17. August 2020, 06:09
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Warum der Höhenflug bei Gold und Silber anhält

Gold und Silber haben sich in den letzten Wochen entscheidend bewegt, bleiben aber im Einklang mit ihren jeweiligen Fundamentaldaten. Es ist bemerkenswert, dass eine derart schnelle Preissteigerung eintreten kann, ohne dass blasenartige Bedingungen erforderlich sind, sagt Nitesh Shah, Director Research bei WisdomTree.

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Im Juli 2020 verzeichnete Gold die beste monatliche Performance seit Januar 2012, d. h. seit dem Tiefpunkt der europäischen Staatsanleihenkrise. Der Goldpreis steht jetzt auf einem Allzeithoch. Gold und Silber haben in diesem Jahr alle wichtigen Anlageklassen übertroffen. Insbesondere Silber übertraf Gold bei seiner jüngsten Rallye seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent.

Für den Monat Juli:

Gold: 11,1 Prozent
Silber: 34,8 Prozent

Für 2020 bis 06. August:

Gold: 35,4 Prozent
Silber: 54,8 Prozent

Obwohl wir im Juli 2020 unsere Gold- und Silberprognosen für das zweite Quartal 2021 veröffentlicht haben, lassen die jüngsten Marktereignisse in Verbindung mit stark positiven Renditen vermuten, dass die Präsentation einiger Aktualisierungen den Anlegern helfen könnte.

Unser Goldmodell-Framework wird in „Gold: how we value the precious metal“ erklärt. Das Modell generiert eine jährliche prozentuale Wachstumsrate, die wir auf die aktuellen Preise anwenden können, um zu projizieren, in welche Richtung die Goldpreise innerhalb eines Jahres gehen könnten. Jetzt liegt der Goldpreis für Juli 2020 vor und wir können demzufolge den Preis im Juli 2021 prognostizieren. Darüber hinaus können wir Änderungen der wirtschaftlichen Annahmen berücksichtigen, die in diesen turbulenten Zeiten gerechtfertigt sind.

Keine Blase bei Gold

Lassen Sie uns zunächst eine Bestandsaufnahme der Aussagen des Modells zum jüngsten Preisanstieg machen (Abbildung 1). Mit dem Wissen, wo sich die Renditen für Staatsanleihen, der US-Dollar und die spekulative Positionierung im Juli 2020 befanden, zeigt das Modell, dass die Preise im Juli 2020 im Jahresvergleich um 35 Prozent gestiegen sein sollten. Tatsächlich stiegen sie im Jahresvergleich um 39 Prozent, also nur einen Bruchteil höher. Diese angezeigte Goldbewegung entsprach den Fundamentaldaten und wir können daher eine Blase des Goldpreises ausschließen. Interessanterweise trug der US-Dollar zum Anstieg des Goldpreises im Juli bei. Wir haben das seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. Der Dollar hat seit März 2020 rund 10 Prozent an Wert verloren. Der Rückgang der 10-Jahres-Renditen für Staatsanleihen, die jetzt auf einem Allzeittief sind, war ebenfalls ursächlich für die Gewinne bei Gold. Die Stärke der spekulativen Futures-Positionierung in Gold trug darüber hinaus weiterhin maßgeblich zu Kursgewinnen bei.

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Quelle: Bloomberg, WisdomTree-Preismodell, Daten zum 30. Juli 2020. Für den Juli 202 wir eine Inflation mit 1 Prozent angenommen. Der erwartete Goldpreis stellt den vom Modell prognostizierten Preis dar. Die Konstante hat keine wirtschaftliche Signifikanz, wird aber bei ökonometrischen Modellen zur Erfassung sonstiger Gegebenheiten verwendet. Sie gibt den Veränderungsgrad der Goldpreise bei ansonsten unveränderten Variablen wider (obschon dies unrealistisch wäre). 

