10. September 2020, 10:43
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USA versus Europa: Treiber der Börsenindizes komplett unterschiedlich

Einheitlichkeit? Fehlanzeige. Die große Diskrepanz zwischen den US-Indizes und dem europäischen Markt ist offensichtlich. Besonders ins Auge fällt die ungleiche Entwicklung der verschiedenen Branchen. Worauf sollten Anleger jetzt besonders achten?

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Guillaume Brisset, Clartan Associés

Zwar befanden sich die Börsen diesseits und jenseits des Atlantiks zuletzt gleichermaßen im Aufwind: Der amerikanische S&P 500 legte im August um 7% zu und ist damit seit Jahresbeginn um 8,4% und gegenüber dem Vorjahr um 20% gestiegen. Der europäische Index gewann im vergangenen Monat auch 2,8% hinzu – liegt damit seit Jahresbeginn allerdings noch um 11,8% und im Vorjahresvergleich um 3% im Minus.

Tech-Werte: Bereits eine Blase?

Das Plus im bisherigen Jahresverlauf hat der amerikanischen Index jedoch ausschließlich den sogenannten GAFAM-Titeln – namentlich Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft – zu verdanken. Diese fünf Tech-Werte haben nach ihrem Höhenflug (+53% per Ende August) einen Anteil von 23% an dem Index. Die übrigen Werte im Index (-0,2%) konnten nur knapp ihre Verluste aus dem ersten Quartal wieder wettmachen. Mit Blick auf das Verhältnis zwischen Kursen und erwarteten Gewinnen (KGV) erscheint der Markt zwar insgesamt teuer, in der Branchenbetrachtung ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Das erwartete KGV, also die Bewertung der Gewinne der kommenden zwölf Monate, liegt für den Gesamtindex bei 22,9 – und damit auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Finanzwerte alleine erreichen jedoch nur einen Wert von 14,2, während IT-Unternehmen mit dem 50-fachen der erwarteten Gewinne bewertet werden. Früher oder später wird man sich also die Frage nach einer Blasenbildung bei bestimmten Titeln stellen müssen.

Branchenrotation: Zyklische Werte im Plus

Im europäischen Index fallen im Monatsverlauf insbesondere die gute Wertentwicklung sogenannter zyklischer Werte und die gleichzeitige Stagnation bei defensiven Titeln auf: Während also im Baugewerbe sowie bei Industrietiteln ein Plus 6,6% resp. 6,1% zu Buche stehen, stagnierten Pharmaunternehmen (0,9%) und Versorger (1,3%) weitgehend. Wir sehen darin einen Hinweis darauf, dass die Marktakteure das Kriterium der Bewertung noch nicht ganz aus dem Blick verloren haben, auch wenn die Verfechter eines „Paradigmenwechsels“ anderes glauben machen wollen. Tragende Säulen unseres Fondsmanagements sind nach wie vor die beiden Komponenten Quality und Value. Während die Value-Komponente unserer Erfolgsbilanz im ersten Halbjahr eindeutig abträglich war, werten wir ihr Comeback nun umso mehr als gutes Vorzeichen für die Zukunft.

Autor Guillaume Brisset, Partner und Fondsmanager bei Clartan Associés.

Foto: Clartan Associés

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