19. Juni 2020, 14:10
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Wirecard-Chef tritt nach Bilanzskandal zurück

Wirecard-Vorstandschef Markus Braun tritt im Zuge des Bilanzskandals bei dem Dax-Konzern mit sofortiger Wirkung zurück. Interims-Chef wird der erst am Vorabend in den Vorstand berufene US-Manager James Freis, wie Wirecard am Freitag in München mitteilte.

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Der bisherige Wirecard-Vorstandschef Markus Braun

Braun hat den in Not geratenen Konzern nach seinen Worten aus eigenem Antrieb verlassen. Wirecard habe ein exzellentes Geschäftsmodell, herausragende Technologie und ausreichende Ressourcen für eine große Zukunft, schrieb Braun am Freitag in einer auf Englisch verfassten persönlichen Erklärung an Mitarbeiter und Aktionäre. “Ich will diese Zukunft nicht belasten.”

Er habe den Vorsitzenden des Aufsichtsrats am Vormittag über seine Entscheidung informiert. “Mit meiner Entscheidung respektiere ich die Tatsache, dass die Verantwortung für alle geschäftlichen Transaktionen beim Vorstandschef liegt.”

Der Zahlungsabwickler ist seit über einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner “Financial Times” dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf.

Am Donnerstag hatte Wirecard schließlich offenbart, dass die Bilanzprüfer Zweifel an der Existenz von 1,9 Milliarden Euro haben, die auf Treuhandkonten in Asien verbucht wurden. Es gebe Hinweise auf falsche Angaben zu Täuschungszwecken. Daher hatte Wirecard die Vorlage der Jahresbilanz erneut verschoben. Wirecard selbst fürchtet einen “gigantischen” Milliardenbetrug und will Strafanzeige erstatten.

Verlust von Milliardenkrediten droht

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab, sowohl an Ladenkassen als auch online. Aktionärsvertreter hatten den Rücktritt Brauns mehrfach gefordert, um rasch für Aufklärung zu sorgen. Auch droht eine Klagewelle.

Zudem droht Wirecard der Verlust von Milliardenkrediten. Wenn das Unternehmen bis zum heutigen Freitag keinen von Wirtschaftsprüfern testierten Jahres- und Konzernabschluss vorlege, könnten Kredite von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, hatte Wirecard am Donnerstag bekannt gegeben.

Die Aktie befindet sich seit Donnerstag im freien Fall. Auch Anleihe-Investoren bekommen kalte Füße, der Kurs der einzigen Wirecard-Anleihe ist ebenfalls stark gesunken. Zudem zeigen Finanzinstrumente, mit denen Anleger sich gegen einen Ausfall der Anleihe absichern können, dass immer Investoren einen Zahlungsausfall fürchten. (dpa-AFX)

Foto: Picture Alliance

1 Kommentar

  1. Das sieht auch nach einem Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht BaFin aus! Einmal mehr. Und die sollen jetzt auch noch die 37.000 unabhängigen Finanzdienstleister beaufsichtigen? Ein Treppenwitz! Finanzminister Olaf Scholz, SPD,
    sollte eher das Engagement seiner Partei und des BMF für die Banken überdenken und die schon bestehenden Strukturen der BaFin überprüfen.

    Kommentar von Norman Wirth — 19. Juni 2020 @ 15:25

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