Wie in unserem Webinar am 4. August 2020 vorgestellt, aktualisieren wir unsere Prognosen (Abbildung 2), um einige geringfügige Änderungen der Konsensprognosen für wirtschaftliche Variablen (Konsensszenario) widerzuspiegeln. Noch wichtiger ist jedoch, was passieren würde, wenn der US-Dollarkorb und die Renditen für US-Anleihen so niedrig bleiben wie seit Ende Juli 2020 (Status Quo-Szenario)? Beides sind angesichts der Ungewissheit aufgrund der steigenden Anzahl der COVID-19-Fälle auf die wirtschaftlichen Ergebnisse vernünftige Annahmen – und führen zu einer höheren Nachfrage nach Staatsanleihen führt und die Erwartungen an die Federal Reserve eher gemäßigt  ausfallen lässt.

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Quelle: WisdomTree-Modellprognosen, Bloomberg Historical Data. Daten zum Handelsschluss am 30. Juli 2020.

Unser Konsensszenario deutet darauf hin, dass Gold bis Juli 2021 auf 2200 US-Dollar pro Unze steigt. Das Status-Quo-Szenario zeigt, dass Gold bis Juli 2021 auf 2640 US-Dollar pro Unze steigen könnte, wenn die Renditen für Staatsanleihen und der US-Dollarkorb ganzjährig so niedrig bleiben wie heute. Das letztere Szenario zeigt, dass Gold noch um weitere 30 Prozent zulegen kann.

Silberprognose bis Juli 2021

In unserem jüngsten Ausblick unter dem Titel „Silver Outlook to Q2 2021: A Phoenix Rising From The Ashes, Phönix“ erörterten wir, wie wichtig die Goldpreisprognose für unsere Einschätzung bei Silber ist. Was wäre, wenn wir anstelle des „U-förmigen Konjunkturerholungsszenarios“ in der Prognose für Gold bis zum zweiten Quartal 2021 (Gold Outlook to Q2 2021: On Track to Reach New Highs) das oben dargestellte Status-Quo-Szenario verwenden und die Prognose für Silber auf Juli 2021 aktualisieren?

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Quelle: WisdomTree-Modellprognosen, Bloomberg Historical Data. Daten zum Handelsschluss am 30. Juli 2020.

Silber könnte erheblich steigen, bis auf 36 US-Dollar pro Unze (Abbildung 3). Dies entspricht ausgehend vom heutigen Niveau einer Steigerung von mehr als 25 Prozent. Zum Zeitpunkt der Niederschrift der Folien für unser jüngstes Webinar am 31. Juli 2020 wäre ein Gewinn von über 50 Prozent zu verzeichnen gewesen, aber der Silberpreis wies im Verlauf einer Woche starke Veränderungen auf.

Relativer Preis von Gold und Silber

Das Gold-Silber-Preisverhältnis war seit 2019 erhöht worden und erreichte im März 2020 mit 123 -fast vier Standardabweichungen über dem Durchschnitt seit 1990, einen Höchststand. (Abbildung 4). Mit der jüngsten Aufholrallye von Silber ist die Quote auf 74 gefallen. Die oben im Status-Quo-Szenario dargestellten Prognosen zeigen, dass das Gold-Silber-Preisverhältnis in diesem Bereich bleiben wird, der seit 1990 geringfügig über dem langjährigen Durchschnitt von 68 liegt. Wir glauben nicht, dass die Quote angesichts des potenziellen Gegenwinds, dem Silber bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen ausgesetzt sein könnte, deutlich unter dieses Niveau fallen wird. Die Angst vor einer konjunkturellen Abschwächung hält die Renditen der Staatsanleihen niedrig und die spekulative Positionierung des Goldes hoch.

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 06.01.1990 – 30.07.2020. sd = Standardabweichung

Gold und Silber haben sich in den letzten Wochen entscheidend bewegt, bleiben aber im Einklang mit ihren jeweiligen Fundamentaldaten. Es ist bemerkenswert, dass eine derart schnelle Preissteigerung eintreten kann, ohne dass blasenartige Bedingungen erforderlich sind. Wenn die gegenwärtigen Bedingungen mi niedrigen Renditen und einem schwachen  Dollar bestehen bleiben, d. h. die Renditen nicht weiter fallen oder der Dollar nicht weiter abwerten muss – könnten Gold und Silber mit der robusten Anlegerstimmung zugungsten beider Metalle ihre Rally fortsetzen.

Foto: Shutterstock

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