15. Juni 2020, 15:04
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Zinskurvenkontrolle: Eine praktikable Alternative zu den Anleiheankaufprogrammen?

Zentralbanken weltweit begegnen der von der Covid-19-Pandemie ausgelösten Rezession und den Verwerfungen an den Kapitalmärkten mit immer größeren Ankaufprogrammen. Aber sind die Käufe wirklich das einzig probate Mittel?

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Dr. Volker Schmidt, Ethenea

Immerhin verfolgen manche Zentralbanken eine Strategie der Zinskurvenkontrolle. „Bei dieser Politik bestimmen die Zentralbanken nicht nur die durch ihre laufende Zinspolitik administrativ festgelegten kurzfristigen Zinssätze, sondern streben darüber hinaus auch an, die Renditen auf der Staatsanleihenkurve zu begrenzen“, so Dr. Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea. Der Portfolio Manager sieht in ihr manchen Vorteil – wenn die Voraussetzungen stimmen.

Zinskurvenkontrolle: Voraussetzungen für den Erfolg

Schmidt verweist exemplarisch auf die Zentralbankpolitik in Japan. „Die Bank of Japan ist schon 2016 von Ankaufprogrammen auf eine Politik der Zinskontrolle umgestiegen. Die Leitzinsen, zu denen die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank verzinst werden, wurden auf -0,1 Prozent festgelegt“, so der Experte. Zudem strebe sie an, die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen in einem engen Band zwischen -0,2 und +0,2 Prozent zu halten. 

Eine effektive Kontrolle der Zinskurve setze jedoch voraus, dass Zentralbanken über ausreichend Mittel verfügen, um ein solches Vorhaben glaubhaft umsetzen zu können. Nach Ansicht Schmidts müsse die Zentralbank einerseits die Erlaubnis haben, in beliebigem Maße Staatsanleihen aufzukaufen; und andererseits über genügend Anleihen verfügen, um diese wieder zu verkaufen, sollte ein Absinken der Renditen drohen. „Die Bank of Japan hat in den vergangenen vier Jahren bereits in großem Umfang eigene Staatsanleihen gekauft. Nach Berechnungen der HSBC befänden sich mittlerweile rund 88 Prozent der zehnjährigen japanischen Staatsanleihen in ihrem Besitz“, führt Schmidt an.

Damit könne sie die Zinskurve nach Belieben kontrollieren und müsse nicht mehr große Summen aufwenden, um die Renditen auf dem gewünschten Niveau zu halten. Tatsächlich seien die monatlichen Käufe von knapp JPY 10 Billionen im Jahr 2016 auf aktuell ungefähr JPY 5 Billionen zurückgegangen. In der aktuellen Krise seien die Staatsanleihenkäufe damit wesentlich geringer als die anderer Zentralbanken. 

„Auch die Fed hätte sicherlich keine Schwierigkeiten, die Renditekurve am langen Ende zu kontrollieren“, argumentiert Schmidt. Seit Ende März habe die Fed mehr als 1,5 Billionen US-Dollar an US-Treasuries gekauft. „Wenn sie ihre Käufe dabei explizit auf das lange Ende der Kurve konzentriert, sollte es ein Leichtes sein, einen möglichen Renditeanstieg zu begrenzen“, meint Schmidt. Er verweist darauf, dass die Fed schon in der Vergangenheit Erfahrung mit dieser Art der Zinspolitik gemacht habe. „In den 1940er-Jahren kontrollierte die Fed die gesamte Renditekurve für US-Treasuries und half dadurch der Regierung, die Kosten für die Kriegsfinanzierung niedrig zu halten“, sagt Schmidt

Kein Wundermittel

Insgesamt verschaffe eine Politik der Zinskurvenkontrolle damit den Notenbanken etwas mehr Flexibilität. Sie könnten so ihre Ankäufe aussetzen, sobald eine hohe Investorennachfrage herrsche, und müssten ihre Programme nicht stur im vorgegebenen Rhythmus und Volumen weiter umsetzen. „Letztlich verfolgen aber sowohl die Ankaufprogramme als auch die Zinskurvenkontrolle das Ziel, eine Refinanzierung der wachsenden Staatsdefizite zu erträglichen Zinssätzen zu ermöglichen. Bei weiter steigenden nationalen Defiziten käme aber auch eine Zinskurvenkontrolle nicht um weitere Ankäufe herum“, resümiert Schmidt.

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