28. Mai 2020, 07:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wird Huawei ausgesperrt?

Die USA machen ernst und „sperren“ Huawei vom Zugang zu wichtigen Technologien aus. Eine Analyse der jüngsten US-Sanktionen gegen Huawei von Fabrice Jacob, CEO JK Capital Management Ltd., ein Unternehmen der La-Française-Gruppe.

Fabrice-Jacob in Wird Huawei ausgesperrt?

Fabrice Jacob, JK Capital Management Ltd

Am 15. Mai verschärfte die Trump-Regierung die Sanktionen gegen Huawei. Das Unternehmen soll daran gehindert werden, Produkte zu verkaufen, die ihre eigenen Chips enthalten. Genauer gesagt: Die Chips, die von der Huawei-Design-Tochter HiSilicon entworfen wurden. Von nun an muss jedes Unternehmen weltweit, das Chips für Huawei entwirft oder herstellt und dafür entweder US-Anlagen oder US-Software verwendet durch die US-Regierung lizensiert werden.Und vermutlich wird eine solche Lizenz niemals erteilt werden, da die offizielle Verweigerung der Lizenz den Ausgangspunkt des Lizensierungsverfahrens markiert.

Die Chiphersteller, inklusive TSMC aus Taiwanals weltweit größter, verwenden alle US-Geräte, und einige dieser Maschinen, wie die von Applied Material, Lam Research oder KLA-Tencor, haben keine ausländische Konkurrenz. Gleiches gilt für Electronic-Design-Automation-Software, die für Entwickler wie HiSilicon unerlässlich ist. Diese Software kann nur von den amerikanischen Firmen Synopsys oder Cadence Design Systems erworben werden.

Wird Huawei daran zerbrechen? Höchstwahrscheinlich nicht.

Was die Chipherstellung betrifft, kann HiSilicon jederzeit beschließen, seinen langjährigen Partner TSMC durch chinesische Hersteller zu ersetzen–SMIC und Hua Hong Semiconductor kommen einem hier als erstes in den Sinn. Obwohl ihre Technologie noch nicht so ausgereift ist wie die von TSMC, glauben wir, dass diese Hersteller eine Multiple-Patterning-Technologie anwenden können, die keine in den USA hergestellten Geräte benötigt, um 12-Nanometer-Chips (12 nm) oder 10-nm-Chips zu liefern, die für Huawei-Telefone noch ausreichend wären. Es stimmt zwar, dass die Chips nicht so leistungsfähig wären wie die derzeit von TSMC produzierten 7-nm-Chips der Spitzenklasse. Allerdings ist dies genau das, was Intel derzeit macht, da es den Multiple-Patterning-Prozessbei 10nm weitgehend übernommen hat. Dies wird Huaweis gegenwärtige Halbleitergeschwindigkeit nichtsdestotrotz um etwa 20-30% senken. Darüber hinaus sind die Leistung und Kapazität chinesischer Halbleiterwerke wie SMIC und Hua Hong noch lange nicht optimal. Das bedeutet, dass die Produktionskosten am Ende höher sein könnten als jetzt mit TSMC als Fertigungspartner.

Schlussendlich wird Huawei trotzdem weiterhinin der Lage sein, die Chips und die Telefone, die das Unternehmen derzeit verkauft, zu liefern, ohne irgendeine US-Technologie einzusetzen.

Interessanterweise erklärte TSMC an dem Tag, an dem die Trump-Regierung ihre jüngste Reihe anSanktionen gegen Huawei vorstellte, dass das Unternehmen zwischen 2021 und 2029 12 Milliarden US-Dollar in den Bau einer Fabrik in Arizona investiert, deren Produktion 2024 anlaufen soll. Die Tatsache, dass diese Ankündigung am selben Tag erfolgte, ist sicherlich kein Zufall. Wir gehen davon aus, dass TSMC mit der US-Regierung ein Abkommen ausgehandelt hat, Chips für Huawei auf amerikanischem Boden und unter strenger Aufsicht der US-Regulierungsbehörden zu fertigen. Ob diese Chips von HiSilicon oder von einem unabhängigen Entwicklerentworfen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt rein spekulativ. Aber es ist sicherlich eine kluge Vorgehensweise vonTSMC, um das Smartphone-Chip-Geschäft von Huawei, das 8% bis 10% des Gesamtumsatzes ausmacht, nicht zuverlieren. Mit anderen Worten glaubenwir, dass das Smartphone-Geschäft von Huawei durch den jüngsten Schritt der Trump-Regierung,wenn überhaupt, nur geringfügig beeinträchtigt wird – ungeachtet der Tatsache, dass Huawei vor der Ankündigung der Sanktionen viele von HiSilicon entworfene und von TSMC hergestellte Chips bereits auf Lager hatte.

Leider hat die andere Sparte von Huawei, die so genannte High-Performance-Computing-Division, die für die Telekommunikationsausrüstung zuständig ist, vielleicht nicht so viel Glück.

