20. Juli 2020, 11:30
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Trotz Corona: In zwei Wochen geht das Taping los

Am 1. August tritt die neue FinVermV für freie Finanzdienstleister (34f) in Kraft und damit die Pflicht zur Aufzeichnung von Telefonaten und elektronischer Kommunikation mit dem Kunden. Doch das ist längst nicht alles. Eine Corona-Schonzeit wie für Banken gibt es zudem nicht. Der Löwer-Lommentar

Loewer-003-Cash-Format in Trotz Corona: In zwei Wochen geht das Taping los

Stefan Löwer: “Die technische Seite des Tapings dürfte mittlerweile das kleinere Problem sein.” 

Ab dem 1. August beginnt eine neue Ära für Finanzdienstleister mit Zulassung nach Paragraf 34f Gewerbeordnung zur Vermittlung von Investmentvermögen und Vermögensanlagen. Zu diesem Datum tritt die neue Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) in Kraft, die erhebliche Veränderungen in der Beratungspraxis mit sich bringt.

Die neu gefasste Verordnung passt die Vorschriften für die 34f-Vermittler in wesentlichen Teilen an die Anforderungen für Banken an, die schon seit 2018 im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) stehen und setzt damit die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID II um.

Anders als offenbar vielfach vermutet, hat dies nichts mit dem anderen 34f-Regulierungsthema zu tun: Der Verlagerung der Aufsicht über die Vermittler auf die Finanzaufsicht BaFin. Dies war bislang für Anfang 2021 vorgesehen und steht derzeit zumindest bezüglich des Termins auf der Kippe. Die neue FinVermV hingegen wurde bereits 2019 beschlossen, der Termin 1. August 2020 steht und wird von keiner Seite in Frage gestellt.

Keine Corona-Schonfrist

Ab diesem Tag müssen die 34f-Vermittler unter anderem die telefonische Kommunikation mit ihren Kunden, die sich auf die Anlagevermittlung oder -beratung bezieht, aufzeichnen und systematisch archivieren. Dieses „Taping“ wird den Vertriebsalltag wahrscheinlich am offensichtlichsten verändern und steht daher vielfach im Mittelpunkt der Diskussion – und der Vorbehalte der betroffenen Finanzdienstleister.

Corona verschärft die Lage. Denn persönliche Beratungsgespräche, die nicht aufgezeichnet werden müssen, sind vielfach weiterhin nicht möglich oder nicht gewünscht. Doch anders als für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute gibt es für die 34f-Vermittler keine Corona-Schonfrist.

So hat die BaFin die Taping-Pflicht für die Institute bereits Ende März weitgehend ausgesetzt, nachdem die Banken ihre Filialen wegen Corona nahezu flächendeckend geschlossen und die Mitarbeiter ins Home Office oder Callcenter verfrachtet hatten. Sie könne das Gesetz zwar nicht einfach abschaffen, werde aber „bis auf weiteres“ Verstöße gegen die entsprechenden WpHG-Vorschriften unter bestimmten Voraussetzungen nicht verfolgen, teilte die BaFin sinngemäß mit.

Seite 2: Keine Erleichterungen für den freien Vertrieb

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1 Kommentar

  1. Einerseits wird eine einheitliche Aufsicht unter BaFin-Dach bis aufs Blut bekämpft. Andererseits wird sich über die Ungleichbehandlung beklagt. Lustig.
    Aber dem Appell des Herrn Löwer kann ich mich nur anschließen: Ein gründliches Studium der eigenen beruflichen Rechtsgrundlagen sollte von jedem einzelnen Finanzvertriebler erwartet werden, andernfalls ist er m.E. für seinen Job nicht geeignet. Die BaFin setzt übrigens eine Kenntnis der Rechtsgrundlagen für die Berufsausübung voraus, ich fürchte, da besteht bei einigen noch großer Aufholbedarf.

    Kommentar von Sgt_Beerhead — 22. Juli 2020 @ 08:15

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