetigen Abwärtstrend, und etwa die Hälfte der Hausse des Dollars seit 2018 wurde allein in den letzten drei Monaten eingebüßt.

Die dramatische Verschlechterung der außenwirtschaftlichen Position der Vereinigten Staaten – mit rekordverdächtigen fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen, die durch eine massive Bilanzausweitung der Fed finanziert wurden – sowie das schrumpfende Wirtschaftswachstum und die geringeren Zinsunterschiede gegenüber dem Rest der Welt – ausgelöst durch die Covid-Politik Washingtons – stellte den Status des US-Dollars als Weltreservewährung in Frage. Zugleich trieb dies den Goldpreis auf fast historische Höchststände.

Wird sich der Abwärtstrend des Dollars fortsetzen?

Berthon: Kurzfristig könnte der Dollar durchaus eine Atempause genießen, da einige dieser negativen Faktoren wahrscheinlich etwas nachlassen werden. Die Covid-Fälle tendieren in den USA – wenn auch von einem Hochpunkt aus – nach unten, während sie in anderen Ländern wieder zunehmen. Die relative Underperformance der US-Wirtschaft wird sich wahrscheinlich ebenfalls abschwächen, da andere Volkswirtschaften derzeit ihre eigenen Virusbeschränkungen verschärfen. Der, wenn auch mühsame, Fortschritt der US-Gesetzgeber bei der Einigung auf ein neues Paket zur Vermeidung einer Fiskalklippe (Cares 2.0) ist ebenfalls kurzfristig positiv für den Dollar und mildert die Befürchtungen, dass die öffentlichen Finanzen der USA außer Kontrolle geraten könnten. Das britische Pfund könnte ebenfalls schwächeln, wenn die Brexit-Verhandlungen sich bis zur Deadline hin intensivieren. Und zuletzt wird die Dollarschwäche technisch ausgeweitet, da Sentiment und Positionierung eine Konsolidierung nahelegen.

Längerfristig erwarten wir jedoch eine weitere Abschwächung des Dollars. Eine anhaltende Erholung der Weltwirtschaft würde die Nachfrage nach US-Dollar-Liquidität weiter untergraben. Die US-Notenbank signalisierte, dass sie bereit ist, ein Überschreiten der Inflationsrate mithilfe von durchschnittlichen Inflationszielen zuzulassen. Dies würde die Zinsunterschiede geringhalten, während ein sich verschlechterndes Doppeldefizit der USA in den kommenden Monaten für nicht abreißende negative Nachrichten sorgen würde. Schließlich könnte die politische Unsicherheit rund um die US-Wahlen im November, die den Wählern die Wahl lassen zwischen höheren inländischen Steuern oder mehr Handelszöllen, die Dollarnachfrage dämpfen.

Unserer Meinung nach sind die Bedenken hinsichtlich des Status des Dollars als Reservewährung jedoch übertrieben. Dollarbestände und -transaktionen dominieren nach wie vor gegenüber den beiden denkbaren Alternativen: dem Euro und Gold. Darüber hinaus wird die geringe Attraktivität des Dollars für Treasuries durch Zuflüsse in Aktien und Anleihen von US-Unternehmen ausgeglichen. Russland und China versuchen, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu begrenzen, aber eine völlige Loslösung wäre äußerst problematisch. Darüber hinaus werden sich die Zentralbanken bemühen, jede nennenswerte Devisenaufwertung zu verhindern, die ihre eigenen Volkswirtschaften belasten und den Deflationsdruck verschärfen würde.

Was sind die Auswirkungen auf andere Vermögenswerte?

Berthon: Wir sehen das Potenzial für einen weiteren Rückgang des Dollars um höchstens 5% bis 10%, was die Lücke zu den Bewertungen der Kaufkraftparitäten (KKP) weitgehend schließen würde. In Verbindung mit massiven globalen Liquiditätsspritzen würde ein schwächerer Dollar die finanziellen Bedingungen weiter entspannen, insbesondere für EM-Volkswirtschaften, die einer Auslandsverschuldung ausgesetzt sind.

Auch die Rohstoffpreise würden steigen, und die Einnahmen der US-Exporteure würden sich erhöhen, da sie ihre Produkte zu wettbewerbsfähigeren Preisen anbieten können. Ja, die USA würden zwar Inflation importieren, aber vorerst nicht annähernd genug, um Alarmglocken auszulösen.

Foto: Shuttertock

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