Dies ist das größte derartige Unternehmen der Welt. Bei der Herstellung von 4G-und 5G-Netzwerkgeräten konkurriert es mit Nokia, Ericsson sowie Samsung Electronics und ist dafür bekannt, die leistungsfähigste Technologie anzubieten. Dies ist der Sektor, denTrump aus Angst vor Sicherheitsverletzungen ausschalten will. Es ist aber auch derjenige, den die chinesische Regierung um jeden Preis verteidigen will. Denn dies ist buchstäblich das Aushängeschild des chinesischen Know-hows. Die Zentraleinheiten, die (wieder einmal) von TSMC hergestellt werden, sind nicht so hochentwickelt, wie sie es bei Smartphones sein könnten, da die Miniaturisierung bei Telekommunikationsgeräten kein Thema ist. Diese 5G-Geräte benötigen jedoch andere Chips, die nur in den USA hergestellt werden. Basisbandprozessoren sind eine dieser Schwachstellen, die Huawei im vergangenen Jahr durch die Einführung eines eigenen 5G-Basisbandprozessors namens Tiangang, der von TSMC hergestellt wird, umgehen konnte. Allerdings verwendet TSMC zu ihrer Herstellung amerikanische Anlagen. Es ist bekannt, dass TSMC und die durchaus kritischenUS-Chiphersteller (wie Broadcom, Qualcomm, Marvell) Huawei bereits einen Bestand zur Verfügung gestellt haben, der bis 2021 reichen sollte. Zu diesem Zeitpunkt wird Huawei von seinen entscheidenden Lieferanten abgeschnitten sein, sollte bis dahin keine Einigung zwischen den USA und China erzielt werden. Huawei müsste die Herstellung von 5G-Kommunikationsgeräten dann einstellen.

Wie hat China reagiert?

Das Land hat damit gedroht, Gegenmaßnahmen gegen einige sorgfältig ausgewählte US-Unternehmen zu ergreifen. Die Global Times, ein Sprachrohr der chinesischen Regierung, hat angedeutet, dass Peking erwägt, den Verkauf aller Produkte von Qualcomm (die 48% desGesamtumsatzes in China machen), Cisco (3%), Apple (17%) und Boeing (17%) inChina zu verbieten, sollte die US-Regierung nicht von ihrem Weg abweichen. Dies ist das jüngste Kapitel einer Geschichte, die den Chipherstellern sowohl in Asien als auch in den Vereinigten Staaten bereits großes Kopfzerbrechen bereitet hat. Sehr wahrscheinlich wird es noch viele weitere Kapitel geben.

Fotos: Shutterstock, JK Capital Management Ltd.

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

80 Prozent: Leistungsquote in der BU gestiegen

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) hat die neue Leistungsquotenstatistik in der Berufsunfähigkeitsversicherung veröffentlicht. Gegenüber dem Vorjahr verkürzte sich die Bearbeitungszeit von 110 auf 106 Tage. Insgesamt wurden 80 Prozent aller Anträge bewilligt, nach 79 Prozent ein Jahr zuvor.

mehr ...

Immobilien

Verlängertes Baukindergeld ist eines der bekanntesten Fördermittel

Zwei Jahre nach Einführung zeigt eine aktuelle Studie: Das Baukindergeld gehört zu den bekanntesten Fördermitteln in Deutschland. Laut einer repräsentativen Erhebung von Statista im Auftrag der Interhyp AG kennen 59 Prozent der Deutschen das Baukindergeld, für das der Förderzeitraum gerade um drei Monate bis Ende März 2021 aufgrund der Corona-Pandemie verlängert wurde.

mehr ...

Investmentfonds

Nachhaltiges Investieren: Versicherer auf Kurs?

Die Integration von ESG-Faktoren (Environment, Social, Governance) bei der Kapitalanlage deutscher Versicherungsunternehmen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dies geht aus einer aktuellen Studie des europäischen Assetmanagers Candriam und der Versicherungsforen Leipzig hervor. Was die größten Herausforderungen beim Thema ESG sind.

mehr ...

Berater

Finanzstark ins digitale Zeitalter

Home-Office, Online-Handel, E-Business – nur einige Begriffe, die für den fundamentalen Wandel in der Unternehmenslandschaft stehen. Ein Wandel, der zwar schon vor Corona begann, aber durch die Pandemie eine neue Dynamik erreicht hat. Gastbeitrag von Dirk Oliver Haller, DFT Deutsche Finetrading 

mehr ...

Sachwertanlagen

AEW versilbert deutsches Büroimmobilien-Portfolio

Der Asset Manager AEW gibt die Vermittlung der Anteilscheine am AEW City Office Germany-Fonds an einen Fonds von Tristan Capital Partners, Curzon Capital Partners 5 LL, bekannt. Das Portfolio umfasst sieben Objekte mit insgesamt rund 83.000 Quadratmetern Mietfläche.

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...