Wie Impfstoffe und Wahlen sich auf Anleiheninvestoren auswirken

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Die Ergebnisse der US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen und die Ankündigung eines möglichen Impfstoffs gegen Covid-19 durch Pfizer nahmen die Märkte als positiv auf. Kurz darauf bremsten uneinheitliche Konjunkturdaten und deutlich ansteigende Corona-Infektionen den Enthusiasmus der Investoren jedoch deutlich. Jared Franz, Volkswirt bei Capital Group, sowie Tom Hollenberg und Damien McCann, beide Anleihenportfoliomanager beim gleichen Haus, analysieren das Konjunkturumfeld und die Aussichten für Anleiheninvestoren.

Die Konjunkturerholung steht vor Herausforderungen

Insgesamt erhole sich die US-Wirtschaft leicht. Allerdings liefen die meisten staatlichen Hilfsprogramme aus und Nachfolgeprogramme seien alles andere als sicher, analysiert Franz. Die unverändert hohen Anträge auf Arbeitslosengeld könnten darüber hinaus auf eine Stagnation der Erholung hindeuten. Für Konjunkturprognosen sei insbesondere ein wirksamer Impfstoff entscheidend. Dieser könne den wirtschaftlichen Teufelskreis durchbrechen und für eine steigende Nachfrage sorgen. Bereits durch die ersten Ankündigungen hätten sich die Wachstumsaussichten für die nächsten Jahre verbessert.

„Sollte sich in der zweiten Jahreshälfte 2021 durch die Impfung so etwas wie eine Herdenimmunität einstellen, könnten sich die Wachstumsprognosen verbessern, auf drei Prozent im nächsten Jahr und auf drei bis vier Prozent im Jahr 2022“, sagt Franz. „Problematisch ist jedoch, dass der Impfstoff ungeachtet der Ankündigungen möglicherweise erst in sechs bis neun Monaten auf den Markt kommt und die Wirksamkeit noch nicht abschließend bewiesen ist.“ Eine daraus entstehende Lücke müssten Geld- und Fiskalpolitik überbrücken. 

Niedrige Zinsen und flache Zinsstrukturkurve bilden Sicherheitsnetz für Risikoassets 

„Die US Federal Reserve hat signalisiert, dass die Geldpolitik so lange expansiv bleibt, bis sich die Wirtschaft vollständig erholt hat“, sagt Hollenberg. Auch die Entwicklung der Zinsen hänge daher stark von der Covid-19-Entwicklung ab. Nachdem über vielversprechende erste Tests von Impfstoffen berichtet wurde, waren die Zinsen leicht gestiegen.

Zeitgleich stünde allerdings der Winter an und sowohl in den USA als auch in Europa stiegen die Infektionszahlen wieder deutlich. Da die Federal Funds Target Rate bereits nahe null sei, werde die Zentralbank wohl zum Quantitative Easing greifen müssen. Der Kauf von Treasuries mit einer längeren Duration sei am wahrscheinlichsten. „Wir gehen davon aus, dass sich die Zinsen in einer engen Spanne bewegen und die Zinsstrukturkurve flacher wird“, sagt Hollenberg. „In den kommenden zehn Monaten erwarte ich die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries zwischen 0,7 und 1 Prozent und die Rendite die 30-jährigen zwischen 1,4 und 1,8 Prozent.“

Damit sind die US-Renditen zurzeit höher als die Renditen in den meisten Industrieländern. Da die Inflation zumindest noch in den kommenden Monaten niedrig bleiben dürfte, könnten Treasuries für Investoren interessant sein, die risikoreichere Assets absichern wollten. 

Attraktive Aussichten für US-Credits

In Hinblick auf die Aussichten für Unternehmensanleihen, hätten laut McCann ebenfalls die positiven Meldungen bei der Corona-Impfstoffentwicklung sowie insbesondere der Ausgang der US-Wahl eine positive Entwicklung im kommenden Jahr denkbarer gemacht – und das ungeachtet ihres Risikoniveaus.

„Die Wahrscheinlichkeit eines Zwei-Parteien-Kongresses ist hoch, sodass sich die Politik in wichtigen Bereichen wie Steuern vermutlich nicht deutlich ändern wird“, sagt McCann. „Das ist gut für die Unternehmensgewinne.“ Für risikobereitere Multi-Asset-Investoren seien insbesondere US-High-Yield-Anleihen interessant. Deren Fundamentaldaten seien gut und aufgrund weitreichender Unterstützungen durch die US-amerikanische Zentralbank blieben sie interessanter als Investmentgrade-Titel. Außerdem könnten angesichts der sukzessiv anziehenden Wirtschaft die Unternehmensgewinne wieder Vorkrisenniveaus erreichen, mit denen Unternehmen Teile ihrer im März und April aufgenommenen Schulden zurückzahlen könnten. Eine solche Phase des Schuldenabbaus wäre positiv für Credits. Neben US-High-Yield-Anleihen böten sich auch bei risikoreicheren Schwellenländer-Anleihen Chancen.

„Zwar sind einige Credits in Schwierigkeiten geraten, allerdings gibt es auch in US-Dollar denominierte Anleihen von Ländern, die auch in schwierigen Zeiten in der Lage sein werden, ihre Schulden zu bedienen“, sagt McCann. „Dazu gehören etwa die Dominikanische Republik, Äthiopien, Belarus, die Ukraine oder Ägypten, die von einer Erholung der Weltwirtschaft profitieren dürften.“

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