2. Juli 2020, 12:34
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wirecard-Skandal – Wirtschaftsprüfer im Auge des Sturms

Der Bilanzskandal um den mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard hat Anleger Milliarden gekostet. Mittlerweile steht auch der zuständige Wirtschaftsprüfer EY im Fokus. Der Prozessfinanzierer Foris AG arbeitet mit führenden Bank- und Kapitalrechtskanzleien an gemeinsamen Lösungen.

110761634 in Wirecard-Skandal – Wirtschaftsprüfer im Auge des Sturms

Auch wenn es hierzulande bereits den einen oder anderen Fall von Bilanzbetrug gegeben hat, ist die Dimension bei Wirecard für Deutschland doch einzigartig: Eine im DAX30 notierte Gesellschaft muss per ad-hoc-Mitteilung zugeben, dass rund 1,9 Milliarden Euro, die eigentlich auf Treuhandkonten bei zwei Banken liegen sollten, nicht auffindbar sind. Inzwischen scheint sicher: Das Geld hat es nie gegeben. „In der Folge kam es zu einer regelrechten Kernschmelze von Wirecard. Der Kurs der Aktie brach um mehr als 95 Prozent ein, die Gesellschaft meldete Insolvenz an“, sagt Hanns-Ferdinand Müller, Vorstand des Prozessfinanzierers Foris AG.

Im Auge des Sturms ist neben der Wirecard AG auch die Prüfungsgesellschaft EY, die dem Zahlungsdienstleister das Testats für die Unternehmensbilanz 2019 verweigert hatte. „Da EY die Wirecard-Bilanzen bereits seit 2009 durchgehend geprüft – und bestätigt – hat, stehen nun die Wirtschaftsprüfer selbst im Rampenlicht, wenn es um die Durchsetzung der milliardenhohen Schadenersatzforderungen geschädigter Anleger geht“, so Müller.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sieht sich deshalb einer zunehmenden Zahl von Klageankündigungen ausgesetzt. „Es ist kein Wunder, dass viele Anwälte sich auf EY konzentrieren. Im Gegensatz zur insolventen Wirecard AG oder zu den handelnden Personen, ist EY tatsächlich sehr solvent“, sagt Müller. Die Erfahrung zeige allerdings, dass der Klageweg nicht nur teuer, sondern vor allem langwierig ist. „Auch ist alles andere als sicher, ob eine Klage am Ende erfolgreich ist. Viel wird davon abhängen, was EY in den Vorjahren bereits über den Zustand von Wirecard wusste oder angesichts ihres tiefen Einblicks über immerhin zehn Jahre hätte wissen müssen“, erläutert Müller.

Zwar deutet zurzeit einiges darauf hin, dass selbst EY sich gewünscht hätte, die Testate für Wirecard nicht bis ins Jahr 2018 uneingeschränkt erteilt zu haben. Allerdings sind den geschädigten Wirecard-Anlegern noch nicht alle Umstände bekannt. „Genau das kann sich in den nächsten Monaten und Jahren ändern, wenn eine ganze Reihe von Behörden, Aufsichtsstellen und Unternehmen die Prüftätigkeiten von EY unter die Lupe nehmen werden“, ist Müller überzeugt.

„Obwohl es in verfahrenen Situationen wie dieser weder auf Kläger- noch auf Beklagtenseite üblich ist, bieten sich außergerichtliche Gespräche an“, erklärt Volker Knoop, der mit Müller den Vorstand der Foris AG bildet. „Natürlich werden solche Gesprächsangebote oft selbstbewusst belächelt. In den meisten Großschadensereignissen stellt sich dann allerdings nach Jahren für beide Seiten heraus: Hätte man bloß mehr miteinander gesprochen“, so Knoop weiter.

Mögliche Gesprächsformate gebe es viele. „Es muss nicht an Tag 1 um einen frühen Vergleichsschluss gehen, sondern um die Vereinbarung, wie man gemeinsam vorgehen will – anstatt sich zu bekämpfen“, meint Knoop. Er ist überzeugt, dass viel Einigungspotenzial ungenutzt liegen bleibt, wenn beide Seiten nicht die Chance früher Gespräche erkennen. „Scheitern Einigungsversuche, wird es genügend Kläger geben, die nicht untätig ihre Milliardenschäden hinnehmen wollen“, erklärt Müller und fügt hinzu: „Das könnte für EY erst recht teuer werden“.

Foto: picture-alliance

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Gewerbe versichern ganz ohne Makler? Münchener Insurtech bringt Versicherungsplattform für KKU

Die digitale Transformation bringt neue Anbieter auf dem Markt. Jetzt hat das bislang relativ unbekante Müncher Insurtech-Start-Up Insureq eine digitale Versicherungsplattform speziell für Klein- und Kleinstunternehmen (KKU)  sowie Selbstständige auf den Markt gebracht. Und will den Vertrieb von Gewerbeversicherungen damit vollständig digitalisieren.

mehr ...

Immobilien

Bestandsmieten wachsen stärker als Neuvertragsmieten

Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis-und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 2. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 1,7 % und im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,1 %. Die mit dem Index gemessene Wachstumsdynamik hat sich also im Verlauf des 2. Quartals 2020 in der Gesamtschau des deutschen Wohnimmobilienmarktes abgeschwächt, wobei vor allem die Preise für Einfamilienhäuser die größten Wachstumsbeiträge lieferten, erklärt F+B-Geschäftsführer Dr. Bernd Leutner.

mehr ...

Investmentfonds

Post-Corona: Welche Sektoren jetzt interessant sind

Die schlimmsten der kurzfristigen Corona-Auswirkungen dürften hinter uns liegen. Weniger klar ist jedoch, wie schnell sich das Wirtschaftswachstum wieder normalisiert. Nachfolgend die Einschätzung des Global Equity Teams von Nikko Asset Management.

mehr ...

Berater

Zurich bietet vier Anlagemodelle für nachhaltiges Investieren

Nachhaltiges Investieren ist derzeit in aller Munde. Die Berücksichtigung ökologischer und sozial-ethischer Aspekte in der Geldanlage ist zum Megatrend geworden. Die Zurich Gruppe Deutschland trägt diesem Umstand schon länger Rechnung und bietet jetzt im Rahmen ihrer Fondspolice gemanagte Depotmodelle an, die unter nachhaltigen Kriterien ausgestaltet sind.

mehr ...

Sachwertanlagen

Bergfürst-Crowdinvestment: Büros zu Wohnungen

Die Crowdinvesting-Plattform Bergfürst sucht sechs Millionen Euro in Tranchen ab zehn Euro, um ein Bürohaus in Frankfurt am Main in Mikro-Apartments umzubauen. Besonderheit: Wer wenig investiert, wird bei einer vorzeitigen Rückzahlung des Kapitals vorrangig bedient.

mehr ...

Recht

Corona-Hilfskredite: Große Herausforderungen

Der Gesetzgeber hat auf die Coronakrise mit vielfältigen Maßnahmen zügig reagiert. Generell zielen die Maßnahmen darauf ab, die Folgen für Privatpersonen und Verbraucher abzufedern. Wie mit Krediten umzugehen ist, die an Unternehmen projektbezogen oder zur laufenden Finanzierung des Geschäftsbetriebs ausgereicht wurden. Gastbeitrag von Rechtsanwalt Dr. Ferdinand Unzicker

mehr ...